Mittwoch, 19. Juni 2013

Der Dollar, der Krieg und das Öl


Wieso können eigentlich die USA astronomische Schulden anhäufen um ihren Militärapparat zu finanzieren, ohne die Konsequenzen (wie Griechenland) tragen zu müssen?

Wieso sind die Staatsanleihen der USA so niedrig verzinst obwohl das Ausfallrisiko angesichts der gigantischen Ausgaben für sinnlose Kriege doch groß sein müsste?

Wieso (und hier wird es völlig verrückt) können sie beliebig Geld Drucken um ihre eigenen Anleihen zu kaufen und ihr Militär zu bezahlen?

Die Antwort ist eigentlich nicht schwer. Der Dollar dient als internationale Leitwährung. Seit Bretton Woods findet der internationale Handel maßgeblich in Dollar statt und die Zentralbanken im Rest der Welt sind dadurch gezwungen Reserven in Dollar zu halten.

Die Zentralbanken der Nationen haben ihre Dollarreserven natürlich nicht in grünen Scheinen im Tresor, sondern wollen Sie anlegen. Da sie den Dollar als Reserve benötigen ist ein Umtausch in andere Währungen (also Verkauf) ihren Interessen abträglich. Andere Länder müssen deshalb den USA ihren eigenen Dollar leihen (also US-Bonds kaufen ) um ihre Dollarreserven sicher anzulegen ohne sie in eine andere Währung tauschen zu müssen.

Vor allem im Handel auf den Rohstoffbörsen und insbesondere von Erdöl haben die USA entscheidende Vorteile. Dies wird von den USA schamlos ausgenutzt um z.B. ihren überzogenen Militärapparat und Ölverbrauch auf Pump zu finanzieren.

Das alles geht gut solange die USA die Möglichkeit haben die Welt wirtschaftlich (wiederum durch Schulden) und durch Waffengewalt zu erpressen, den Dollar als Leitwährung weiterhin zu akzeptieren.

Hier mussten Sie in den letzten Jahren einige Rückschläge hinnehmen. Russland und China haben sich z.B. schon länger darauf verständigt in ihren Handelsbeziehungen die eigenen Währungen zu nutzen. Ein Angriff auf die USA der schärfer schießt als jede Waffe. Offenbar sind also weder Russland noch China bereit sich unbegrenzt weiter erpressen zu lassen.

Der Iran, um dessen Ölvorkommen der Stellvertreterkrieg der Großmächte in Syrien geführt wird, liegt genau zwischen den Einflussgebieten dieser drei Mächte, er kann sich in Ruhe aussuchen wem er sein Öl in welcher Währung verkauft. (Siehe hier) Die zweitgrößten verbleibenden Vorräte der Welt befinden sich in Venezuela, das schon lange lieber keine Dollars  für sein Öl will.

Die einstige Gefahr, dass der Euro den Dollar als Leitwährung ablösen könnte, ist durch den erfolgreichen Währungskrieg gegen Europa gebannt (da die treuen Vasallen in London kräftig mitgeholfen haben).


Noch kann die USA also Geld drucken um damit Öl zu kaufen oder Deutsche Exportgüter. Man könnte auch sagen, wir finanzieren die amerikanischen Kriege auf Pump und hoffen dann gnädig etwas vom eroberten Öl abzubekommen? Was passiert aber wenn die Fördermenge sinkt? Wie wird das das internationale Währungssystem beeinflussen?


Das internationale Währungssystem ist inzwischen so vollkommen verrückt, dass es schon längst nicht mehr funktionieren sollte. Durch einen Rückgang der Fördermengen könnte dieses System zusammenbrechen meint der Hedge fond Manager Erik Townsend. Sein Resümee:

The current incarnation of the International Monetary System, in which the USA enjoys the exorbitant privilege of borrowing practically for free, and is therefore able to pursue reckless fiscal policy with immunity from the adverse consequences that non-reserve currency issuing nations would experience by doing so, cannot continue indefinitely. Therefore, it will not continue indefinitely.

How and when it will end is hard to say, especially considering the fact that it’s already persisted for 42 years after it stopped making sense. The system will continue to operate until some catalyst or trigger event brings about catastrophic change.

The next Peak Cheap Oil price spike is not the only possible catalyst to bring about a U.S. bond and currency crisis, but it’s the most likely candidate I’m aware of. I don’t believe that U.S. energy independence is possible, but if it were, the end of oil imports from the Middle East would also be the catalyst to end exorbitant privilege and bring about a U.S.bond and currency crisis.
To summarize, the music hasn’t stopped quite yet, but when it does, this will end very, very badly. I’m pretty sure we’re on the last song, but I don’t know how long it has left to play.

Bisher sehen wir die Auswirkungen der seit 2006 stattfindenden Stagnation der Rohölförderung. Sie führte zu mehr Kriegen als jemals in unserer Geschichte geführt wurden und war ein entscheidender Auslöser der größten globalen Wirtschaftskrise aller Zeiten. Um wie viel gravierender die Auswirkungen sein werden wenn die Förderung drastisch zurück geht kann man dadurch erahnen.

Der Kollaps des auf Öl beruhenden Wachstumskapitalismus könnte möglicherweise mit dem Zusammenbrechen des internationalen Währungssystems beginnen. Volkswirtschaften werden dadurch wie Kartenhäuser zusammenbrechen, nicht zuletzt unsere.

Egal wie man zu diesen Ausführungen steht, die Zusammenhänge zwischen Öl, Finanzmärkten, Außenpolitik und Kriegen sind nicht zu übersehen. Man muss schon sehr gut wegschauen um globale Ökonomie und Politik ohne den Faktor Erdöl zu erklären.

Wer Öl hat, der wird es in Zukunft vielleicht nicht mehr wie bisher für grüne Scheine abgeben wollen. Öl wird die Währung sein die zählt, nicht der Dollar. Mit Öl werden Kriege geführt um genug Öl für weitere Kriege zu haben.

Wie auch immer man es dreht, das überleben von Volkswirtschaften weltweit wird dann davon abhängen wie sehr sie auf Ölimporte angewiesen sind oder ihre Interessen durchsetzen können.

Sie werden also entweder mit (der Androhung von) Gewalt ihre Versorgung sichern oder sich durch eine Anpassung ihres Wirtschaftssystems davon unabhängig machen müssen.

Am Ende werden natürlich alle in der gleichen Misere stecken. Einige werden früher ohne Öl auskommen müssen, Andere später. Wir können nur hoffen, dass das Öl schnell genug verbraucht wird, dass ein Einsatz der auf Öl basierenden Kriegsmaschine schnell unmöglich wird. Wir müssen auch hoffen, dass die Atomstaaten nicht zum letzten Mittel greifen um sich die letzten Ressourcen zu sichern.

Eine sichere Prognose kann ich aber heute schon machen. Wer am schnellsten gelernt hat weitestgehend ohne Öl zu funktionieren der wird in der wie auch immer gearteten Zukunft zuerst angekommen sein. Am besten wir fangen damit schon heute an.

Dienstag, 18. Juni 2013

Die Nachhaltigkeit (in) der Sprache

Wieder schreibt Ferdinand Knauß in der WiWo (beinahe) den Artikel den ich gerade schreiben wollte. Der Mann entwickelt sich zu einem meiner Lieblingsjournalisten.
"Die Grüne Illusion: Das Versprechen eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums ist eine Lüge, wenn man beide Begriffe ernst nimmt. Letztlich müssen wir uns entscheiden, wie viel Wachstum wir noch wollen."
Was die Entscheidungsfreiheit über zukünftiges Wachstum angeht liegt Knauß natürlich daneben, in seinem Artikel beschreibt er aber was ich schon länger beobachte.

Nachhaltigkeit als Wort wird fürchterlich verunglimpft. Um seine Bedeutung und Interpretation wird politisch gerungen. Inzwischen ist der ursprüngliche Wortsinn wie er in der Forstwirtschaft geprägt wurde kaum noch zu finden.
"Nachhaltigkeit ist ein forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann."(Wikipedia)
Diese Definition lässt keinen Spielraum zu. Hier existiert kein "Dreiklang ökonomischer, ökologischer und sozialer Interessen" wie er im "Drei Säulen Modell" der "Bundlandt Komission" beschrieben wird. 

Auch wenn der Forstbesitzer seinen Waldbestand deshalb rodet, weil sonst er und seine Familie hungern müssen, ist der Wald weg und wird lange Zeit nicht Nachwachsen.

Wenn wir mehr verbrauchen als nachwächst dann ist das nicht nachhaltig. Jeder der einen anderen Wortsinn in die Nachhaltigkeit interpretieren will hat ein propagandistisches Interesse. Wer es schafft seine Interessen durch einfaches Umdeuten des Begriffes nachträglich als Nachhaltig zu definieren, hat das Ringen um die Deutungshoheit gewonnen.

Ferdinand Knauß schreibt besser als ich, ich will ihn deshalb nochmal zitieren:
"[...] diesen Spielraum erweitern und nutzen seither professionelle Nebelwerfer in Unternehmen, Parteien und unzähligen Interessengruppen ausgiebig. Natürlich verändert sich die Bedeutung jedes Begriffs mit der Zeit. Aber die der Nachhaltigkeit wird bewusst entkernt. Der Begriff wurde so lange durch den Wolf der PR-Abteilungen gedreht und mit dem Adjektiv „grün“ verwurstet, dass kaum etwas vom ursprünglichen Sinn erkennbar bleibt – außer dem diffusen positiven Gefühl, das man dabei hat."

Jeder der eine andere Deutung der Nachhaltigkeit verbreitet macht sich also zum Vertreter dieser Interessen, egal ob er will oder nicht und wie gut seine Absichten sind. Die Grünen sind wirklich gut darin Nachhaltigkeit in ihr Programm zu schreiben aber dann die Bedeutung der Nachhaltigkeit umzudefinieren.

Ob das besser oder schlechter ist, als die Problem einfach zu verleugnen (wie es Union, FDP und SPD tun) weiss ich nicht. Sicher ist, dass die Linke als einzige Partei die Unvereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Kapitalismus offen anspricht.

Eine Passage aus Ferdinand Knauß Artikel muss ich ihm allerdings ausbessern:
"Auch wer weniger Öl, Gas, Kohle, Erz oder was auch immer verbraucht, konsumiert endliche Naturressourcen. Er wirtschaftet dadurch vielleicht effizienter als seine Vorgänger, aber nicht wirklich nachhaltig. Irgendwann sind nicht nachwachsende Ressourcen aufgebraucht. Eines Tages wird auch durch Fracking kein Gas oder Öl mehr aus den Tiefen zu pressen sein. Dann ist eine absolute Grenze des Wachstums erreicht – egal ob man es zuvor „grün“ oder „nachhaltig“ nannte"

Wenn es um Wachstumsgrenzen geht ist die Verwirrung ebenso groß wie bei der Wortbedeutung der Nachhaltigkeit. Die Textpassage vermittelt, dass die Grenzen irgendwann in ferner Zukunft erreict werden. Wachstum ist dynamisch und die Grenzen des Wachstums sind bestimmt durch den Ressourcenfluß.

Die Grenzen des Wachstrums sind deshalb nicht erst erreicht wenn endliche Ressourcen nicht mehr verfügbar sind. Wie wir an Schiefergas, Teersanden oder Methanhydrat sehen können, existieren nicht ausgebeutete Kohlenwasserstoffe als Energieressourcen in großen Mengen auf unserer Erde.

Sicher ist, dass ihre Ausbeutung niemals Nachhaltig ist. Ob die Ausbeutung von Energieressourcen unser Wachstum antreiben kann hängt von anderen Faktoren ab: 
  •  Wieviel Energie müssen wir aufwenden um die Ressource auszubeuten und mit den Folgen der Ausbeutung (Umweltzerstörung) fertig zu werden? Gibt es also einen Nettoenergiegewinn?
  • Wenn es denn ein Nettogewinn ist, ist die Frage wie schnell wir diese Ressource fördern können, denn unser Wachstum verlangt auch eine wachsende Fördermenge.
Mit dem Rückgang der Rohölförderung haben wir deshalb die Grenze weiteren Wachstums heute schon erreicht.Wir können die Förderung im Moment auf gleichbleibendem Niveau halten, aber ein Wachstum wird sie nicht mehr unterstützen. Da die wichtigste Ressource heute schon hinter der Nachfrage zurückbleibt und das Wachstum stagniert, erleben wir weltweit, wie sich das auf Wachstum ausgerichtete System destabilisiert.

Wir sind also noch weit weg von echter Nachhaltigkeit aber haben sogar die Grenzen der nicht nachhaltigen Produktion überschritten. Wo die Politik eine kleine Delle der Konjunktur sieht lauert ein Abgrund der unsere gesamte gesellschaftliche Ordnung verschlingen kann.

Freitag, 14. Juni 2013

Der Bundestag dokumentiert sein Scheitern


In der Wirtschaftswoche bin ich auf diesen Kommentar zum Ende der Enquete Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" gestossen. Er beschreibt das Debakel weit besser als ich es könnte:

 "Die Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" des Bundestages präsentiert ein Trauerspiel der intellektuellen Bedürftigkeit. Vor allem Union und FDP haben zu der vielleicht wichtigsten Frage der Zeit absolut nichts zu sagen." >> weiterlesen

Vor allem der Ausdruck "intellektuelle Bedürftigkeit" gefällt. Zumindest erhält man durch den Abschlußbericht (und die Debatte vom 6.6.2013) einen guten Einblick in die Köpfe unserer gewählten Volksvertreter.




Homer's Brain
Ein Bild das nix mit dem Text zu tun hat.

Montag, 21. Januar 2013

Die unsichtbare Hand des Marktes und die Gentechnik

Wir konnten vor einigen Tagen mitverfolgen, wie Lance Armstrong die Dopingvergangenheit beichtete, die eigentlich allen (insbesondere auch den Anti-Doping Ermittlern) schon längst bekannt war.

Fast völlig unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit gelang dagegen vor 4 Jahren deutschen Forschern ein revolutionärer Durchbruch in der Gentechnik, der das Potential hat unsere Welt fundamental zu verändern.

2009 ist es Genetikern gelungen, ein technisch verwertbares und einfaches Verfahren zur Identifizierung von Gensegmenten zu Entwickeln, ein Werkzeug, dass die fast beliebige Manipulation von Genen ermöglicht.

Seit dem müssen Genetiker nicht mehr auf gut Glück die DNA segmentieren, die manipuliert werden soll, sondern können gezielt bestimmte Sequenzen des Erbmaterials in der DNA ansteuern um sie zu ersetzen.

Wollen sie z.B. eine neue Augenfarbe? Mit dieser Technologie ist es ohne weitere Probleme heute schon möglich die Sequenz in der DNA für die Augenfarbe braun durch die der Augenfarbe blau zu ersetzen.

Nach einiger Zeit wird diese genetische Änderung phänotypisch wirksam. Niemand könnte später Nachweisen, dass sie jemals eine andere Augenfarbe besessen hätten als die gewünschte.

Dies ist KEINE science fiction, sondern Stand heutiger Technik.

Diese Technologie hätte beispielsweise das Potential Patienten wie Lance Armstrong von ihrem Krebsleiden zu heilen, ohne die Nebenwirkungen zu verursachen unter denen er leiden musste.

Neue Therapien gegen Viruserkrankungen, ganz neue Möglichkeiten der Bekämpfung von Infektionen sowie selbstverständlich die vollständige Behebung von bisher unheilbaren Gendefekten werden damit möglich.  

Die Möglichkeiten die Menschheit mit dieser Technologie voran zu bringen sind fast Grenzenlos aber die Gefahren ebenso.

Natürlich machen Wissenschaftler sich Gedanken über die Ethik dieser Manipulationen, und der ethische Forscher ist in Universitäten Deutschlands der Normalfall.

Dieser Post soll nicht als Kritik an der Wissenschaft oder der Gentechnik verstanden werden, sondern ein Bewusstsein für die unglaublichen möglichen Konsequenzen dieser Technologie vermitteln.

Im Gegensatz zur Augenfarbe, in der die Beziehung zwischen Wirkung und Genom tatsächlich so einfach ist wie oben beschrieben, sind für die meisten Funktionen unseres Körpers hunderte oder tausende Gensequenzen verantwortlich.

Eine Manipulation am Erbgut eines Menschen kann also beliebige unerwünschte Effekte haben, da man oft das komplexe Zusammenspiel von Proteinen (Enzymen, Hormonen etc.) und Genen (noch) nicht ausreichend versteht.

Vor allem, die Erschaffung des "transgenen" Menschen ist ethisch und technologisch ein höchst heikles Thema. Transgen meint, dass dem Menschen Gene eines anderen Tieres mit den gewünschten Eigenschaften "Eingepflanzt" werden. (Richtig, genau wie in Spiderman).

Beispiel: Sie wollen in Zukunft ein zusätzliches Sinnesorgan, dass es ihnen Erlaubt nach dem Magnetfeld der Erde zu Navigieren?

Kein Problem, ein paar Sequenzen aus dem Genom der Taube und sie werden nie wieder einen Kompass benötigen.

Dies ist ebenfalls keine science fiction, wer Skrupellos oder Verrückt genug ist kann das schon heute mit guten Erfolgsaussichten versuchen.

Ich nehme nicht an, dass in der (offiziellen) Forschung, Wissenschaftler unbekümmert am Genom des Menschen herum-manipulieren werden, vor allem nicht zur Schaffung von transgenen Menschen.

Wohin wird die Entwicklung der Gentechnik gehen? Wer hat das in der Hand und wer bestimmt was wir damit tun? 

Meiner Ansicht nach wird die angeblich so heilsbringende Innovationskraft des Marktes die Entwicklung in leicht vorhersehbare Bahnen lenken. Diese Technologie wird, wie alles in unserer turbokapitalistischen Welt, darauf abgeklopft werden, wo sie den größtmöglichen Gewinn abwerfen kann. 

Damit das Potential Therapien zu entwickeln ausgeschöpft werden kann, muss die "marktwirtschaftliche Verwertbarkeit" einer neuen Therapie gegeben sein.

Es ist nicht anzunehmen, dass Pharmaunternehmen aus „Menschenfreundlichkeit“ teure Forschung finanzieren um seltene Krankheiten oder Gendefekte zu heilen die nur wenige tausende Menschen in unserem Land betreffen.

Es fließen in der Pharmaindustrie Milliarden in die Erfindung eines Haarwuchsmittels aber kaum ein Cent in die Therapie von seltenen Krankheiten. Diese Art von Forschung wird, wenn überhaupt, in Universitäten erbracht (wenn sie nicht zu öffentlich finanzierten Forschungsabteilungen der Privatwirtschaft mutieren).

Aber wie wir von Lance Armstrong und anderen Radprofis wissen, gibt es da eine Schattenwissenschaft, die keine Skrupel kennt und mit ungeheuren Mitteln ausgestattet ist.

Im Leistungssport werden ungeheure Summen umgesetzt und das Prestige von Nationen hängt von der Leistung dieser Sportler ab. Die Chance eine Dopingtechnik zu Entwickeln die nicht Nachweisbar ist, wird die Doping-Maffia nicht auslassen.

Transgene Manipulationen wären (glücklicherweise) im Genom einfach und schnell nachweisbar, dieser Horror ist also im Doping noch nicht zu befürchten, aber nach dem „idealen Sportlergenen“ im Erbgut von erfolgreichen Sportlern wird sicher schon gesucht.

Ich bin davon felsenfest davon überzeugt, dass schon heute Gentechniker der Dopingmaffia nach Gensequenzen fahnden, die die Leistungsfähigkeit von Sportlern verbessern.

Bisher hat die Doping-Maffia keinerlei Anzeichen moralischer Skrupel gezeigt. Das Sportler durch das verabreichte Doping sterben oder Krank werden können, hat diese Maffia noch nie interessiert.

Besonders in Ländern, in denen Ehrgeiz und Gier mancher Sportler oder Eltern keine Grenzen kennen (USA, Deutschland, England, Frankreich, Australien ...) oder deren Regime keine Skrupel haben (Nordkorea, China), wird die Idee, den "perfekten" Leistungssportler nach dem Baukastenprinzip zu schaffen, zu verlockend sein, als dass sie nicht angewendet würde.

In denke im Doping wird der Wunsch „den Mensch besser zu machen“ seinen Durchbruch erleben und erstmals zur Anwendung kommen.

Falls die so geschaffenen „Supersportler“ tatsächlich die Leistungen erbringen, die sich die Sportler und ihre Hintermänner versprechen, wird diese Technologie im Raum stehen und unsere Gesellschaft für immer verändern.

In einigen Jahren wird vielleicht ein Supersportler in einer Talkshow sitzen und „beichten“ ein Genexperiment zu sein. Mancher wird sich spätesten dann Fragen: „Wenn es gelingt den Supersportler zu schaffen, warum nicht auch den „Übersoldat“ oder das „Wunderkind“?“

Würde die Schattenwirtschaft die fehlgeleiteten und unethischen Wünsche von Eltern nach einem „Superkind“ aus Profitgier bedienen? Ja sicher!

Was ist mit der eigenen Verwertbarkeit in der Wirtschaft? Sie kommen mit dem Leistungsdruck nicht mehr klar? Haben eine Veranlagung zur Faulheit? Wie wäre es mit ein paar Gensequenzen eines „Leistungsträgers“ für ihren Erfolg?

Irgendwas muss ja mit Ihnen (Ihrem Genom) nicht stimmen, wenn Sie mit den Anforderungen der Gesellschaft nicht klar kommen oder?

Ich bin sicher, dass diese und ähnliche Gedanken einen Markt für einen illegalen Handel mit Gendoping für jedermann öffnen könnten. Wenn es einen Markt gibt, dann wird sich auch ein Anbieter finden.

Natürlich sind Gene auch in einem bestimmten Maß für unser Verhalten zuständig. Warum sollten in Zukunft politische gefangene Diktatorischer Regime in „Umerziehungslager“ gesteckt werden wenn man statt dessen die Neigung zur Auflehnung aus ihrem Genmaterial entfernen könnte? Untersuchungen zu Verknüpfung von Genom und politischer Überzeugung gibt es übrigens seit 1986 (Link).

Auch bei uns in Deutschland wurden in der Vergangenheit schon Versuche an Opfern des Justizvollzugs durchgeführt, um mittels Psychopharmaka Persönlichkeitsveränderungen durchzuführen. Warum nicht Gentherapie statt Sicherheitsverwahrung? 

Oder noch weiter gedacht: Ist das Volk zu aufmüpfig? Ist es mit der herrschenden Ungerechtigkeit unzufrieden?

Um die Veränderung der Gene zu erreichen, genügt potentiell die Einnahme von wenigen Pillen oder die Verabreichung weniger Spritzen. Es ist vorstellbar diese Verabreichung auch ohne das wissen des Opfers durchzuführen.

Die von Bert Brecht angesprochene „Lösung“ in seinem gleichnamigen Gedicht, könnte in extrem unangenehme Nähe rücken.

Der finale Horror wäre dann, dass verrückte, machtbesessene Herrscher beschließen ein Volk nach ihren Maßstäben zu schaffen und jetzt oder bald die Möglichkeit dazu hätten, oder es zumindest für möglich halten.

Die Vorstellung, dass Hitler die Möglichkeit in Händen gehabt hätte, blonde, blauäugige Arier (evtl. gleich mit entsprechender Veranlagung zu einer Herrenrassengesinnung) zu erschaffen, ist zu erschreckend um sie zu Ende zu denken.

Wir Menschen haben die Macht das Klima zu verändern, die Umwelt zu Zerstören und den Planeten in eine Wüste zu verwandeln. Heute halten wir die Macht über das Leben selbst in den Händen.

Lassen die Erfahrungen aus unserer Vergangenheit darauf schließen, dass wir damit vernünftig umzugehen in der Lage sind?

Die Gier nach Geld führt heute zu schrecklichen Verbrechen, deren Ausmaß für mich kaum vorstellbar ist. 

In einem früheren Post habe ich die in Afrika im Umlauf befindlichen Plagiate von Malariamitteln erwähnt, an denen bisher Millionen von Kindern gestorben sind. Es handelt sich dabei um Millionenfachen Mord für den Gewinn von ein paar Cent pro Opfer.(*)

Man kann angesichts dieses Wahnsinns nicht umhin zugeben zu müssen, dass im Namen der Gier heute alles getan wird was Gewinn verspricht. Die letzten Schranken der Moral sind vor Jahrzehnten gefallen.

Die Grenzen zwischen dem organisierten Verbrechen das Beispielsweise für die gefälschten Malariamittel verantwortlich ist, und der Wirtschaft, sind kaum mehr zu erkennen.

Gerade die Unternehmen der sogenannten „Life Sciences“, die die Geschäftsmodelle aus dieser Technologie entwickeln werden, legen eine fast völlige Missachtung von Ethik und Moral an den Tag. Die Durchführung von Medikamententests an nicht aufgeklärten „Patienten“ in der ausgebeuteten Welt scheint eher die Regel als die Ausnahme.

Wie frage ich mich, werden Sie wohl mit den neuen Möglichkeiten der Genetik umgehen und wo werden sie diese Testen?

Ist der Kapitalismus das geeignete System der Beschränkung und Regulierung dieser Macht?

Die Antwort ist nicht Eindeutig, aber dass wir immer weniger in der Lage sind, die Auswüchse des Kapitalismus in den Griff zu bekommen und zu Kontrollieren, ist unzweifelhaft.

Wie könnte unsere Gesellschaft beschaffen sein um mit der unbeschränkten Macht über diesen Planeten und seine Lebewesen und uns Menschen verantwortlich umzugehen?

Wenn Sie mir diese Fragen beantworten können bitte ich um Ihren Kommentar.


Siehe auch: Gendoping

(*) Ein Paket Artemesinin kostet(e) bisher in z.B. Kenia ca. 500Sh = 4€

Donnerstag, 20. Dezember 2012

George Monbiot: Forbidden Planet


We cannot restrain climate change without a political fight against plutocracy.


By George Monbiot, published in the Guardian 4th December 2012

Humankind’s greatest crisis coincides with the rise of an ideology that makes it impossible to address. By the late 1980s, when it became clear that manmade climate change endangered the living planet and its people, the world was in the grip of an extreme political doctrine, whose tenets forbid the kind of intervention required to arrest it.

Neoliberalism, also known as market fundamentalism or laissez-faire economics, purports to liberate the market from political interference. The state, it asserts, should do little but defend the realm, protect private property and remove barriers to business. In practice it looks nothing like this. What neoliberal theorists call shrinking the state looks more like shrinking democracy: reducing the means by which citizens can restrain the power of the elite. What they call “the market” looks more like the interests of corporations and the ultra-rich Neoliberalism appears to be little more than a justification for plutocracy.

More on George Monbiots Blog.



Donnerstag, 13. Dezember 2012

Die Bedingungen der Utopie

"Wenn du kein Utopist bist, dann bist du im Grunde genommen ein Schwachkopf" Jonathan Feldman
Die Schwierigkeit eine Utopie zu entwickeln ist es, aus den engen Vorstellungsräumen auszubrechen die uns unsere Erfahrungen aufgezwungen haben. Wir, die wir nichts anderes kennen, können uns nicht Vorstellen, dass die Nation und der Staat, wie wir sie heute vorfinden, eine sehr junge Geschichte haben. Wie wäre es in einer Welt zu leben ohne Pässe und Staatszugehörigkeit?

Fragen wir einen Gefangenen der sein Leben lang in einer Zelle mit einem Dutzend Bücher verbracht hat, was wer sich sehnlich wünscht, würde er vielleicht sagen „mehr Bücher“. Die Vorstellung einer Welt außerhalb seiner Zelle fällt ihm schwer, es sei denn seine Bücher haben ihm die Augen Geöffnet. Dazu darf der Autor aber nicht in der Nachbarzelle sitzen. Vielleicht aber steuern auch seine Kerkermeister was er zu lesen bekommt und stellen sicher, dass er weiterhin keine Vorstellung von der Außenwelt hat?

Ähnlich reagieren wir wenn wir konstruktive Kritik am vorherrschenden System üben sollen, zu mehr sozialer Gerechtigkeit fallen uns Reichensteuer oder Vermögensabgabe ein. An unseren Staatsgrenzen wacht währenddessen ein hochgerüsteter Militärapparat der die Ausgebeuteten der Nationen, die jenseits des Abgrundes zwischen arm und reich leben, davon abhält, endlich Teilhabe an den Reichtümern zu bekommen die von Süden nach Norden fließen.

Davon sollen oder wollen wir nichts wissen, dieser Kampf der Verzweifelten liegt jenseits unserer Wahrnehmung. Ein System weit brutaler als die institutionalisierte Apartheid Südafrikas sichert uns unseren Wohlstand und die Entrechtung und Ausbeutung des armen Südens. Dieses System ist der Nationalstaat und seine Grenzen.

In historischen Dimensionen bemessen ist die Erfindung der Nationalstaaten, von denen wir Glauben, dass sie unsere Gesellschaft sind, nur einen Wimpernschlag alt. Natürlich hatten wir schon seit Jahrhunderten eine Gesellschaft (oder viele) auch in Zeiten in denen dieser Begriff nichts mit einem Nationalstaat zu tun hatte. Wir die, wir die Kinder de Völkerwanderung sind sind fest Verwurzelt mit der Unverrückbarkeit nationaler Grenzen.

Wer von uns stellt sich unter einer Welt ohne Grenzen aber einen weltweiten Nationalstaat vor? An der Entrückung der EU Kommission von den Bürgern der EU kann man ermessen wie sich eine solche Weltregierung gegenüber den Bürgern dieser Erde verhalten würde.

Die Entwicklung des Staates als Personenverband seiner Bürger und festgelegten geographischen Grenzen, wie wir ihn heute kennen, fällt zusammen mit der ersten industriellen Revolution vor ca. 250 Jahren. Die ersten Verfassungen die auf diesem Prinzip beruhten waren die am 3. September 1791 in Frankreich geschriebene Revolutionsverfassung und die US Amerikanische Verfassung von 1787. Diese Verfassungen standen Pate für alle weiteren Klone der sog. parlamentarischen Demokratie und ihren Verwandten.

Wozu haben wir diesen Staat?
Brauchen wir in Zukunft noch einen Staat?
Warum werden wir regiert und von wem?
Wollen wir überhaupt regiert werden?
Diese Fragen muss eine Utopie neu beantworten

Vor diesem Prinzip eines Staates, waren wir Untertanen eines Monarchen (oder anderen Feudalherren). Die vornehmliche Aufgabe des Staates, war die Erhaltung der Macht der Monarchie. Alle Untertanen hatten zum Erhalt der Macht des Monarchen beizutragen und bekamen die Macht zu spüren, sollten sie versucht haben diese in Frage stellen.

Ich nehme an, dass dieser Sprung der Vorstellungskraft vom Untertan zum Bürger ein gewaltiger war. Die Ereignisse der Französischen Revolution sprechen dafür, dass diese Erkenntnis zu gewinnen ein aufwühlender und emotionaler Moment war der ungeheure Kräfte in den Menschen freisetzen konnte. Der Übergang vom Untertan zum Bürger stellte unsere gesamte Welt auf den Kopf.

Mit diesem Sprung in das Bürgertum begann auch der Siegeszug des Kapitalismus. Diese neue Art von Staat fand seine vornehmliche Aufgabe nicht mehr im Machterhalt seines Feudalherren, sondern in der Sicherung des Eigentums der Bürger.

Auch hier müssen wir unseren Geist weit strecken um uns vorstellen zu können welch immensen Anteil dieser Aspekt unserer Staatsangehörigkeit ausmacht, denn heute bleibt er uns meist verborgen, bzw. wir nehmen diese offensichtliche Tatsache nicht wahr.

Die Verfassungsväter der USA, insbesondere James Madison, hatten diesen zentralen Aspekt staatlicher Macht sehr wohl im Sinn.
„Government is instituted to protect property of every sort; as well that which lies in the various rights of individuals, as that which the term particularly expresses. This being the end of government, that alone is a just government, which impartially secures to every man, whatever is his own.“
Dabei hatten die Verfassungsväter auch ganz klare Vorstellungen darüber wer denn in dem neuen Gebilde das Sagen haben würde und was mit dem Begriff „Property“ vornehmlich gemeint war:
„The people who own the country ought to govern it.“ John Jay
Zumindest ist es Diskussionswürdig ob andere Arten von „property“ wie sie James Madison anspricht (individuelle freiheitliche Rechte) in seinen Augen wirklich den gleichen Schutz genießen wie die Eigentumsrechte des Landbesitzers.

Noam Chomsky (Consent without Consent, 1998) sagt dazu:

„Zudem war ihr Chefarchitekt, James Madison, ein höchst kluger politischer Kopf. In den Verfassungsdebatten warnte er: "Sollte in England das allgemeine Wahlrecht eingeführt werden, dann würde das Grundeigentum in Gefahr geraten. Denn dann würde ein Agrargesetz nicht lange auf sich warten lassen", und Grundbesitz würde an die Landlosen verteilt werden. Dergleichen Unrecht müsse natürlich durch entsprechende Verfassungsbestimmungen verhindert werden: "Die immerwährenden Interessen des Landes müssen gewahrt bleiben" - womit er die Besitzrechte meinte. Für Madison war eine Regierung vor allem verantwortlich dafür, "die wohlhabende Minderheit vor der Mehrheit zu schützen." Diesem Leitsatz sind die Demokratien bis auf den heutigen Tag treu geblieben.„
Wenn wir die Gesetze eines kapitalistischen Staates heute betrachten, dann beschäftigt sich der größte Teil dieser Gesetze mit dem Schutz des Eigentums (und seiner Vermehrung). Auch die militärische Macht einer Nation dient heute vor allem diesem Zweck. Als der ehemalige deutsche Bundespräsident Köhler diese Tatsache aussprach, war die (gespielte?) Entrüstung groß.

Horst Köhler Bundespräsident AD:

"Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen."
Untersucht man genauer die Gründe hinter den Kriegen und Militäreinsätzen der bestimmenden Industrienationen, so wird man sich schwer tun andere Begründungen zu finden. Die „Verteidigung der Freiheit und der Demokratie“ zumindest fällen einem gewiss nicht als erstes ein.

Das neu gewonnene Recht auf Eigentum und seine ungehemmte Vermehrung sicherte ab dem 19. Jahrhundert einem kleinen Teil des Bürgertums den zentralen Aspekt von Ausbeutung und Bereicherung für sich in Beschlag zu nehmen; „Aus Geld mehr Geld machen“. Der Kapitalismus war geboren.

Natürlich hatte James Madison recht, wirkliche Demokratie bedingt die möglichst gerechte und effiziente Verteilung der Güter nach dem Bedarf und dem Allgemeinwohl.

David Graeber hat kürzlich die These in den Raum gestellt, dass Kommunismus nichts anderes ist als das Ideal einer gerechten und effizienten Verteilung der Güter und Dienstleistungen nach dem Bedarf und dem Allgemeinwohl. Da eine Marktwirtschaft nichts anderes ist, als ein System der Verteilung der Güter und Dienstleistungen, ist sie nichts weiter als eine bestimmte Form dieses Ideal zu erreichen.

Kapitalismus wiederum setzt marktwirtschaftliche Methoden ein und gibt vor das beste System für die effiziente Verteilung zu sein. Falls es so sein sollte wäre das eine Katastrophe, denn es versagt vollkommen in wesentlichen Bestandteilen dieser Aufgabe, ist also ein „besonders schlechter Kommunismus“. Kapitalismus verteilt Güter und Dienstleistungen extrem ungleich und diese Ungleichheit wächst stetig, dafür ist er aber darin besonders effizient.

Die Idee von Lenin und Stalin, dass eine politische Elite bestimmen könnte was Bedarf und wer Bedürftig ist, führte weder zu Gerechtigkeit noch zu Effizienz. Außerdem hatte dieses Experiment auch noch die völlige Abschaffung der Freiheitsrechte zur Folge. Auch diese Idee war also ein extrem schlechter Versuch am Kommunismus.

Leider ist heute im Sprachgebrauch der Kommunismus mit diesem völlig gescheiterten Experiment einer staatlich organisierten Umverteilung verbunden. Warum dies so ist möchte ich mit einem Wunderbaren Zitat von Philip K. Dick erklären:

“The basic tool for the manipulation of reality is the manipulation of words. If you can control the meaning of words, you can control the people who must use them.” Philip K. Dick
Die Bedeutung des Wortes Kommunismus wurde von denen in Beschlag genommen die von einer ungerechten Verteilung der Güter profitierten.

Unsere Realität ist natürlich nicht nur durch das Bestimmt was tatsächlich um uns ist. Unsere Realität wird ebenso von denen bestimmt die über unsere Realität die Entscheidungsgewalt besitzen.

Die Macht unsere Realität zu bestimmen nennt man Propaganda und ihr selbsternannter Erfinder war Edward L. Bernays, ein Neffe von Sigmund Freud. Das gleichnamigen Werk „Propaganda“ (1928) hatte schon Göbbels gelesen und die ersten Passagen dieses Textes sind:

„The conscious and intelligent manipulation of the organized habits and opinions of the masses is an important element in democratic society. Those who manipulate this unseen mechanism of society constitute an invisible government which is the true ruling power of our country. We are governed, our minds are molded, our tastes formed, our ideas suggested, largely by men we have never heard of. This is a logical result of the way in which our democratic society is organized. Vast numbers of human beings must cooperate in this manner if they are to live together as a smoothly functioning society.

Our invisible governors are, in many cases, unaware of the identity of their fellow members in the inner cabinet. They govern us by their qualities of natural leadership, their ability to supply needed ideas and by their key position in the social structure. Whatever attitude one chooses to take toward this condition, it remains a fact that in almost every act of our daily lives, whether in the sphere of politics or business, in our social conduct or our ethical thinking, we are dominated by the relatively small number of persons—a trifling fraction of our hundred and twenty million—who understand the mental processes and social patterns of the masses. It is they who pull the wires which control the public mind, who harness old social forces and contrive new ways to bind and guide the world.“
Wer die Macht über Propaganda hat bestimmt also "welche Bücher wir in unser Gefängnis gereicht bekommen". In einem kapitalistischen System, kann derjenige über diese Macht verfügen, der in der Lage ist ein milliardenschweres PR-Budget aufzubringen (PR= ein anderer Name für Propaganda). Die Dienstleister für die Umsetzung der Manipulation sind bekannt.



Um eine Utopie zu Entwickeln muss man sich also nicht nur über das Erheben was man bisher für möglich hielt sondern eine neue Sprache für diese neuen Möglichkeiten finden die nicht die Assoziationen hervorruft die in unserem Köpfen festgeschrieben wurden. Sei es durch die Art wie wir unser Denken selbst beschränken oder durch die Macht der Propaganda.

Eine Utopie muss das bisher gewesene zu Gänze in Frage Stellen und darf nicht die Fehler der Vergangenheit in eine neue Form gießen

Manifest gegen Politik (David Graeber)

Der Begriff der "Politik setzt einen Staat oder einen Regierungsapparat vorraus, der seinen Willen anderen Aufzwängt. "Politik" ist die Negation der Staatskunst, Politik wird per Definitionem von einer Art Elite zusammengebastelt, die glaubt, sie wisse besser als andere, wir ihre Angelegenheiten zu erledigen seien. Wenn man an politischen Debatten teilnimmt kann man höchstens Schadensbegrenzung erreichen, da bereits die blose Prämisse dem Gedanken abträglich ist, Menschen könnten ihre Angelegenheiten selber regeln."


Bloggerkollege Feynsinn hat sich gestern in einer Skizze einer Utopie versucht. Der Versuch ist Mutig und Begrüßenswert.

Leider aber bewegt er sich in den Kreisen seines geistigen Gefängnisses und wünscht sich neue Bücher in seiner alten Zelle. In seinem Modell wird weder der Staat noch seine Macht in Frage gestellt. Der Bewohner seines Staates teilt diese Zelle. Wie denn die Verteilung der Güter und Dienstleistungen nach Bedarf und Gemeinwohl geschehen soll bleibt offen.

Offenbar bestimmt auch in diesem Modell eine „Politik“ diesen Staat. Es wird einige geben (eine Elite) die sich herausnehmen über das Schicksal des Einzelnen zu bestimmen. Die Herrschaft der Wenigen über die Vielen bleibt. Egal wie demokratisch diese Eliten bestimmt werden, aus Ihnen wird sich eine neu korrupte Schicht von Herrschenden bilden.

Sein Modell sieht in den Bürgern implizit eine Gefahr. Freiheit und Eigentum müssen beschränkt werden da wir als Menschen nicht Verantwortungsvoll damit umgehen können.

Die gescheiterten Modelle haben diese Eigenschaften mit Feynsinns Modell gemein. Das politische Individuum ist in diesen Modellen ein unmündiges Kind und muss so behandelt werden. Diese Auffassung teilt er mit den Apologeten des Kapitalismus und den Betonköpfen des Stalinismus.

Menschen werden Verantwortlich handeln wenn sie die Verantwortung haben.
Sie werden aufhören wie Kinder zu sein wenn wir ihnen das Recht zugestehen erwachsen zu werden.


„Wir sind überzeugt, dass Freiheit ohne Sozialismus Privilegienwirtschaft und Ungerechtigkeit, und Sozialismus ohne Freiheit Sklaverei und Brutalität bedeutet“ (Michail Bakunin)
Diese Aussage Bakunins kann man wohl als Bewiesen ansehen.

Ein utopisches Modell, das ich anerkenne, muss nicht nur die Möglichkeit beinhalten zu Entscheiden „Wie“ wir regiert werden wollen, sondern auch „Ob“ wir regiert werden wollen!

Es muss beinhalten wie wir das archaische System des Nationalstaates hinter uns lassen können.
Es muss uns eine Welt ohne Grenzen und Ausgrenzung ermöglichen.
Es muss für kommende Generationen eine lebenswertere Welt garantieren als wir sie heute haben.
Es muss Freiheit und Kommunismus in gleicher Weise umsetzen.
Es muss das Prinzip der Herrschaft von Menschen über Menschen überwinden.

Sonst wird sich in Wirklichkeit nichts geändert haben.

Ein Buch, das von der Welt ausserhalb unserer Zelle erzählt und mit jedem Satz neue Fenster nach draussen öffnet ist "The Memory Bank" von Keith Hart:

Er beschreibt nicht nur sehr klarsichtig unsere Welt sondern entwirft eine inspirierende Utopie.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Right in two

I have seen some of me fellow bloggers posting some lyrics of their favorite bands. Its a very personal thing to do and might be used to analyse the person behind the blog.

Anyway, today I just go for it. If there is one song, that I not only consider one of my favorites but also expresses in poetic form the thoughts I would like this blog to convey; its this one:






Tool: Right in two 

Angels on the sideline,
Puzzled and amused.
Why did Father give these humans free will?
Now they're all confused.

Don't these talking monkeys know that
Eden has enough to go around?
Plenty in this holy garden, silly old monkeys,
Where there's one you're bound to divide it

Right in two

Angels on the sideline,
Baffled and confused.
Father blessed them all with reason.
And this is what they choose.
(and this is what they choose)

Monkey, killing monkey, killing monkey
Over pieces of the ground.
Silly monkeys give them thumbs,
They forge a blade,
And when there's one they're bound to divide it,

Right in two.
Right in two.

Monkey, killing monkey, killing monkey
Over pieces of the ground.
Silly monkeys give them thumbs,
They make a club
And beat their brother... down.
How they survived so misguided is a mystery.
Repugnant is a creature who would squander the ability
to lift an eye to heaven conscious of his fleeting time here

Gotta divide it all right in two (x4)

They fight, till they die
Over earth, over sky
They fight, over life,
Over brawn, over air and light,
Over love, over sun. Over blood
They fight till they die over words, polarizing.

Angels on the sideline again
Benched along with patience and reason
Angels on the sideline again
Wondering when this tug of war will end

Gotta divide it all right in two (x3)
Right in two

Right in two...


Just in case you wonder about the "religious" subcontext, I would like to add that Tool (or Maynard James Keenan) are all but (openly) religious, but use the angels perspective in this song to be able to express their thoughts about humanity from an outsiders perspective (just like I use the aliens perspective in this blog).

Keenan has never (ony in an april fools prank) commented about his or any religion. The fact that he carried a business card stating he was "Jesus H. Christ" says something about what he thinks about worship, being it about gods or rock stars. (I can very much relate).

If there is a message that he has tried to get out in all of his projects, it is that people should not let themselfs be manipulated but find their own truth by opening their eyes and minds and getting themselfs informed.

See another of my favorites: Pet, by Perfect Circe that contains one of the best verses ever in any song lyrics:

"Swayin' to the rhythm of the new world order and
Counting bodies like sheep to the rhythm of the war drums."