Wie das annehmbar kritische ARD Politmagazin Monitor am 23.7. berichtete, werden die 14 lukrativsten Flughäfen Griechenlands an die Fraport AG verscherbelt, die sich dort für mindestens 40 Jahre hohe Profite verspricht. Pikant an dieser angeblichen "Privatisierung" ist, dass die Fraport natürlich ein deutsches Staatsunternehmen ist, dass jeweils zur Hälfte der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen gehört.
Griechenland ist ein Inselstaat. Die Anbindung der Griechischen Inseln an den Flugverkehr wäre im Sinne einer wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik und regionaler Entwicklung nötig, auch wenn einzelne Flughäfen verlusste machen. Die Flughäfen jedoch, die im Sinne einer regionalen Förderung von Staat bezuschusst werden müssen. also "Verlusste" machen, interessieren Fraport natürlich nicht, die Schliessung ist möglicherweise die Konsequenz.
Ähnlich wie bei einer Bahnprivatisierung wird hier für den Profit weniger, die Anbindung ganzer Regionen an den Rest einer Nation aufs Spiel gesetzt. Wer das Pech hat auf eine Verkehrsanbindung angewiesen zu sein die bezuschusst werden musste, der wird eben in Zukunft vom Rest der Nation abgehängt.
Das Ganze ist natürlich ein Skandal und hat mit Reformen, Solidarität oder Rettung nichts zu tun. Schäuble sichert sich die schwarze Null weiterhin auf Kosten Griechenlands.
Trotzdem würde ich dem griechischen Verkehrsminister zum Verkauf raten. Die Analysten der Fraport agieren offenbar mit vollkommen falschen Erwartungen an einen zukünftigen Flugverkehr. Wie schon in meinem Post zur 3. Startbahn in München beschrieben, wird von Fluggesellschaften und Flughafenbetreibern die drohende Energieknappheit ausgeblendet. Mit dem Fortschreiten der Krise des Kapitalismus werden die Passagierzahlen zurückgehen, da immer weniger Menschen sich eine Flugreise leisten werden können. Varoufakis, der vom Zusammenbruch des Kapitalismus ebenso überzeugt ist we ich, sollte sich über ein solches Angebot freuen und den Syriza Kollegen zum Verkauf raten.
Peak Oil ist in den Köpfen der Analysten weiterhin nicht angekommen. Es ist unmöglich, dass die Fluggastzahlen langfristig wachsen, was Fraport wahrscheinlich erwartet. Wir werden in Zukunft das Kerosin nicht einmal für die Menge Pasagierjets auftreiben können die wir heute Weltweit in der Luft haben. Auch Flughäfen die heute Gewinn machen, werden den Griechischen Staat in Zukunft Geld kosten. Wenn die Fraport AG glaubt, sie könne angesichts der ungewissen Zukunft unserer Energieversorgung 40 Jahre in die Zukunft blicken, dann würde ich an Stelle der griechischen Regierung diesen Vertrag unterschreiben und diese Verlusste mit gutem Gewissen der Fraport AG (und dem deutschen Steuerzahler) überlassen.
Ökonomie Ist die Wissenschaft die sich mit den Mechanismen der Ungleich-Verteilung des Überflusses beschäftigt. Sie selbst wird jedoch Überflüssig wenn statt dem Überfluß der Mangel herrscht.
Samstag, 25. Juli 2015
Donnerstag, 23. Juli 2015
Jugend, Prekarität und der Weg in den Generationenkonflikt
In der Süddeutschen Zeitung hat der Baywa Vorstand Klaus Josef Lutz ein Interview gegeben, dass klar macht, wie die neoliberalen Eliten sich eine gefügsame Jugend vorstellen. Eine Jugend die nicht aufmuckt und sich freiwillig der Diskriminierung, Entrechtung und Ausbeutung für alle Zeit hingibt.
Hier einige schöne Ausschnitte aus dem Interview:
"Offensichtlich gibt es heute viele 20- bis 30-Jährige, denen es vor allem auf Freude und Selbstverwirklichung ankommt, die nichts von Hierarchien und stattdessen eine gewisse Lebensqualität für garantiert halten", klagt Lutz.
Zum Problem wird das, wenn diese Menschen in Unternehmen arbeiten, die sich international bewähren müssen. Denn dann stünde die GenY "plötzlich im Konkurrenzkampf mit hochausgebildeten jungen Menschen aus Asien, Afrika und Osteuropa". Diese fragten nicht zuerst nach Selbstverwirklichung und Dienstwagen, sagt Lutz.
Weiter sagte er: "Unseren jungen Leuten müssen wir klarmachen, dass sie an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen müssen. Ich fürchte, ihnen könnte die eigene Selbstzufriedenheit noch auf die Füße fallen."
(Quelle: Huffington Post)
Der Umstand, dass dieses System und seine Versprechungen für junge Menschen immer weniger Sinn ergibt, ist für Herrn Lutz allein der Jugend zuzuschreiben. Immer mehr Altlasten dieses zerstörerischen Systems werden währenddessen von den (tatsächlich) selbstzufriedenen Gewinnern der Ausbeutung den zukünftigen Generationen aufgebürdet.
Die Jugend soll in diesem System, dass ihm die Zukunft genommen hat, vor allem funktionstüchtiges Menschenmaterial darstellen, dass sich gefälligst den Zwängen des Profits anzupassen hat. Ich habe in früheren Posts geschrieben, dass der Kampf um eine Zukunft auch ein Generationenkonflikt ist. Lutz und die anderen selbstzufriedenen, reichen, weissen, alten Männer, halten Krampfhaft das Steuer auf der Fahrt in den Abgrund fest. Ihre Rethorik ist dabei diskriminierend, nationalistisch und autoritär.
Die massenhafte Jugendarbeitslosigkeit in Europa und das Ausspielen der Nationen untereinander ist das Druckmittel um die Jugend in die freiwillige Unterwerfung zu drängen. An den Gewinnen werden sie schon lange nicht mehr beteiligt.
Dieses System funktionierte bisher gut. Seine Auswirkungen hat Pierre Bourdieu, der momentan einflussreichste Sozialforscher des 20Jh., schon 1997 beschrieben. (Pierre Bourdieu (1997): Prekarität ist überall).
Zitat: "Die von der Prekarität bewirkten Dispositionen der Unterwerfung bilden die Voraussetzung für eine immer erfolgreichere Ausbeutung, die auf einer Spaltung zwischen einerseits der immer größer werdenden Gruppe derer, die nicht arbeiten, und andererseits, die immer mehr arbeiten, fußt. Bei dem, was man ständig als ein von den unwandelbaren »Naturgesetzen« des Gesellschaftlichen regierten Wirtschaftssystemen hinstellt, scheint es sich meines Erachtens in Wirklichkeit vielmehr um eine politische Ordnung zu handeln, die nur mittels der aktiven oder passiven Komplizenschaft der im eigentlichen Sinne politischen Mächte errichtet werden kann. [...]
Damit das Wirtschaftssystem funktionieren kann, müssen die Arbeitnehmer ihre eigenen Produktions- und Reproduktionsbedingungen, aber auch die Bedingungen für das funktionieren des Wirtschaftssystems selbst einbringen, angefangen bei ihrem Glauben an das Unternehmen, an die Arbeit, an die Notwendigkeit der Arbeit usw. All diese Dinge klammern die orthodoxen Ökonomen a priori aus ihren abstrakten und verstümmelten Berechnungen aus und überlassen so die Verantwortung für die Produktion und Reproduktion all der verborgenen ökonomischen und sozialen Voraussetzungen für das Funktionieren der Wirtschaft, wie sie sie kennen, stillschweigend den Individuen oder paradoxer Weise dem Staat, dessen Zerstörung sie im übrigen predigen."
Was aber passiert, wenn die Jugend nichts mehr zu verlieren hat, und die Angst vor der Prekarität ihre Wirkung verliert? Immer mehr junge Menschen spüren, dass der Zusammenbruch dieses Systems bevorsteht. Das Schreckgespenst der Globalisierung zieht nicht mehr so gut wie früher, wenn der nächste Schritt eine Angleichung an die Arbeitsbedingungen in Bangla Desch ist. Es gelingt daher in Griechenland oder Spanien nicht mehr, das Aufbegehren zu unterbinden. Die einzige Antwort der Geldeliten darauf bisher, ist die direkte oder indirekte autoritäre Machtausübung. Das Beispiel Griechenland ist gewiss nicht das erste und wird nicht das letzte bleiben.
Dieses System zerstört nicht nur die Umwelt, das soziale Gefüge und die Demokratie, es nimmt sich auch das Mittel seiner eigenen hegemonialen Dominanz. Wenn auf der einen Seite die Angst vor der Prekarität angesichts der Auswegslosigkeit nicht mehr zieht und auf der anderen Seite die Zurückhaltung gegenüber der autoritären Machtausübung schwindet, dann droht der gewaltsame Konflikt und die Radikalisierung.
Diese wenigen, harmlos erscheinenden Sätze von Herrn Lutz weisen daher den Weg in einen gewaltsamen Konflikt der Generationen um die Zukunft.
Hier einige schöne Ausschnitte aus dem Interview:
"Offensichtlich gibt es heute viele 20- bis 30-Jährige, denen es vor allem auf Freude und Selbstverwirklichung ankommt, die nichts von Hierarchien und stattdessen eine gewisse Lebensqualität für garantiert halten", klagt Lutz.
Zum Problem wird das, wenn diese Menschen in Unternehmen arbeiten, die sich international bewähren müssen. Denn dann stünde die GenY "plötzlich im Konkurrenzkampf mit hochausgebildeten jungen Menschen aus Asien, Afrika und Osteuropa". Diese fragten nicht zuerst nach Selbstverwirklichung und Dienstwagen, sagt Lutz.
Weiter sagte er: "Unseren jungen Leuten müssen wir klarmachen, dass sie an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen müssen. Ich fürchte, ihnen könnte die eigene Selbstzufriedenheit noch auf die Füße fallen."
(Quelle: Huffington Post)
Der Umstand, dass dieses System und seine Versprechungen für junge Menschen immer weniger Sinn ergibt, ist für Herrn Lutz allein der Jugend zuzuschreiben. Immer mehr Altlasten dieses zerstörerischen Systems werden währenddessen von den (tatsächlich) selbstzufriedenen Gewinnern der Ausbeutung den zukünftigen Generationen aufgebürdet.
Die Jugend soll in diesem System, dass ihm die Zukunft genommen hat, vor allem funktionstüchtiges Menschenmaterial darstellen, dass sich gefälligst den Zwängen des Profits anzupassen hat. Ich habe in früheren Posts geschrieben, dass der Kampf um eine Zukunft auch ein Generationenkonflikt ist. Lutz und die anderen selbstzufriedenen, reichen, weissen, alten Männer, halten Krampfhaft das Steuer auf der Fahrt in den Abgrund fest. Ihre Rethorik ist dabei diskriminierend, nationalistisch und autoritär.
Die massenhafte Jugendarbeitslosigkeit in Europa und das Ausspielen der Nationen untereinander ist das Druckmittel um die Jugend in die freiwillige Unterwerfung zu drängen. An den Gewinnen werden sie schon lange nicht mehr beteiligt.
Dieses System funktionierte bisher gut. Seine Auswirkungen hat Pierre Bourdieu, der momentan einflussreichste Sozialforscher des 20Jh., schon 1997 beschrieben. (Pierre Bourdieu (1997): Prekarität ist überall).
Zitat: "Die von der Prekarität bewirkten Dispositionen der Unterwerfung bilden die Voraussetzung für eine immer erfolgreichere Ausbeutung, die auf einer Spaltung zwischen einerseits der immer größer werdenden Gruppe derer, die nicht arbeiten, und andererseits, die immer mehr arbeiten, fußt. Bei dem, was man ständig als ein von den unwandelbaren »Naturgesetzen« des Gesellschaftlichen regierten Wirtschaftssystemen hinstellt, scheint es sich meines Erachtens in Wirklichkeit vielmehr um eine politische Ordnung zu handeln, die nur mittels der aktiven oder passiven Komplizenschaft der im eigentlichen Sinne politischen Mächte errichtet werden kann. [...]
Damit das Wirtschaftssystem funktionieren kann, müssen die Arbeitnehmer ihre eigenen Produktions- und Reproduktionsbedingungen, aber auch die Bedingungen für das funktionieren des Wirtschaftssystems selbst einbringen, angefangen bei ihrem Glauben an das Unternehmen, an die Arbeit, an die Notwendigkeit der Arbeit usw. All diese Dinge klammern die orthodoxen Ökonomen a priori aus ihren abstrakten und verstümmelten Berechnungen aus und überlassen so die Verantwortung für die Produktion und Reproduktion all der verborgenen ökonomischen und sozialen Voraussetzungen für das Funktionieren der Wirtschaft, wie sie sie kennen, stillschweigend den Individuen oder paradoxer Weise dem Staat, dessen Zerstörung sie im übrigen predigen."
Was aber passiert, wenn die Jugend nichts mehr zu verlieren hat, und die Angst vor der Prekarität ihre Wirkung verliert? Immer mehr junge Menschen spüren, dass der Zusammenbruch dieses Systems bevorsteht. Das Schreckgespenst der Globalisierung zieht nicht mehr so gut wie früher, wenn der nächste Schritt eine Angleichung an die Arbeitsbedingungen in Bangla Desch ist. Es gelingt daher in Griechenland oder Spanien nicht mehr, das Aufbegehren zu unterbinden. Die einzige Antwort der Geldeliten darauf bisher, ist die direkte oder indirekte autoritäre Machtausübung. Das Beispiel Griechenland ist gewiss nicht das erste und wird nicht das letzte bleiben.
Dieses System zerstört nicht nur die Umwelt, das soziale Gefüge und die Demokratie, es nimmt sich auch das Mittel seiner eigenen hegemonialen Dominanz. Wenn auf der einen Seite die Angst vor der Prekarität angesichts der Auswegslosigkeit nicht mehr zieht und auf der anderen Seite die Zurückhaltung gegenüber der autoritären Machtausübung schwindet, dann droht der gewaltsame Konflikt und die Radikalisierung.
Diese wenigen, harmlos erscheinenden Sätze von Herrn Lutz weisen daher den Weg in einen gewaltsamen Konflikt der Generationen um die Zukunft.
Montag, 20. Juli 2015
Freitag, 10. Juli 2015
Medienfrust
Ein der wenigen guten Nachrichten der letzten Tage war, dass die Nachdenkseiten ihre Leserzahl im Juni verdoppelt haben. Offensichtlich betrifft der Frust über die Berichterstattung über Griechenland in den Medien nicht nur mich. Ich will überhaupt nicht im einzelnen auf die vielen Beispiele von schlechtem Journalismus und offensichtlicher Hofberichterstattung eingehen, es waren zu viele.
Das Öffentlich Rechtliche beispielsweise, sah sich in den zahlreichen Sondersendungen nicht dazu aufgerufen zu erklären über was die beiden Verhandlungsseiten eigentlich verhandeln, die griechische Seite zu Wort kommen zu lassen oder tatsächlich zu belegen wer jetzt wem, wie "entgegenkommt".
Die letzten Wochen haben mir den letzten Rest Respekt in diese Institutionen genommen. Ausfälle wie in diesem Video unten konnte man fast begrüßen, diese unverholene und polemische Parteilichkeit muss wirklich dem letzten klar gemacht haben was von diesen Medien zu halten ist:
Die Frage ist, was bedeutet das? Falls diese Krise des Kapitalismus sein Ende einläutet, was ich für erwiesen ansehe, dann sehen wir heute wie ein mögliches Folgesystem in Stellung geht. Das vom Volk finanzierte Fernsehen macht sich gerade zum Sprachrohr eines neuen autoritären Systems. Der Name den ich für dieses System vor kurzem bei Gerald Celente aufschnappte ist "Bankism".
Bankism gibt jeglichen Anschein an demokratischer Legitimation auf und bereitet uns darauf vor die Macht der Banker anzuerkennen. TTIP, TISA usw. sind die Geschütze die in Stellung gebracht werden und die Parlamente geben ihr letztes bischen politische Handlungsmacht freiwillig an die Technokraten der Banken und Konzerne ab.
Das Volk soll hier wie dort sich dem Diktat der Banken ergeben und seine Kehle weiterhin den Blutsaugern anbieten während die Kommentatoren dazu applaudieren. Ein Land nach dem anderen wird in die Schuldenknechtschafft gezwungen und das Staatseigentum verramscht. Wehe wenn ein Volk seine Stimme dagegen erhebt, dann kommt die Stunde des Kampagnenjournalisten und der Schreib- und Sprechhuren des öffentlich rechtlichen Journalismus.
Der Staat und das Volk haben in der Darstellung dieser "unparteiischen" Medien der Erwirtschaftung der Zinsgewinne zu dienen. Die Welt wird zu diesem Zweck aufgeteilt in Nützliche und Nutzlose und die Nutzlosen sollen im Mittelmeer ertrinken, aus Abschiebe-KZs dank neuer rassistischer Gesetze zwangsdeportiert werden oder in den abgewirtschafteten Krankenhäusern verrecken.
Hallo liebe Journalisten der ARD und des ZDF. Es ist für mich unerträglich zu sehen, wie ein Verfassungsorgan einer autoritären Elite wieder nach dem Mund redet und dabei der unverhohlene Rassismus und Klassismus in jedem Wort mitschwingt.
Ich kann nicht glauben, dass wirklich jeder ARD und ZDF Redakteur von der einfältigen Blödheit eines Sven Lorig ist oder jeglichen Anspruch seines Berufsstandes mit Füßen tritt wie Rolf-Dieter Krause.
Will das deutsche öffentlich rechtliche Fernsehen tatsächlich das Sprachrohr einer Diktatur der Wucherer sein?
Nachtrag;
Siehe dazu auch: Misik im Standard, Die deutsche Ideologie, Überwachen und Strafen
Das Öffentlich Rechtliche beispielsweise, sah sich in den zahlreichen Sondersendungen nicht dazu aufgerufen zu erklären über was die beiden Verhandlungsseiten eigentlich verhandeln, die griechische Seite zu Wort kommen zu lassen oder tatsächlich zu belegen wer jetzt wem, wie "entgegenkommt".
Die letzten Wochen haben mir den letzten Rest Respekt in diese Institutionen genommen. Ausfälle wie in diesem Video unten konnte man fast begrüßen, diese unverholene und polemische Parteilichkeit muss wirklich dem letzten klar gemacht haben was von diesen Medien zu halten ist:
Die Frage ist, was bedeutet das? Falls diese Krise des Kapitalismus sein Ende einläutet, was ich für erwiesen ansehe, dann sehen wir heute wie ein mögliches Folgesystem in Stellung geht. Das vom Volk finanzierte Fernsehen macht sich gerade zum Sprachrohr eines neuen autoritären Systems. Der Name den ich für dieses System vor kurzem bei Gerald Celente aufschnappte ist "Bankism".
Bankism gibt jeglichen Anschein an demokratischer Legitimation auf und bereitet uns darauf vor die Macht der Banker anzuerkennen. TTIP, TISA usw. sind die Geschütze die in Stellung gebracht werden und die Parlamente geben ihr letztes bischen politische Handlungsmacht freiwillig an die Technokraten der Banken und Konzerne ab.
Das Volk soll hier wie dort sich dem Diktat der Banken ergeben und seine Kehle weiterhin den Blutsaugern anbieten während die Kommentatoren dazu applaudieren. Ein Land nach dem anderen wird in die Schuldenknechtschafft gezwungen und das Staatseigentum verramscht. Wehe wenn ein Volk seine Stimme dagegen erhebt, dann kommt die Stunde des Kampagnenjournalisten und der Schreib- und Sprechhuren des öffentlich rechtlichen Journalismus.
Der Staat und das Volk haben in der Darstellung dieser "unparteiischen" Medien der Erwirtschaftung der Zinsgewinne zu dienen. Die Welt wird zu diesem Zweck aufgeteilt in Nützliche und Nutzlose und die Nutzlosen sollen im Mittelmeer ertrinken, aus Abschiebe-KZs dank neuer rassistischer Gesetze zwangsdeportiert werden oder in den abgewirtschafteten Krankenhäusern verrecken.
Hallo liebe Journalisten der ARD und des ZDF. Es ist für mich unerträglich zu sehen, wie ein Verfassungsorgan einer autoritären Elite wieder nach dem Mund redet und dabei der unverhohlene Rassismus und Klassismus in jedem Wort mitschwingt.
Ich kann nicht glauben, dass wirklich jeder ARD und ZDF Redakteur von der einfältigen Blödheit eines Sven Lorig ist oder jeglichen Anspruch seines Berufsstandes mit Füßen tritt wie Rolf-Dieter Krause.
Will das deutsche öffentlich rechtliche Fernsehen tatsächlich das Sprachrohr einer Diktatur der Wucherer sein?
Nachtrag;
Siehe dazu auch: Misik im Standard, Die deutsche Ideologie, Überwachen und Strafen
Montag, 15. September 2014
Die Erkenntnis und die Befreiung
"Wer arm ist ist selber Schuld!" ist der bestimmende Mythos unserer Zeit.
Was bewirkt dieser Mythos in unserer Gesellschaft und was macht er mit uns als Individuum?
Es ein Mythos, der dem Individuum die alleinige Verantwortung zuspricht, teil zu haben an dieser Gesellschaft. Indem wir diesen Mythos verinnerlicht haben, unterwerfen wir uns unbewusst der Herrschaft des Rationalen und der ewigen Konkurrenz.
Die Stärke diese Lüge liegt darin, dass wenn wir sie als Lüge Erkennen, sie uns von unserer Gesellschaft entfremdet. Wenn wir Sie als Lüge erkennen bricht das gesamte Gebäude der Logik der Ungleichheit um uns zusammen und wir verstehen die Welt nicht mehr. In der Erkenntnis, dass wir nicht allein sind, werden wir daher paradoxerweise isoliert in einer Gesellschaft der unbedingten Individualität.
Es ist dieser Mythos der auch die Grundlage der ökonomischen Theorie ist. Der homo ökonomicus strebt allein nach seinem persönlichen Vorteil. Die Ökonomie spricht der Gesellschaft jeglichen Einfluss auf die Formierung des Individuums und sein Handeln ab, denn das wirtschaftliche Handeln ist stets Rational und strebt nach dem eigenen Vorteil. Paradoxerweise ist es dieser Mythos der wiederum unbewusst unser Handeln bestimmt, er ist die Prägung die wir in der Sozialisierung in dieser Gesellschaft erfahren. Der Mythos der die gesellschaftliche Prägung und unser unbewusstes verneint, prägt daher wie kein anderer das individuell Unbewusste und damit die Gesellschaft.
Unabhängig davon wieviel sonst von der Psychoanalyse Sigmund Freuds heute wissenschaftlich relevant ist, die Erkenntnis Freuds, dass wir nicht Herr im Haus in unserem eigenen Gehirn sind und das Unterbewusste unser Handeln in hohen Maße bestimmt, ist seine unumstritten größte Leistung.
Ein Wirtschaftsnobelpreis wurde vergeben an die Erforschung des Unbewussten durch Daniel Kahnemann, der den irrationalen Glauben an den rationalen Wirtschaftsteilnehmer eigentlich begraben hat. Es gibt keine Sozialwissenschaft oder Naturwissenschaft, die nicht das Handeln auf die Formierung unseres Selbst durch unsere Gene und der uns umgebenden Gesellschaft zurückführt.
Nach jeder dieser wissenschaftlichen Disziplinen sind wir Spiegel unserer Gesellschaft. Unsere soziale Prägung bestimmt das eigene Handeln. Der einzelne ist eingebunden in das gesellschaftliche Gewebe durch das er geprägt wurde. Seine soziale Stellung ist von keinem anderen Faktor mehr abhängig, als diesem Vorgang. Wer arm geboren wird, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch arm bleiben. Wer dennoch reich wird, hat dies auch den Möglichkeiten zu verdanken, die die Gesellschaft ihm gab. An Erfolg und Misserfolg des Einzelnen hat immer auch die Gesellschaft einen Anteil.
Möglicherweise liegt darin das irrationale festhalten am am Glauben an das rationale Selbst begründet. Denn in der Erkenntnis der gesellschaftlichen Prägung liegt auch die Gewissheit, dass jegliche Armut und jeglicher Reichtum immer auch in der Verantwortung der Gesellschaft liegt die diese zulässt.
Der Mythos "Wer arm ist ist selber Schuld", separiert uns von allen anderen und damit uns selbst. Er macht uns wirklich arm, da er uns ausschliesst vom Reichtum des Miteinanders. Es ist die Logik des ständigen Jeder gegen Jeden, die dieser Mythos legitimiert. Er gibt uns Absolution im Angesicht des Leidens anderer.
Um so mächtiger und reicher das Individuum, um so mehr ist es oft von der irrationalen Überzeugung beseelt, dass allein die eigenen Leistungen ihm Reichtum und Macht beschert haben und das Leiden anderer ihre eigene Schuld ist. Die Erkenntnis, dass der eigene Erfolg auch der Gesellschaft und dem Zufall zu verdanken ist, stellt diese Überzeugung und damit das eigene Leben in Frage. Es ist daher für das eigene psychische Wohlbefinden wichtig an dieser Lüge festzuhalten.
Reichtum und Macht sichert daher das fortbestehen dieser Lüge. Sie tut das ebenfalls Unbewusst und nicht aus der rationalen Entscheidung heraus ihre eigene Herrschaft zu sichern. Es ist eine überlebenswichtige unbewusste Handlung des Mächtigen und Reichen diese Lüge zu verbreiten, denn mit der Wahrheit kann er nicht leben. Es ist daher weit mehr als nur eine kognitive Dssonanz.
Dabei ist die Erkenntniss darüber, inwieweit unsere Umwelt unsere Handlungen und Entscheidungen bestimmen, der Schlüssel zur Befreiung von der Herrschaft des Unbewussten. Nur wenn wir unsere Entscheidungen und unser Handeln hinterfragen, können wir hoffen uns frei zu machen von der Herrschaft der Prägung, die wir von aussen erfahren haben. Erst wenn wir die Ketten sehen die unserem Gehirn angelegt wurden als sich unser Denken im Wechselspiel mit unserer Umwelt entwickelte, können wir hoffen sie zu sprengen.
Unumgängliche Schlußfolgerung aus der Erkenntnis der gesellschaftlichen Prägung ist auch, dass wir alle eins sind und nicht separiert. Wenn die Gesellschaft und unsere Umwelt mich zu mich selbst gemacht hat, dann ist diese Umwelt und die Menschen die unsere Gesellschaft ausmachen ein wesentlicher Teil von mir.
Wir können nur erkennen wer wir sind, unsere eigene Individualität nur begreifen, wenn wir erkennen, dass die anderen und unsere Umwelt ein maßgeblicher Teil von uns sind. Ich kann nur dann mich selbst als Individuum vollständig begreifen wenn ich hinterfrage wieviel von allem anderen das mich umgibt in mir ist. Wirklich Frei kann ich daher nur sein wenn ich meine eigene Unfreiheit erkenne.
Siehe dazu auch diesen Vortrag von Raoul Martinez:
Nachtrag:
Ich hatte vor einigen Jahren schon einmal diese Aussage des österreichischen Armutsforschers Martin Schürz (Österreichische Nationalbank) hier zitiert:
Zum Abschluß möchte ich noch diesen Vortrag von Martin Schürz hier einbinden, der nicht nur die Perversion der Ungleichverteilung aufzeigt sondern auch klarmacht, zu welch irrationalen Fehleinschätzungen die Verantwortung der Schuld beim Individuum in der Selbstwahrnehmung des einzelnen führt.
Was bewirkt dieser Mythos in unserer Gesellschaft und was macht er mit uns als Individuum?
Es ein Mythos, der dem Individuum die alleinige Verantwortung zuspricht, teil zu haben an dieser Gesellschaft. Indem wir diesen Mythos verinnerlicht haben, unterwerfen wir uns unbewusst der Herrschaft des Rationalen und der ewigen Konkurrenz.
Die Stärke diese Lüge liegt darin, dass wenn wir sie als Lüge Erkennen, sie uns von unserer Gesellschaft entfremdet. Wenn wir Sie als Lüge erkennen bricht das gesamte Gebäude der Logik der Ungleichheit um uns zusammen und wir verstehen die Welt nicht mehr. In der Erkenntnis, dass wir nicht allein sind, werden wir daher paradoxerweise isoliert in einer Gesellschaft der unbedingten Individualität.
Es ist dieser Mythos der auch die Grundlage der ökonomischen Theorie ist. Der homo ökonomicus strebt allein nach seinem persönlichen Vorteil. Die Ökonomie spricht der Gesellschaft jeglichen Einfluss auf die Formierung des Individuums und sein Handeln ab, denn das wirtschaftliche Handeln ist stets Rational und strebt nach dem eigenen Vorteil. Paradoxerweise ist es dieser Mythos der wiederum unbewusst unser Handeln bestimmt, er ist die Prägung die wir in der Sozialisierung in dieser Gesellschaft erfahren. Der Mythos der die gesellschaftliche Prägung und unser unbewusstes verneint, prägt daher wie kein anderer das individuell Unbewusste und damit die Gesellschaft.
Unabhängig davon wieviel sonst von der Psychoanalyse Sigmund Freuds heute wissenschaftlich relevant ist, die Erkenntnis Freuds, dass wir nicht Herr im Haus in unserem eigenen Gehirn sind und das Unterbewusste unser Handeln in hohen Maße bestimmt, ist seine unumstritten größte Leistung.
Ein Wirtschaftsnobelpreis wurde vergeben an die Erforschung des Unbewussten durch Daniel Kahnemann, der den irrationalen Glauben an den rationalen Wirtschaftsteilnehmer eigentlich begraben hat. Es gibt keine Sozialwissenschaft oder Naturwissenschaft, die nicht das Handeln auf die Formierung unseres Selbst durch unsere Gene und der uns umgebenden Gesellschaft zurückführt.
Nach jeder dieser wissenschaftlichen Disziplinen sind wir Spiegel unserer Gesellschaft. Unsere soziale Prägung bestimmt das eigene Handeln. Der einzelne ist eingebunden in das gesellschaftliche Gewebe durch das er geprägt wurde. Seine soziale Stellung ist von keinem anderen Faktor mehr abhängig, als diesem Vorgang. Wer arm geboren wird, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch arm bleiben. Wer dennoch reich wird, hat dies auch den Möglichkeiten zu verdanken, die die Gesellschaft ihm gab. An Erfolg und Misserfolg des Einzelnen hat immer auch die Gesellschaft einen Anteil.
Möglicherweise liegt darin das irrationale festhalten am am Glauben an das rationale Selbst begründet. Denn in der Erkenntnis der gesellschaftlichen Prägung liegt auch die Gewissheit, dass jegliche Armut und jeglicher Reichtum immer auch in der Verantwortung der Gesellschaft liegt die diese zulässt.
Der Mythos "Wer arm ist ist selber Schuld", separiert uns von allen anderen und damit uns selbst. Er macht uns wirklich arm, da er uns ausschliesst vom Reichtum des Miteinanders. Es ist die Logik des ständigen Jeder gegen Jeden, die dieser Mythos legitimiert. Er gibt uns Absolution im Angesicht des Leidens anderer.
Um so mächtiger und reicher das Individuum, um so mehr ist es oft von der irrationalen Überzeugung beseelt, dass allein die eigenen Leistungen ihm Reichtum und Macht beschert haben und das Leiden anderer ihre eigene Schuld ist. Die Erkenntnis, dass der eigene Erfolg auch der Gesellschaft und dem Zufall zu verdanken ist, stellt diese Überzeugung und damit das eigene Leben in Frage. Es ist daher für das eigene psychische Wohlbefinden wichtig an dieser Lüge festzuhalten.
Reichtum und Macht sichert daher das fortbestehen dieser Lüge. Sie tut das ebenfalls Unbewusst und nicht aus der rationalen Entscheidung heraus ihre eigene Herrschaft zu sichern. Es ist eine überlebenswichtige unbewusste Handlung des Mächtigen und Reichen diese Lüge zu verbreiten, denn mit der Wahrheit kann er nicht leben. Es ist daher weit mehr als nur eine kognitive Dssonanz.
Dabei ist die Erkenntniss darüber, inwieweit unsere Umwelt unsere Handlungen und Entscheidungen bestimmen, der Schlüssel zur Befreiung von der Herrschaft des Unbewussten. Nur wenn wir unsere Entscheidungen und unser Handeln hinterfragen, können wir hoffen uns frei zu machen von der Herrschaft der Prägung, die wir von aussen erfahren haben. Erst wenn wir die Ketten sehen die unserem Gehirn angelegt wurden als sich unser Denken im Wechselspiel mit unserer Umwelt entwickelte, können wir hoffen sie zu sprengen.
Unumgängliche Schlußfolgerung aus der Erkenntnis der gesellschaftlichen Prägung ist auch, dass wir alle eins sind und nicht separiert. Wenn die Gesellschaft und unsere Umwelt mich zu mich selbst gemacht hat, dann ist diese Umwelt und die Menschen die unsere Gesellschaft ausmachen ein wesentlicher Teil von mir.
Wir können nur erkennen wer wir sind, unsere eigene Individualität nur begreifen, wenn wir erkennen, dass die anderen und unsere Umwelt ein maßgeblicher Teil von uns sind. Ich kann nur dann mich selbst als Individuum vollständig begreifen wenn ich hinterfrage wieviel von allem anderen das mich umgibt in mir ist. Wirklich Frei kann ich daher nur sein wenn ich meine eigene Unfreiheit erkenne.
Siehe dazu auch diesen Vortrag von Raoul Martinez:
Nachtrag:
Ich hatte vor einigen Jahren schon einmal diese Aussage des österreichischen Armutsforschers Martin Schürz (Österreichische Nationalbank) hier zitiert:
"„In der öffentlichen Debatte konkurrieren strukturelle Erklärungen menschlichen Handelns mit individualisierten Zuschreibungen von Verantwortung.Obwohl die Auffassung individueller Verantwortung die Debatte in der Öffentlichkeit bestimmt, ist dies mit den Ergebnissen der Sozialwissenschaft nicht zu vereinbaren. In der Debatte liegt das Potential einer gesellschaftlichen Revolution. Wenn wir uns der Verantwortung der Gesellschaft klar werden, kann das bisherige Wirtschaftsystem nicht mehr legitimiert werden.
Soziale Ungleichheit kann verstanden werden als Resultat eines individuell zu verantwortenden Verhaltens, so dass Reichtum bzw. Armut den Betroffenen verdientermaßen zukommt.
Oder die Position in der sozialen Hierarchie wird verstanden als Effekt von strukturellen Ursachen, wie etwa ungleicher Startbedingungen, unter denen Individuen am Markt aufeinander treffen. Von der Antwort auf diese Fragen hängt ab, wie die Wirtschaftspolitik auf soziale Ungleichheit reagiert."
Zum Abschluß möchte ich noch diesen Vortrag von Martin Schürz hier einbinden, der nicht nur die Perversion der Ungleichverteilung aufzeigt sondern auch klarmacht, zu welch irrationalen Fehleinschätzungen die Verantwortung der Schuld beim Individuum in der Selbstwahrnehmung des einzelnen führt.
Dienstag, 15. Juli 2014
Geld oder Liebe
Geld oder Liebe?
Dieser Artikel erschien in "Hinterland", dem Magazin des Bayerischen Flüchtlingsrates.
In einem Labor der Berkeley Universität spielen zwei zufällig ausgewählte Testkandidaten Monopoly. Der eine Spieler zieht den Spielstein (den Rolls-Royce) mit einem triumphierenden „tock, tock, tock“ über das Spielfeld und beendet seinen Spielzug mit einem lauten Knall. Genüsslich zählt er das Spielgeld, dass sein Gegenspieler mit einer schicksalsergebenen Teilnahmslosigkeit über den Tisch schiebt. Offenbar zeichnen sich in diesem Spiel ein Sieger und ein Verlierer ab. Vor einem der Spieler türmen sich nicht nur die Geldstapel, irgendwie ist auch die Schüssel mit den Salzbrezeln, an der er sich großzügig bedient, in seine Nähe gewandert. Um so länger das Spiel dauert, desto unangenehmer wird die Stimmung zwischen den Spielern. Der schweigsame Verlierer muss sich immer öfter unhöfliche, triumphierende Kommentare gefallen lassen wie „Ich kann schon gar nicht mehr verlieren.“ oder „Bald gehört mir alles was Du hast.“.
Nach 15 Minuten wird das Experiment abgebrochen und die Teilnehmer nach ihren Erlebnissen befragt. Der Gewinner wird voller Selbstbewusstsein sein Spielgeschick herausstellen und mit echter Überzeugung erklären warum er seiner Meinung nach den Sieg verdient hat. Tatsächlich aber war das Spiel von Anfang an zu seinen Gunsten manipuliert. Ein Los vor Beginn des Spiels hatte entschieden, wer das doppelte Startkapital erhält, das doppelte Einkommen bei „Los“ einzieht und nicht nur mit einem, sondern zwei Würfeln ziehen darf. Dass ein Münzwurf über diese unfairen Ausgangsbedingungen entschieden hatte, war bei den über hundert Kandidatinnen und Kandidaten in der Rückschau der Gewinnerinnen und Gewinner weit weniger Präsent, als in der der Verliererinnen und Verlierer. „Das ist eine wirklich unglaubliche Erkenntnis darüber, wie das menschliche Gehirn einen solchen Vorteil verarbeitet“, erklärt Paul Piff, Psychologe im „Berkeley Social Interaction Laboratory“ (1).
In den Arbeiten von Prof. Dacher Keltner, Doktorvater von Paul Piff und Direktor des „Berkeley Social Interaction Laboratory“, geht es um die Liebe als soziales Phänomen. Er steht damit ganz in der Tradition von Sozialpsychologen wie Erich Fromm, der mit „Die Kunst des Liebens“ eines der einflussreichsten philosophischen Werke über die Liebe verfasst hat. Wie Erich Fromm sieht Dacher Keltner das Mitgefühl bzw. die Nächstenliebe als die fundamentale Eigenschaft des Menschen und „die fundamentalste Art von Liebe, die allen anderen Formen zugrunde liegt“ (2). „Unsere Spezies hat überlebt, weil wir die Fähigkeit entwickelt haben, zu kooperieren und für Hilfsbedürftige zu sorgen“ sagt Dacher Keltner und stützt sich damit auf Erkenntnisse der Evolutionspsychologie die bis Pjotr Kropotkin zurückreichen. (3)
Im Rahmen der Dissertation "On wealth and wrongdoing: How social class influences unethical behavior." (4), hat Paul Piff daher verschiedene Versuche darüber durchgeführt ob Mitgefühl und Nächstenliebe durch Reichtum beeinflusst werden. Im Verlauf dieser Arbeit stellte Paul Piff fest, dass sich Reiche weniger an die Straßenverkehrsordnung halten, öfter unethische Entscheidungen treffen, eher bereit sind sich bewusst auf Kosten anderer zu bereichern und weit häufiger schummeln um zu gewinnen. Er meint einen eindeutigen Zusammenhang zwischen sozialer Klasse und (un)sozialem Verhalten feststellen zu können, auch wenn natürlich nicht alle Reichen gierig und hartherzig und nicht alle Armen großzügig und mitfühlend sind.
Laut Paul Piff nehmen mit steigender sozialer Klasse Nächstenliebe, Empathie und Mitgefühl ab, während die Bereitschaft die üblichen Rechtfertigungen von sozialer Ungerechtigkeit zu akzeptieren, wie „Gier ist gut“ oder „Reiche haben sich ihr Vermögen verdient“ zunimmt.
„In dem Monopolyspiel wollten wir untersuchen wie sich das Verhalten der Gewinner in einem solchen manipulierten Spiel verändert.“ erläutert Paul in seinem TED Vortrag der bereits mehreren Millionen mal im Internet aufgerufen wurde (1). Bemerkenswert an diesem Monopoly-Versuch ist, dass die Klassenunterschiede sich erst in diesem Spiel entwickelten. Beide Spieler waren Studenten der Berkeley Universität mit ähnlichem sozialen Hintergrund. Auch wenn Monopoly in einem fairen Spiel möglicherweise ehrgeizigere Spielerinnen und Spieler bevorzugt, hatte das keinen Einfluss auf den manipulierten Spielverlauf.
Zeigen die Ergebnisse von Paul Piff und Dacher Keltner, dass allein Geld zu haben schon genügt um den Charakter eines Menschen negativ zu beeinflussen? Was könnte so besonders an Geld sein, dass es diesen Einfluss auf unseren Charakter zu haben scheint?
In der gängigen Überlieferung der Wirtschaftswissenschaft wurde Geld vor allem als ein praktisches Tauschmittel erfunden ohne das wir ständig Hühner in Kartoffeln umrechnen oder Zigaretten, Salz oder Kaffee als Trinkgeld für die Kellnerin bereithalten würden. Das Problem an dieser Geschichte ist, dass diese Form einer Tauschwirtschaft nie existiert hat, schreibt David Graeber, Anthropologe, Anarchist und Held der Occupy-Wallstreet Bewegung in seinem wissenschaftlichen Bestseller „Schulden, die ersten 5000 Jahre“ (6). Er meint bevor wir Geld hatten, haben wir uns Gegenseitig beschenkt. Geld als Münze ist im wesentlichen eine Militärtechnologie. Erst als stehende Heere bezahlt werden mussten, erfanden Herrscher die Münzen. Wenn wir mit jemand auf Heller und Pfennig abrechneten, dann nur weil wir diese Person möglicherweise überhaupt nicht mochten und wahrscheinlich nie wieder sehen wollten.
Statt Tauschwirtschaften gab es laut Graeber sog. Schenkökonomien. Es genügte in diesen Schenkökonomien anzudeuten, dass Sie Bedarf an etwas haben, dass eine andere Person besitzt und schon war diese verpflichtet es ihnen zu geben. Im Gegenzug blieben Sie etwas schuldig. Diese Schuld bestand nicht unbedingt dem Schenker gegenüber, sondern der Gemeinschaft insgesamt. Am angesehendsten waren diejenigen die am meisten gaben und nicht die die am meisten hatten.
Unsere Gesellschaft funktioniert heute scheinbar genau anders herum, tatsächlich aber meint Graeber in unserer Gesellschaft überall Reste dieses Denkens zu sehen. Wenn uns eine Person etwas bedeutet und wir das ausdrücken wollen, dann beschenken wir sie. Sie wird dieses Geschenk möglicherweise mit einem anderen Geschenk erwidern, vielleicht aber auch nicht. Wenn sie das Geschenk aber ablehnt oder das Geschenk oder den exakten Gegenwert zurückgibt, dann sind wir „quitt“ und die soziale Beziehung ist zumindest gestört.
Neu an David Graeber's Arbeit ist, dass er seine Betrachtungen über Geld und Schulden aus dem Kontext unserer Zeit und unseres Wirtschaftssystems heraus löst. Seine Arbeit geht daher über eine Kapitalismuskritik oder Sozialkritik hinaus.
Die Liebe als kollektive Nächstenliebe, wie sie Erich Fromm oder Pjotr Kropotkin definierten, war auch eine der zentralen Botschaften der 68er bzw. der Hippie Bewegung. In dieser Tradition wird Liebe „als anarchisches und entgrenzendes Gegenmodell zu den Beschränkungen, Anforderungen, Funktionalisierungen und Ökonomisierungen der menschlichen Alltags- und Arbeitswelt aufgefasst.“ (7). Es hat allerdings bis heute gedauert bis jemand den direkten Einfluss von Geld auf die Liebe untersuchte. Geben uns David Graebers Einblicke in die Schenkökonomien einen Hinweis darauf warum das Geld den Menschen beeinflusst?
Dass Liebe und Schenken viel mehr gemeinsam haben als Liebe und Geld wissen wir eigentlich schon lange, diese banale Weisheit ist Teil unserer Überlieferungen von Jesus bis Lennon.
Die Dinge die wir lieben sind „unbezahlbar“ und Liebe verlangt nach keiner Gegenleistung. Anscheinend hatten wir schon lange vor der Erfindung der Marktwirtschaft Erfahrungen mit dem negativen Einfluss des Geldes auf die Liebe.
Die Arbeiten von Paul Piff und David Graeber weisen auf einen fundamentaleren Gegensatz von Liebe und Geld hin, der Unabhängig von anderen Einflüssen unseres Wirtschaftssystems zu sein scheint. Ist unser Dilemma also „Geld oder Liebe“? Können wir dieses Dilemma auflösen? Gibt es eine Form des Geldes in dem Liebe einen Platz hat?
Dieser Fragen hat sich ein weiterer Denker der Occupy-Wallstreet Bewegung verschrieben. Der Amerikanische Philosoph und Autor Charles Eisenstein versucht mit seinem Buch „Sacred Economics“ nichts geringeres, als Geld und Liebe unter einen Hut zu bringen.
Seine Lösungen für das Dilemma sind dabei nicht unbedingt neu, revolutionär ist nur sie im Zusammenhang mit der Liebe zu Denken. Charles Eisenstein greift wie David Graeber auf Erkenntnisse aus der ersten Hälfte des 20. Jh. zurück. Er stellt sich dabei vor allem die Frage ob Maßnahmen wie die Sozialdividende (Bürgergeld, Grundeinkommen) oder das Schwundgeld (negative Zinsen, umlaufgesteuertes Geld) den negativen Einfluss des Geldes auf die Liebe verändern könnten. Vor allem das Schwundgeld hat für Eisenstein dabei das Potential, Geld und Liebe zu vereinbaren, wobei er Fern jeder banalen Zinskritik argumentiert.
Das erste Experiment mit negativen Zinsen fand im Jahr 1932 in Wörgl statt. Mit der damaligen Wirtschaftskrise kam das gesamte Leben in Wörgl in Tirol zum erliegen. Geld so schreibt Eisenstein, scheint seltsame magische Eigenschaften zu haben. Obwohl die Infrastruktur und die Menschen die eine Gemeinschaft am Leben erhalten nicht verschwunden sind und obwohl Geld im Grunde nur eine Vereinbarung ist die wir untereinander treffen, bricht offenbar alles zusammen wenn das Geld weg ist. In Detroit, dass sich heute in einer ähnlichen Situation wie Wörgl 1932 befindet, können Krankenhäuser, Rettungswägen, Schulen, Kindergärten oder die Feuerwehr nur deshalb ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen weil an der Wallstreet scheinbar eine unsichtbare Energie vernichtet wurde, die diese am laufen hielt. Dabei legitimieren sich Gemeinschaften auch heute vor allem durch die sozialen Aufgaben die man in der Gemeinschaft teilt und nicht durch den Profit oder das Wachstum das erzielt wird.
Als der Wörgler Bürgermeister Unterguggenberger 1932 eine lokale Währung ausgab die monatlich 1% ihres ursprünglichen Wertes verlor, kam nicht nur die Wirtschaft in Schwung. Wie in der Schenkökonomie wurden plötzlich die gemeinsamen Projekte und der Austausch von Leistungen füreinander zum sozialen Kit der Gesellschaft.
„Während Sicherheit in einem zinsbasierten System aus der Anhäufung von Geld resultiert, kommt sie in einem Schwundsystem von produktiven Kanälen, durch die man es dirigiert. Man wird also eher ein Knotenpunkt für den Wohlstandsfluss als ein Akkumulationspunkt. Mit anderen Worten legt es den Fokus auf Beziehungen, nicht auf das Haben.“ Charles Eisenstein (8).
Er schreibt: „Nehmen wir an, ich hätte zwölf Brotlaibe und Sie wären hungrig. So viel Brot kann ich nicht essen bevor es hart wird, also gebe ich Ihnen gern etwas davon ab.“ (8) Ein gieriges Horten von Brot macht keinen Sinn. Geld das verdirbt wenn man es länger besitzt hat seiner Meinung nach die gleichen Eigenschaften. Wenn man mehr Schwundgeld hat als man benötigt, ist es vernünftiger man schenkt es anderen, die einem dafür etwas Schuldig bleiben. Schwundgeld verhindert so das Anhäufen von Geld, befördert die Großzügigkeit und das Schenken und damit den sozialen Zusammenhalt der Gemeinschaft. Auf diese Weise kann Schwundgeld unsere Gesellschaft grundlegend verändern. Das Schenken macht Schenker und Beschenkte zum Teil einer das Ich transzendierenden Gemeinschaftswahrnehmung.
Charles Eisenstein fasst dieses Gefühl in dem Video „The Revolution is Love!“ so zusammen:
„Liebe ist die gefühlte Verbindung zu anderen Wesen. Ein Ökonom sagt 'mehr für dich ist weniger für mich.' Der Liebende aber weiß, dass mehr für dich auch mehr für mich ist. Wenn du jemanden liebst ist ihr Glück auch dein Glück, ihr Schmerz ist dein Schmerz. Die Wahrnehmung deiner Selbst erweitert sich und schließt andere ein. Dieser Bewusstseinswandel ist universell in uns allen, dem 1. % und den 99%.“ (9)
Für die Gegner der Occupy-Wallstreet Bewegung ist Liebe als zentrale, politische Botschaft nicht fassbar. Wie soll ein Milliardär auf eine Occupy-Wallstreet Bewegung reagieren deren Botschaft ist, dass die universale Liebe der Zukunft auch ihn mit einschließt? Laut den Medien hat Occupy-Wallstreet damit schlichtweg gar keine Forderung.
Liebe hat offenbar in einem politischen Diskurs keinen Platz, der Diskurs wird vom Kapital beherrscht und der Markt regelt alles. Der Mensch der Gattung homo oeconomicus ist dabei angeblich nur auf den eigenen Vorteil aus. Glauben wir das wirklich? Lieben wir womöglich deshalb die Menschen nicht, weil wir glauben, dass die Menschen nur das Geld lieben?
Geld und Liebe werden als gegeben hingenommen und ihre Bedeutung für unser tägliches Leben ist unserer Aufmerksamkeit entglitten. Ob Charles Eisensteins Vorschläge tatsächlich unser Geldsystem so auf den Kopf stellen können, dass wir damit auf das Dilemma „Geld oder Liebe?“ eine zufriedenstellende Lösung finden, kann man nur entscheiden wenn sie ernsthaft diskutiert und ausprobiert werden.
Vielleicht ist eine Antwort wiederum in den Arbeiten von Paul Piff und Dacher Keltner zu finden. Dacher Keltner argumentiert in seinem Buch „Born to be Good“ überzeugend, dass der Mensch von „Geburt an Gut“ ist. (10) Was auch immer die Profitgier und der Reichtum mit uns anstellen ist umkehrbar. Ein Film über Kinderarmut genügte in Paul Piffs Experimenten um die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu verwischen (1). Nicht der Mensch ist laut Dacher Keltner kalt und herzlos, sondern die Art und Weise wie wir uns als Gesellschaft organisieren. Wenn er recht hat dann brauchen wir womöglich tatsächlich nur ein neues Geld um das Lieben zu lernen.
(1) Piff, Paul (2012): http://www.ted.com/talks/paul_piff_does_money_make_you_mean
(2) Fromm, Erich (2003): Die Kunst des Liebens. Frankfurt am Main.
(3) Zeit online: Professor Teddybär. http://www.zeit.de/zeit-wissen/2010/03/Portraet-Dacher-Keltner
(4) Piff, Paul Kayhan, Ph.D. (2012): On Wealth and Wrongdoing: How Social Class Influences Unethical Behavior, University of California, Berkeley.
(5) Kropotkin, Pjotr (1902): Mutual Aid: A Factor of Evolution.
(6) Graeber, David (2011): Schulden. Die ersten 5000 Jahre. Stuttgart.
(7) Wikipedia: Liebe (Abgerufen 21.5.2014).
(8) Eisenstein, Charles (2011): Sacred Economics. http://sacred-economics.com/
(9) Occupy Wall St. - The Revolution Is Love w. Charles Eisenstein(YouTube, 2011).
(10) Keltner, Dacher (2009): Born to be Good: The Science of a Meaningful Life. New York.
Siehe auch: http://occupylove.org/
Dieser Artikel erschien in "Hinterland", dem Magazin des Bayerischen Flüchtlingsrates.
In einem Labor der Berkeley Universität spielen zwei zufällig ausgewählte Testkandidaten Monopoly. Der eine Spieler zieht den Spielstein (den Rolls-Royce) mit einem triumphierenden „tock, tock, tock“ über das Spielfeld und beendet seinen Spielzug mit einem lauten Knall. Genüsslich zählt er das Spielgeld, dass sein Gegenspieler mit einer schicksalsergebenen Teilnahmslosigkeit über den Tisch schiebt. Offenbar zeichnen sich in diesem Spiel ein Sieger und ein Verlierer ab. Vor einem der Spieler türmen sich nicht nur die Geldstapel, irgendwie ist auch die Schüssel mit den Salzbrezeln, an der er sich großzügig bedient, in seine Nähe gewandert. Um so länger das Spiel dauert, desto unangenehmer wird die Stimmung zwischen den Spielern. Der schweigsame Verlierer muss sich immer öfter unhöfliche, triumphierende Kommentare gefallen lassen wie „Ich kann schon gar nicht mehr verlieren.“ oder „Bald gehört mir alles was Du hast.“.
Nach 15 Minuten wird das Experiment abgebrochen und die Teilnehmer nach ihren Erlebnissen befragt. Der Gewinner wird voller Selbstbewusstsein sein Spielgeschick herausstellen und mit echter Überzeugung erklären warum er seiner Meinung nach den Sieg verdient hat. Tatsächlich aber war das Spiel von Anfang an zu seinen Gunsten manipuliert. Ein Los vor Beginn des Spiels hatte entschieden, wer das doppelte Startkapital erhält, das doppelte Einkommen bei „Los“ einzieht und nicht nur mit einem, sondern zwei Würfeln ziehen darf. Dass ein Münzwurf über diese unfairen Ausgangsbedingungen entschieden hatte, war bei den über hundert Kandidatinnen und Kandidaten in der Rückschau der Gewinnerinnen und Gewinner weit weniger Präsent, als in der der Verliererinnen und Verlierer. „Das ist eine wirklich unglaubliche Erkenntnis darüber, wie das menschliche Gehirn einen solchen Vorteil verarbeitet“, erklärt Paul Piff, Psychologe im „Berkeley Social Interaction Laboratory“ (1).
In den Arbeiten von Prof. Dacher Keltner, Doktorvater von Paul Piff und Direktor des „Berkeley Social Interaction Laboratory“, geht es um die Liebe als soziales Phänomen. Er steht damit ganz in der Tradition von Sozialpsychologen wie Erich Fromm, der mit „Die Kunst des Liebens“ eines der einflussreichsten philosophischen Werke über die Liebe verfasst hat. Wie Erich Fromm sieht Dacher Keltner das Mitgefühl bzw. die Nächstenliebe als die fundamentale Eigenschaft des Menschen und „die fundamentalste Art von Liebe, die allen anderen Formen zugrunde liegt“ (2). „Unsere Spezies hat überlebt, weil wir die Fähigkeit entwickelt haben, zu kooperieren und für Hilfsbedürftige zu sorgen“ sagt Dacher Keltner und stützt sich damit auf Erkenntnisse der Evolutionspsychologie die bis Pjotr Kropotkin zurückreichen. (3)
Im Rahmen der Dissertation "On wealth and wrongdoing: How social class influences unethical behavior." (4), hat Paul Piff daher verschiedene Versuche darüber durchgeführt ob Mitgefühl und Nächstenliebe durch Reichtum beeinflusst werden. Im Verlauf dieser Arbeit stellte Paul Piff fest, dass sich Reiche weniger an die Straßenverkehrsordnung halten, öfter unethische Entscheidungen treffen, eher bereit sind sich bewusst auf Kosten anderer zu bereichern und weit häufiger schummeln um zu gewinnen. Er meint einen eindeutigen Zusammenhang zwischen sozialer Klasse und (un)sozialem Verhalten feststellen zu können, auch wenn natürlich nicht alle Reichen gierig und hartherzig und nicht alle Armen großzügig und mitfühlend sind.
Laut Paul Piff nehmen mit steigender sozialer Klasse Nächstenliebe, Empathie und Mitgefühl ab, während die Bereitschaft die üblichen Rechtfertigungen von sozialer Ungerechtigkeit zu akzeptieren, wie „Gier ist gut“ oder „Reiche haben sich ihr Vermögen verdient“ zunimmt.
„In dem Monopolyspiel wollten wir untersuchen wie sich das Verhalten der Gewinner in einem solchen manipulierten Spiel verändert.“ erläutert Paul in seinem TED Vortrag der bereits mehreren Millionen mal im Internet aufgerufen wurde (1). Bemerkenswert an diesem Monopoly-Versuch ist, dass die Klassenunterschiede sich erst in diesem Spiel entwickelten. Beide Spieler waren Studenten der Berkeley Universität mit ähnlichem sozialen Hintergrund. Auch wenn Monopoly in einem fairen Spiel möglicherweise ehrgeizigere Spielerinnen und Spieler bevorzugt, hatte das keinen Einfluss auf den manipulierten Spielverlauf.
Zeigen die Ergebnisse von Paul Piff und Dacher Keltner, dass allein Geld zu haben schon genügt um den Charakter eines Menschen negativ zu beeinflussen? Was könnte so besonders an Geld sein, dass es diesen Einfluss auf unseren Charakter zu haben scheint?
In der gängigen Überlieferung der Wirtschaftswissenschaft wurde Geld vor allem als ein praktisches Tauschmittel erfunden ohne das wir ständig Hühner in Kartoffeln umrechnen oder Zigaretten, Salz oder Kaffee als Trinkgeld für die Kellnerin bereithalten würden. Das Problem an dieser Geschichte ist, dass diese Form einer Tauschwirtschaft nie existiert hat, schreibt David Graeber, Anthropologe, Anarchist und Held der Occupy-Wallstreet Bewegung in seinem wissenschaftlichen Bestseller „Schulden, die ersten 5000 Jahre“ (6). Er meint bevor wir Geld hatten, haben wir uns Gegenseitig beschenkt. Geld als Münze ist im wesentlichen eine Militärtechnologie. Erst als stehende Heere bezahlt werden mussten, erfanden Herrscher die Münzen. Wenn wir mit jemand auf Heller und Pfennig abrechneten, dann nur weil wir diese Person möglicherweise überhaupt nicht mochten und wahrscheinlich nie wieder sehen wollten.
Statt Tauschwirtschaften gab es laut Graeber sog. Schenkökonomien. Es genügte in diesen Schenkökonomien anzudeuten, dass Sie Bedarf an etwas haben, dass eine andere Person besitzt und schon war diese verpflichtet es ihnen zu geben. Im Gegenzug blieben Sie etwas schuldig. Diese Schuld bestand nicht unbedingt dem Schenker gegenüber, sondern der Gemeinschaft insgesamt. Am angesehendsten waren diejenigen die am meisten gaben und nicht die die am meisten hatten.
Unsere Gesellschaft funktioniert heute scheinbar genau anders herum, tatsächlich aber meint Graeber in unserer Gesellschaft überall Reste dieses Denkens zu sehen. Wenn uns eine Person etwas bedeutet und wir das ausdrücken wollen, dann beschenken wir sie. Sie wird dieses Geschenk möglicherweise mit einem anderen Geschenk erwidern, vielleicht aber auch nicht. Wenn sie das Geschenk aber ablehnt oder das Geschenk oder den exakten Gegenwert zurückgibt, dann sind wir „quitt“ und die soziale Beziehung ist zumindest gestört.
Neu an David Graeber's Arbeit ist, dass er seine Betrachtungen über Geld und Schulden aus dem Kontext unserer Zeit und unseres Wirtschaftssystems heraus löst. Seine Arbeit geht daher über eine Kapitalismuskritik oder Sozialkritik hinaus.
Die Liebe als kollektive Nächstenliebe, wie sie Erich Fromm oder Pjotr Kropotkin definierten, war auch eine der zentralen Botschaften der 68er bzw. der Hippie Bewegung. In dieser Tradition wird Liebe „als anarchisches und entgrenzendes Gegenmodell zu den Beschränkungen, Anforderungen, Funktionalisierungen und Ökonomisierungen der menschlichen Alltags- und Arbeitswelt aufgefasst.“ (7). Es hat allerdings bis heute gedauert bis jemand den direkten Einfluss von Geld auf die Liebe untersuchte. Geben uns David Graebers Einblicke in die Schenkökonomien einen Hinweis darauf warum das Geld den Menschen beeinflusst?
Dass Liebe und Schenken viel mehr gemeinsam haben als Liebe und Geld wissen wir eigentlich schon lange, diese banale Weisheit ist Teil unserer Überlieferungen von Jesus bis Lennon.
Die Dinge die wir lieben sind „unbezahlbar“ und Liebe verlangt nach keiner Gegenleistung. Anscheinend hatten wir schon lange vor der Erfindung der Marktwirtschaft Erfahrungen mit dem negativen Einfluss des Geldes auf die Liebe.
Die Arbeiten von Paul Piff und David Graeber weisen auf einen fundamentaleren Gegensatz von Liebe und Geld hin, der Unabhängig von anderen Einflüssen unseres Wirtschaftssystems zu sein scheint. Ist unser Dilemma also „Geld oder Liebe“? Können wir dieses Dilemma auflösen? Gibt es eine Form des Geldes in dem Liebe einen Platz hat?
Dieser Fragen hat sich ein weiterer Denker der Occupy-Wallstreet Bewegung verschrieben. Der Amerikanische Philosoph und Autor Charles Eisenstein versucht mit seinem Buch „Sacred Economics“ nichts geringeres, als Geld und Liebe unter einen Hut zu bringen.
Seine Lösungen für das Dilemma sind dabei nicht unbedingt neu, revolutionär ist nur sie im Zusammenhang mit der Liebe zu Denken. Charles Eisenstein greift wie David Graeber auf Erkenntnisse aus der ersten Hälfte des 20. Jh. zurück. Er stellt sich dabei vor allem die Frage ob Maßnahmen wie die Sozialdividende (Bürgergeld, Grundeinkommen) oder das Schwundgeld (negative Zinsen, umlaufgesteuertes Geld) den negativen Einfluss des Geldes auf die Liebe verändern könnten. Vor allem das Schwundgeld hat für Eisenstein dabei das Potential, Geld und Liebe zu vereinbaren, wobei er Fern jeder banalen Zinskritik argumentiert.
Das erste Experiment mit negativen Zinsen fand im Jahr 1932 in Wörgl statt. Mit der damaligen Wirtschaftskrise kam das gesamte Leben in Wörgl in Tirol zum erliegen. Geld so schreibt Eisenstein, scheint seltsame magische Eigenschaften zu haben. Obwohl die Infrastruktur und die Menschen die eine Gemeinschaft am Leben erhalten nicht verschwunden sind und obwohl Geld im Grunde nur eine Vereinbarung ist die wir untereinander treffen, bricht offenbar alles zusammen wenn das Geld weg ist. In Detroit, dass sich heute in einer ähnlichen Situation wie Wörgl 1932 befindet, können Krankenhäuser, Rettungswägen, Schulen, Kindergärten oder die Feuerwehr nur deshalb ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen weil an der Wallstreet scheinbar eine unsichtbare Energie vernichtet wurde, die diese am laufen hielt. Dabei legitimieren sich Gemeinschaften auch heute vor allem durch die sozialen Aufgaben die man in der Gemeinschaft teilt und nicht durch den Profit oder das Wachstum das erzielt wird.
Als der Wörgler Bürgermeister Unterguggenberger 1932 eine lokale Währung ausgab die monatlich 1% ihres ursprünglichen Wertes verlor, kam nicht nur die Wirtschaft in Schwung. Wie in der Schenkökonomie wurden plötzlich die gemeinsamen Projekte und der Austausch von Leistungen füreinander zum sozialen Kit der Gesellschaft.
„Während Sicherheit in einem zinsbasierten System aus der Anhäufung von Geld resultiert, kommt sie in einem Schwundsystem von produktiven Kanälen, durch die man es dirigiert. Man wird also eher ein Knotenpunkt für den Wohlstandsfluss als ein Akkumulationspunkt. Mit anderen Worten legt es den Fokus auf Beziehungen, nicht auf das Haben.“ Charles Eisenstein (8).
Er schreibt: „Nehmen wir an, ich hätte zwölf Brotlaibe und Sie wären hungrig. So viel Brot kann ich nicht essen bevor es hart wird, also gebe ich Ihnen gern etwas davon ab.“ (8) Ein gieriges Horten von Brot macht keinen Sinn. Geld das verdirbt wenn man es länger besitzt hat seiner Meinung nach die gleichen Eigenschaften. Wenn man mehr Schwundgeld hat als man benötigt, ist es vernünftiger man schenkt es anderen, die einem dafür etwas Schuldig bleiben. Schwundgeld verhindert so das Anhäufen von Geld, befördert die Großzügigkeit und das Schenken und damit den sozialen Zusammenhalt der Gemeinschaft. Auf diese Weise kann Schwundgeld unsere Gesellschaft grundlegend verändern. Das Schenken macht Schenker und Beschenkte zum Teil einer das Ich transzendierenden Gemeinschaftswahrnehmung.
Charles Eisenstein fasst dieses Gefühl in dem Video „The Revolution is Love!“ so zusammen:
„Liebe ist die gefühlte Verbindung zu anderen Wesen. Ein Ökonom sagt 'mehr für dich ist weniger für mich.' Der Liebende aber weiß, dass mehr für dich auch mehr für mich ist. Wenn du jemanden liebst ist ihr Glück auch dein Glück, ihr Schmerz ist dein Schmerz. Die Wahrnehmung deiner Selbst erweitert sich und schließt andere ein. Dieser Bewusstseinswandel ist universell in uns allen, dem 1. % und den 99%.“ (9)
Für die Gegner der Occupy-Wallstreet Bewegung ist Liebe als zentrale, politische Botschaft nicht fassbar. Wie soll ein Milliardär auf eine Occupy-Wallstreet Bewegung reagieren deren Botschaft ist, dass die universale Liebe der Zukunft auch ihn mit einschließt? Laut den Medien hat Occupy-Wallstreet damit schlichtweg gar keine Forderung.
Liebe hat offenbar in einem politischen Diskurs keinen Platz, der Diskurs wird vom Kapital beherrscht und der Markt regelt alles. Der Mensch der Gattung homo oeconomicus ist dabei angeblich nur auf den eigenen Vorteil aus. Glauben wir das wirklich? Lieben wir womöglich deshalb die Menschen nicht, weil wir glauben, dass die Menschen nur das Geld lieben?
Geld und Liebe werden als gegeben hingenommen und ihre Bedeutung für unser tägliches Leben ist unserer Aufmerksamkeit entglitten. Ob Charles Eisensteins Vorschläge tatsächlich unser Geldsystem so auf den Kopf stellen können, dass wir damit auf das Dilemma „Geld oder Liebe?“ eine zufriedenstellende Lösung finden, kann man nur entscheiden wenn sie ernsthaft diskutiert und ausprobiert werden.
Vielleicht ist eine Antwort wiederum in den Arbeiten von Paul Piff und Dacher Keltner zu finden. Dacher Keltner argumentiert in seinem Buch „Born to be Good“ überzeugend, dass der Mensch von „Geburt an Gut“ ist. (10) Was auch immer die Profitgier und der Reichtum mit uns anstellen ist umkehrbar. Ein Film über Kinderarmut genügte in Paul Piffs Experimenten um die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu verwischen (1). Nicht der Mensch ist laut Dacher Keltner kalt und herzlos, sondern die Art und Weise wie wir uns als Gesellschaft organisieren. Wenn er recht hat dann brauchen wir womöglich tatsächlich nur ein neues Geld um das Lieben zu lernen.
(1) Piff, Paul (2012): http://www.ted.com/talks/paul_piff_does_money_make_you_mean
(2) Fromm, Erich (2003): Die Kunst des Liebens. Frankfurt am Main.
(3) Zeit online: Professor Teddybär. http://www.zeit.de/zeit-wissen/2010/03/Portraet-Dacher-Keltner
(4) Piff, Paul Kayhan, Ph.D. (2012): On Wealth and Wrongdoing: How Social Class Influences Unethical Behavior, University of California, Berkeley.
(5) Kropotkin, Pjotr (1902): Mutual Aid: A Factor of Evolution.
(6) Graeber, David (2011): Schulden. Die ersten 5000 Jahre. Stuttgart.
(7) Wikipedia: Liebe (Abgerufen 21.5.2014).
(8) Eisenstein, Charles (2011): Sacred Economics. http://sacred-economics.com/
(9) Occupy Wall St. - The Revolution Is Love w. Charles Eisenstein(YouTube, 2011).
(10) Keltner, Dacher (2009): Born to be Good: The Science of a Meaningful Life. New York.
Siehe auch: http://occupylove.org/
Dienstag, 6. Mai 2014
Michael C. Ruppert, RIP
Am 13 April dieses Jahres nahm sich Michael C. Ruppert das Leben. Ruppert war einer der Whistleblower der CIA Drogengeschäfte und ein bedeutender investigativer Journalist. Michael C. Ruppert war ausserdem einer der unermüdlichen Verkünder der Unvereinbarkeit dieser Industriegesellschaft und der Endlichkeit unserer Ressourcen. Der Film "Collapse" aus dem Jahr 2009 ist ein eindringlichler Aufruf der Grenzen des Wachstums endlich durch eine Revolution zu begegnen. Ruppert kommt zu den gleichen unausweichlichen Schlußfolgerungen wie ich sie in diesem Blog dargestellt habe. Zu seinem Andenken hier also Collapse, Michael C. Ruppert:
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