Dienstag, 15. Juli 2014

Geld oder Liebe

Geld oder Liebe?
Dieser Artikel erschien in "Hinterland", dem Magazin des Bayerischen Flüchtlingsrates.

In einem Labor der Berkeley Universität spielen zwei zufällig ausgewählte Testkandidaten Monopoly. Der eine Spieler zieht den Spielstein (den Rolls-Royce) mit einem triumphierenden „tock, tock, tock“ über das Spielfeld und beendet seinen Spielzug mit einem lauten Knall. Genüsslich zählt er das Spielgeld, dass sein Gegenspieler mit einer schicksalsergebenen Teilnahmslosigkeit über den Tisch schiebt. Offenbar zeichnen sich in diesem Spiel ein Sieger und ein Verlierer ab. Vor einem der Spieler türmen sich nicht nur die Geldstapel, irgendwie ist auch die Schüssel mit den Salzbrezeln, an der er sich großzügig bedient, in seine Nähe gewandert. Um so länger das Spiel dauert, desto unangenehmer wird die Stimmung zwischen den Spielern. Der schweigsame Verlierer muss sich immer öfter unhöfliche, triumphierende Kommentare gefallen lassen wie „Ich kann schon gar nicht mehr verlieren.“ oder „Bald gehört mir alles was Du hast.“.

Nach 15 Minuten wird das Experiment abgebrochen und die Teilnehmer nach ihren Erlebnissen befragt. Der Gewinner wird voller Selbstbewusstsein sein Spielgeschick herausstellen und mit echter Überzeugung erklären warum er seiner Meinung nach den Sieg verdient hat. Tatsächlich aber war das Spiel von Anfang an zu seinen Gunsten manipuliert. Ein Los vor Beginn des Spiels hatte entschieden, wer das doppelte Startkapital erhält, das doppelte Einkommen bei „Los“ einzieht und nicht nur mit einem, sondern zwei Würfeln ziehen darf. Dass ein Münzwurf über diese unfairen Ausgangsbedingungen entschieden hatte, war bei den über hundert Kandidatinnen und Kandidaten in der Rückschau der Gewinnerinnen und Gewinner weit weniger Präsent, als in der der Verliererinnen und Verlierer. „Das ist eine wirklich unglaubliche Erkenntnis darüber, wie das menschliche Gehirn einen solchen Vorteil verarbeitet“, erklärt Paul Piff, Psychologe im „Berkeley Social Interaction Laboratory“ (1).

In den Arbeiten von Prof. Dacher Keltner, Doktorvater von Paul Piff und Direktor des „Berkeley Social Interaction Laboratory“, geht es um die Liebe als soziales Phänomen. Er steht damit ganz in der Tradition von Sozialpsychologen wie Erich Fromm, der mit „Die Kunst des Liebens“ eines der einflussreichsten philosophischen Werke über die Liebe verfasst hat. Wie Erich Fromm sieht Dacher Keltner das Mitgefühl bzw. die Nächstenliebe als die fundamentale Eigenschaft des Menschen und „die fundamentalste Art von Liebe, die allen anderen Formen zugrunde liegt“ (2). „Unsere Spezies hat überlebt, weil wir die Fähigkeit entwickelt haben, zu kooperieren und für Hilfsbedürftige zu sorgen“ sagt Dacher Keltner und stützt sich damit auf Erkenntnisse der Evolutionspsychologie die bis Pjotr Kropotkin zurückreichen. (3)




Im Rahmen der Dissertation "On wealth and wrongdoing: How social class influences unethical behavior." (4), hat Paul Piff daher verschiedene Versuche darüber durchgeführt ob Mitgefühl und Nächstenliebe durch Reichtum beeinflusst werden. Im Verlauf dieser Arbeit stellte Paul Piff fest, dass sich Reiche weniger an die Straßenverkehrsordnung halten, öfter unethische Entscheidungen treffen, eher bereit sind sich bewusst auf Kosten anderer zu bereichern und weit häufiger schummeln um zu gewinnen. Er meint einen eindeutigen Zusammenhang zwischen sozialer Klasse und (un)sozialem Verhalten feststellen zu können, auch wenn natürlich nicht alle Reichen gierig und hartherzig und nicht alle Armen großzügig und mitfühlend sind.

Laut Paul Piff nehmen mit steigender sozialer Klasse Nächstenliebe, Empathie und Mitgefühl ab, während die Bereitschaft die üblichen Rechtfertigungen von sozialer Ungerechtigkeit zu akzeptieren, wie „Gier ist gut“ oder „Reiche haben sich ihr Vermögen verdient“ zunimmt.

„In dem Monopolyspiel wollten wir untersuchen wie sich das Verhalten der Gewinner in einem solchen manipulierten Spiel verändert.“ erläutert Paul in seinem TED Vortrag der bereits mehreren Millionen mal im Internet aufgerufen wurde (1). Bemerkenswert an diesem Monopoly-Versuch ist, dass die Klassenunterschiede sich erst in diesem Spiel entwickelten. Beide Spieler waren Studenten der Berkeley Universität mit ähnlichem sozialen Hintergrund. Auch wenn Monopoly in einem fairen Spiel möglicherweise ehrgeizigere Spielerinnen und Spieler bevorzugt, hatte das keinen Einfluss auf den manipulierten Spielverlauf.

Zeigen die Ergebnisse von Paul Piff und Dacher Keltner, dass allein Geld zu haben schon genügt um den Charakter eines Menschen negativ zu beeinflussen? Was könnte so besonders an Geld sein, dass es diesen Einfluss auf unseren Charakter zu haben scheint?

In der gängigen Überlieferung der Wirtschaftswissenschaft wurde Geld vor allem als ein praktisches Tauschmittel erfunden ohne das wir ständig Hühner in Kartoffeln umrechnen oder Zigaretten, Salz oder Kaffee als Trinkgeld für die Kellnerin bereithalten würden. Das Problem an dieser Geschichte ist, dass diese Form einer Tauschwirtschaft nie existiert hat, schreibt David Graeber, Anthropologe, Anarchist und Held der Occupy-Wallstreet Bewegung in seinem wissenschaftlichen Bestseller „Schulden, die ersten 5000 Jahre“ (6). Er meint bevor wir Geld hatten, haben wir uns Gegenseitig beschenkt. Geld als Münze ist im wesentlichen eine Militärtechnologie. Erst als stehende Heere bezahlt werden mussten, erfanden Herrscher die Münzen. Wenn wir mit jemand auf Heller und Pfennig abrechneten, dann nur weil wir diese Person möglicherweise überhaupt nicht mochten und wahrscheinlich nie wieder sehen wollten.

Statt Tauschwirtschaften gab es laut Graeber sog. Schenkökonomien. Es genügte in diesen Schenkökonomien anzudeuten, dass Sie Bedarf an etwas haben, dass eine andere Person besitzt und schon war diese verpflichtet es ihnen zu geben. Im Gegenzug blieben Sie etwas schuldig. Diese Schuld bestand nicht unbedingt dem Schenker gegenüber, sondern der Gemeinschaft insgesamt. Am angesehendsten waren diejenigen die am meisten gaben und nicht die die am meisten hatten.

Unsere Gesellschaft funktioniert heute scheinbar genau anders herum, tatsächlich aber meint Graeber in unserer Gesellschaft überall Reste dieses Denkens zu sehen. Wenn uns eine Person etwas bedeutet und wir das ausdrücken wollen, dann beschenken wir sie. Sie wird dieses Geschenk möglicherweise mit einem anderen Geschenk erwidern, vielleicht aber auch nicht. Wenn sie das Geschenk aber ablehnt oder das Geschenk oder den exakten Gegenwert zurückgibt, dann sind wir „quitt“ und die soziale Beziehung ist zumindest gestört.

Neu an David Graeber's Arbeit ist, dass er seine Betrachtungen über Geld und Schulden aus dem Kontext unserer Zeit und unseres Wirtschaftssystems heraus löst. Seine Arbeit geht daher über eine Kapitalismuskritik oder Sozialkritik hinaus.

Die Liebe als kollektive Nächstenliebe, wie sie Erich Fromm oder Pjotr Kropotkin definierten, war auch eine der zentralen Botschaften der 68er bzw. der Hippie Bewegung. In dieser Tradition wird Liebe „als anarchisches und entgrenzendes Gegenmodell zu den Beschränkungen, Anforderungen, Funktionalisierungen und Ökonomisierungen der menschlichen Alltags- und Arbeitswelt aufgefasst.“ (7). Es hat allerdings bis heute gedauert bis jemand den direkten Einfluss von Geld auf die Liebe untersuchte. Geben uns David Graebers Einblicke in die Schenkökonomien einen Hinweis darauf warum das Geld den Menschen beeinflusst?

Dass Liebe und Schenken viel mehr gemeinsam haben als Liebe und Geld wissen wir eigentlich schon lange, diese banale Weisheit ist Teil unserer Überlieferungen von Jesus bis Lennon.
Die Dinge die wir lieben sind „unbezahlbar“ und Liebe verlangt nach keiner Gegenleistung. Anscheinend hatten wir schon lange vor der Erfindung der Marktwirtschaft Erfahrungen mit dem negativen Einfluss des Geldes auf die Liebe.

Die Arbeiten von Paul Piff und David Graeber weisen auf einen fundamentaleren Gegensatz von Liebe und Geld hin, der Unabhängig von anderen Einflüssen unseres Wirtschaftssystems zu sein scheint. Ist unser Dilemma also „Geld oder Liebe“? Können wir dieses Dilemma auflösen? Gibt es eine Form des Geldes in dem Liebe einen Platz hat?

Dieser Fragen hat sich ein weiterer Denker der Occupy-Wallstreet Bewegung verschrieben. Der Amerikanische Philosoph und Autor Charles Eisenstein versucht mit seinem Buch „Sacred Economics“ nichts geringeres, als Geld und Liebe unter einen Hut zu bringen.

Seine Lösungen für das Dilemma sind dabei nicht unbedingt neu, revolutionär ist nur sie im Zusammenhang mit der Liebe zu Denken. Charles Eisenstein greift wie David Graeber auf Erkenntnisse aus der ersten Hälfte des 20. Jh. zurück. Er stellt sich dabei vor allem die Frage ob Maßnahmen wie die Sozialdividende (Bürgergeld, Grundeinkommen) oder das Schwundgeld (negative Zinsen, umlaufgesteuertes Geld) den negativen Einfluss des Geldes auf die Liebe verändern könnten. Vor allem das Schwundgeld hat für Eisenstein dabei das Potential, Geld und Liebe zu vereinbaren, wobei er Fern jeder banalen Zinskritik argumentiert.

Das erste Experiment mit negativen Zinsen fand im Jahr 1932 in Wörgl statt. Mit der damaligen Wirtschaftskrise kam das gesamte Leben in Wörgl in Tirol zum erliegen. Geld so schreibt Eisenstein, scheint seltsame magische Eigenschaften zu haben. Obwohl die Infrastruktur und die Menschen die eine Gemeinschaft am Leben erhalten nicht verschwunden sind und obwohl Geld im Grunde nur eine Vereinbarung ist die wir untereinander treffen, bricht offenbar alles zusammen wenn das Geld weg ist. In Detroit, dass sich heute in einer ähnlichen Situation wie Wörgl 1932 befindet, können Krankenhäuser, Rettungswägen, Schulen, Kindergärten oder die Feuerwehr nur deshalb ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen weil an der Wallstreet scheinbar eine unsichtbare Energie vernichtet wurde, die diese am laufen hielt. Dabei legitimieren sich Gemeinschaften auch heute vor allem durch die sozialen Aufgaben die man in der Gemeinschaft teilt und nicht durch den Profit oder das Wachstum das erzielt wird.

Als der Wörgler Bürgermeister Unterguggenberger 1932 eine lokale Währung ausgab die monatlich 1% ihres ursprünglichen Wertes verlor, kam nicht nur die Wirtschaft in Schwung. Wie in der Schenkökonomie wurden plötzlich die gemeinsamen Projekte und der Austausch von Leistungen füreinander zum sozialen Kit der Gesellschaft.

„Während Sicherheit in einem zinsbasierten System aus der Anhäufung von Geld resultiert, kommt sie in einem Schwundsystem von produktiven Kanälen, durch die man es dirigiert. Man wird also eher ein Knotenpunkt für den Wohlstandsfluss als ein Akkumulationspunkt. Mit anderen Worten legt es den Fokus auf Beziehungen, nicht auf das Haben.“ Charles Eisenstein (8).

Er schreibt: „Nehmen wir an, ich hätte zwölf Brotlaibe und Sie wären hungrig. So viel Brot kann ich nicht essen bevor es hart wird, also gebe ich Ihnen gern etwas davon ab.“ (8) Ein gieriges Horten von Brot macht keinen Sinn. Geld das verdirbt wenn man es länger besitzt hat seiner Meinung nach die gleichen Eigenschaften. Wenn man mehr Schwundgeld hat als man benötigt, ist es vernünftiger man schenkt es anderen, die einem dafür etwas Schuldig bleiben. Schwundgeld verhindert so das Anhäufen von Geld, befördert die Großzügigkeit und das Schenken und damit den sozialen Zusammenhalt der Gemeinschaft. Auf diese Weise kann Schwundgeld unsere Gesellschaft grundlegend verändern. Das Schenken macht Schenker und Beschenkte zum Teil einer das Ich transzendierenden Gemeinschaftswahrnehmung.

Charles Eisenstein fasst dieses Gefühl in dem Video „The Revolution is Love!“ so zusammen:

„Liebe ist die gefühlte Verbindung zu anderen Wesen. Ein Ökonom sagt 'mehr für dich ist weniger für mich.' Der Liebende aber weiß, dass mehr für dich auch mehr für mich ist. Wenn du jemanden liebst ist ihr Glück auch dein Glück, ihr Schmerz ist dein Schmerz. Die Wahrnehmung deiner Selbst erweitert sich und schließt andere ein. Dieser Bewusstseinswandel ist universell in uns allen, dem 1. % und den 99%.“ (9)

Für die Gegner der Occupy-Wallstreet Bewegung ist Liebe als zentrale, politische Botschaft nicht fassbar. Wie soll ein Milliardär auf eine Occupy-Wallstreet Bewegung reagieren deren Botschaft ist, dass die universale Liebe der Zukunft auch ihn mit einschließt? Laut den Medien hat Occupy-Wallstreet damit schlichtweg gar keine Forderung.

Liebe hat offenbar in einem politischen Diskurs keinen Platz, der Diskurs wird vom Kapital beherrscht und der Markt regelt alles. Der Mensch der Gattung homo oeconomicus ist dabei angeblich nur auf den eigenen Vorteil aus. Glauben wir das wirklich? Lieben wir womöglich deshalb die Menschen nicht, weil wir glauben, dass die Menschen nur das Geld lieben?

Geld und Liebe werden als gegeben hingenommen und ihre Bedeutung für unser tägliches Leben ist unserer Aufmerksamkeit entglitten. Ob Charles Eisensteins Vorschläge tatsächlich unser Geldsystem so auf den Kopf stellen können, dass wir damit auf das Dilemma „Geld oder Liebe?“ eine zufriedenstellende Lösung finden, kann man nur entscheiden wenn sie ernsthaft diskutiert und ausprobiert werden.

Vielleicht ist eine Antwort wiederum in den Arbeiten von Paul Piff und Dacher Keltner zu finden. Dacher Keltner argumentiert in seinem Buch „Born to be Good“ überzeugend, dass der Mensch von „Geburt an Gut“ ist. (10) Was auch immer die Profitgier und der Reichtum mit uns anstellen ist umkehrbar. Ein Film über Kinderarmut genügte in Paul Piffs Experimenten um die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu verwischen (1). Nicht der Mensch ist laut Dacher Keltner kalt und herzlos, sondern die Art und Weise wie wir uns als Gesellschaft organisieren. Wenn er recht hat dann brauchen wir womöglich tatsächlich nur ein neues Geld um das Lieben zu lernen.

(1) Piff, Paul (2012): http://www.ted.com/talks/paul_piff_does_money_make_you_mean
(2) Fromm, Erich (2003): Die Kunst des Liebens. Frankfurt am Main.
(3) Zeit online: Professor Teddybär. http://www.zeit.de/zeit-wissen/2010/03/Portraet-Dacher-Keltner
(4) Piff, Paul Kayhan, Ph.D. (2012): On Wealth and Wrongdoing: How Social Class Influences Unethical Behavior, University of California, Berkeley.
(5) Kropotkin, Pjotr (1902): Mutual Aid: A Factor of Evolution.
(6) Graeber, David (2011): Schulden. Die ersten 5000 Jahre. Stuttgart.
(7) Wikipedia: Liebe (Abgerufen 21.5.2014).
(8) Eisenstein, Charles (2011): Sacred Economics. http://sacred-economics.com/
(9) Occupy Wall St. - The Revolution Is Love w. Charles Eisenstein(YouTube, 2011).
(10) Keltner, Dacher (2009): Born to be Good: The Science of a Meaningful Life. New York.

Siehe auch: http://occupylove.org/

Dienstag, 6. Mai 2014

Michael C. Ruppert, RIP

Am 13 April dieses Jahres nahm sich Michael C. Ruppert das Leben. Ruppert war einer der Whistleblower der CIA Drogengeschäfte und ein bedeutender investigativer Journalist. Michael C. Ruppert war ausserdem einer der unermüdlichen Verkünder der Unvereinbarkeit dieser Industriegesellschaft und der Endlichkeit unserer Ressourcen. Der Film "Collapse" aus dem Jahr 2009 ist ein eindringlichler Aufruf der Grenzen des Wachstums endlich durch eine Revolution zu begegnen. Ruppert kommt zu den gleichen unausweichlichen Schlußfolgerungen wie ich sie in diesem Blog dargestellt habe. Zu seinem Andenken hier also Collapse, Michael C. Ruppert:


Samstag, 22. März 2014

Empire of Illusion II

Was meint Chris Hedges wenn er vom "empire of illusion" spricht? Wer nach meinem letzten Post evtl. gedacht hat, dass die Ansichten von Chris Hedges über die USA sehr einseitig und übertrieben wären, der wird vielleicht durch dieses Video eines besseren belehrt. Ich verspreche, dieses Video wird ihnen kalte Schauer über den Rücken jagen.

Zu sehen ist der Republikaner Paul Broun. Paul Broun ist Arzt (?!) und Abgeordneter im Amerikanischen Kongress. Er sitzt im "Committee on Science, Space, and Technology" was das US-Amerikanische Gegenstück des "Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung" des Bundestages ist und leitet das US equivalent eines Unterausschusses für Technikfolgenabschätzung, das "Subcommittee on Oversight". Wenn Sie dieses Video gesehen haben dann, raten Sie im Anschluß was dieser Mann über den Klimawandel denkt.

Schnallen Sie sich an, das wird hart!


Aufgenommen wurde das Video beim "Sportsman's Banquet" am 27 September 2012, in Hartwell, Georgia in der dortigen "Liberty Baptist Church". Man beachte auch den Hintergund!

Hier der Text der Ansprache zum mitlesen:

"God's word is true. I've come to understand that. All that stuff I was taught about evolution and embryology and the Big Bang Theory, all that is lies straight from the pit of Hell. And it's lies to try to keep me and all the folks who were taught that from understanding that they need a savior.

You see, there are a lot of scientific data that I've found out as a scientist that actually show that this is really a young Earth. I don't believe that the Earth's but about 9,000 years old. I believe it was created in six days as we know them. That's what the Bible says.

And what I've come to learn is that it's the manufacturer's handbook, is what I call it. It teaches us how to run our lives individually, how to run our families, how to run our churches. But it teaches us how to run all of public policy and everything in society. And that's the reason as your congressman I hold the Holy Bible as being the major directions to me of how I vote in Washington, D.C., and I'll continue to do that." (Paul Broun)

"Na dann gute Nacht Amerika"  (Bill Moyers)

Donnerstag, 20. März 2014

Empire of Illusion

Der Pulitzerpreisträger Chris Hedges ist für mich einer der scharfsinnigsten Beobachter des Systems USA. In diesem Interview spricht er über sein neuestes Buch "Empire of Illusion. The End Of Literacy". In den 27 min des Interviews seziert er mit messerscharfen Sätzen die amerikanische Gesellschaft.




Dienstag, 18. März 2014

Die Krim und der permanente Kriegszustand der Welt

Dies ist ein Versuch anhand der Situation der Krim das Augenmerk auf die geopolitischen Strategien der globalen Mächte zu richten. Als erstes muss man verstehen, dass Geopolitik eine sehr kalte und nüchterne Grundhaltung zugrunde liegt (die ich trotz dieser zynischen Analyse nicht Teile). Der Gedanke es würde irgendeine globale Macht den Wiener Konventionen irgendeine Beachtung schenken ist höchst abwegig. Die Liste Völkerrechtsverletzungen aller Beteiligter reicht von Berlin bis zur Krim.

"In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt." -Egon Bahr

Um Geopolitik zu verstehen, darf man diese ebenfalls nicht mit der Innenpolitik der Länder verwechseln, egal wie man zu dieser steht. Man mag die Innenpolitik des einen Landes besser finden als die eines anderen, die Aussenpolitik wird davon selten betroffen. Werte und Rechte die man der eigenen Bevölkerung zugesteht spielen in der Geopolitik eines Landes eine sehr untergeordnete Rolle.

Geopolitisch handeln alle Beteiligten im Grunde auf der gleichen (moralischen?) Ebene. Betrachtungen über "Böse und Gut" helfen einem nicht weiter. Kalte strategische Überlegungen allein bestimmen das aussenpolitische Handeln. Geopolitik ist zudem permanenter Kriegszustand.

Tatsächlich wurde der kalte Krieg von den USA nie beendet. Die amerikanische Wirtschaft hätte schon ein Ende der massiven Rüstungsausgaben am Ende des zweiten Weltkrieges nicht überlebt, bzw, wäre in eine Rezession gesteuert. Dieser  permanente Kriegszustand prägt seit dem die globale Politik.

Man nennt dieses System das sich daraus Entwickelt hat auch die "permanent war economy" bzw. die permanente Rüstungswirtschaft. Die Miltärausgaben, sind es die laut dieser (überzeugenden) Theorie die USA seit Ende des 2. Weltkieges eigentlich am laufen halten. Krieg und Kapitalismus sind für die USA seit dieser Zeit also zwei Seiten der gleichen Medallie und sind auf unselige Weise und unweigerlich miteinander verknüpft.

"Well, that’s what the Pentagon system is about: it’s a system for ensuring a particular form of domination and control. And that system has worked for the purposes for which it was designed—not to give people better lives, but to “make the economy healthy,” in the standard sense of the phrase: namely, ensuring corporate profits. And that it does, very effectively. So you see, the United States has a major stake in the arms race: it’s needed for domestic control, for controlling the empire, for keeping the economy running. And it’s going to be very hard to get around that; I actually think that’s one of the toughest things for a popular movement to change, because changing the commitment to the Pentagon system will affect the whole economy and the way it’s run." 
 (Noam Chomsky. Understanding Power.)

Dieser permanente, latente Kriegszustand wird offenbar auch von Putin angestrebt. Diese Form des Kapitalismus wurde als der einzige Weg zur globaler Dominanz anerkannt und ist ein quasi ein Exportschlager der USA. Russland und China haben dieses System jeweils auf ihre Art kopiert. Die Legitimation dieses permanenten Kriegszustandes findet sich sowohl im Neorealismus als auch im Neoliberalismus. Grundvoraussetzung für die Aufrechterhaltung dieses Zustandes ist eine ständig wachsende Versorgung mit Ressourcen und Energie. Nur mit Öl lässt sich die Kriegsmaschine bewegen.

Führt so eine Situation in einen Weltkrieg? Ziemlich sicher nicht. Keine Seite hat wirklich ein Interesse an einer direkten militärischen Konfrontation. Das Hauptinteresse des permanenten Kriegszustandes ist nicht der Krieg sondern die Erhaltung der Militärindustrie, die Förderung der einheimischen Wirtschaft und die Sicherung der Ressourcen. Wie schon in meinem letzten Post über Geopolitik erwähnt, bin ich der Meinung, dass der wirtschaftliche Wettbewerb längst den Krieg im streben um globale Dominanz ersetzt hat.

Man kann daher davon Ausgehen, dass Beispielsweise die Interessen der Bevölkerung der Krim und der Ukraine für keine der beteiligten Seiten eine Rolle spielen. Ob in der Ukraine Demokratie oder Diktatur herrschen werden ist, wenn man sich die Geschichte betrachtet, für die Großmächte von untergeordnetem Interesse. Wichtig ist den Strategen allein welche Kontrolle man über die neue Regierung hat und ob diese dem eigenen Lager Zugang zu den gewünschten Ressourcen erlaubt.

Die Ukraine hat das Pech ein schwacher Staat zwischen starken Lagern zu sein der innerlich zerrissen ist. Ausserdem liegt sie in einer Region von großem strategischem und energiepolitischem Interesse. Der Schwarzmeerraum ist ein Drehkreuz für die bedeutenden Energievorkommen Zentralasiens. An Russland kommt man im Moment in diesem Raum nicht vorbei. Die Kontrolle der dortigen Pipelines und die militärische Vormachtstellung im Schwarzen Meer bestimmen darüber wer in Zukunft auf diese Energievorkommen zugreifen kann und wer nicht.

 
Mit offenen Karten 11.07.2008. DasSchwarze Meer; Geopolitik der Pipeleines 
(Eingefügt  am 20.3)


Der Westen drängt daher mit Macht in diese Region vor. Russland hat es unter Putin allerdings gut verstanden sich zu wehren. Viele der Pläne der westlichen Ölkonzerne wurden von Russland durchkreutzt. In der neorealistischen/neoliberalen Denkweise der Geopolitik hat man Putin durch die Expansion aber langfristig zu einer Reaktion gezwungen.

Putin kann sich nicht damit abfinden ein erfolgreiches Rückzugsgefecht gegen den Vormarsch des Westens zu führen. Vor allem ein Verlusst des Militärhafens Sewastopol konnte Putin in diesem Spiel nicht akzeptieren, es sei denn es bestünde Gefahr einer direkten Konfrontation.

Die Annektion der Krim ist daher bestimmt keine Überraschung für die Strategen des Westens. Die USA hat nicht anders reagiert als die Marinebasen in Bahrain durch den arabischen Frühling in Gefahr waren. Jegliche Demokratiebestrebungen in Bahrain wurden mit Hilfe des Westens brutal im Keim erstickt.

Eine durchaus nicht unmögliche Antwort Putins auf die Expansion des Westens nach Osten wäre eine russische Expansion nach Westen. Dieses Interesse ist möglicherweise nicht auf die Schwarzmeerregion beschränkt. Putin will und kann im großen Spiel mitspielen. Ich denke nicht, dass sich Putin Beispielsweise mit der Seperation der baltischen Staaten unter seiner Präsidentschaft abgefunden hätte. Zu groß sind die wirtschaftlichen und strategischen Nachteile durch die Unabhängigkeit des Baltikums. 

Kaliningrad, der wichtigste eisfreie Militärhafen Russlands an der Ostsee, ist durch die Unabhängigkeit der baltischen Staaten eine extraterritoriale Enklave geworden. Das ist für Russland eigentlich eine militärisch unhaltbare Position. Das weiss auch der Westen. Jetzt, da man Putin zur Annektion der Krim getrieben hat, muss man Drohgebährden folgen lassen. Putin soll nicht auf Dumme Ideen in Estland und Lettland kommen. Man will schliesslich auf keinen Fall einen wirklichen Konflikt. Das aber weisss auch Putin. Man tut dem Protokoll mit dem Sanktionsgetöse genüge. Im Grunde wird man auf allen Seiten die Annektion der Krim als logischen Spielzug in diesem Spiel akzeptieren und Putin insgeheim dafür gratulieren.

Durch die Annektion der Krim durch Russland hat sich also trotz allem Säbelgerassel keine wesentliche Änderung in der Beziehung zwischen Russland und dem Westen ergeben. Eine Kriegsgefahr ist nicht größer oder kleiner als vor den Ereignissen in der Ukraine.

Seit 70 Jahren lebt unsere Welt in Folge des 2. Weltkrieges in einem System des permanenten Kriegszustandes, dass auf Ausbeutung von Menschen und Ressourcen beruht. Es dient der Erhaltung der Wirschaftsmacht, der globalen Dominanz, der Macht der Kapitalinteressen und der Unterdrückung sozialen Wandels. In diesen Zielen sind sich alle Großmächte einig. Dieser Zustand soll jedoch auf keinen Fall durch einen tatsächlichen symmetrischen Krieg gefährdet werden. Man balgt sich nur indirekt und im Geheimen.

Das System Geopolitik ist allein von Eigennutz und Gewinninteressen getrieben. Das dem System inherente Misstrauen zwischen den Beteiligten ist zu Groß um gemeinsames Handeln zu erlauben. Aus diesem System heraus sind Lösungen für die drängensten Probleme unserer Zeit unmöglich.

Globale Ungerechtigkeit, unmäßiger CO2 Ausstoß und die Plünderung der Ressourcen und Weltmeere werden also kein ein Ende finden so lange dieses System besteht. Aus sich heraus kann es keine Erneuerung geben. Ein gezähmter oder grüner Kapitalismus, die Illusion die sich viele machen, hat nie existiert und wird nie existieren. Niemand traut sich dieses System zu beenden.

Ein Ende ist jedoch Absehbar. Ab ca. 2017 wird es zu einem allgemeinen Rückgang der Verfügbarkeit nahezu aller Ressourcen kommen, vor allem der globalen Fördermengen an fossilen Brennstoffen. In Folge dessen ist der permanente Kriegszustand auf Dauer nicht mehr aufrechtzuerhalten. Wie sich die Welt durch diese Entwicklung verändern wird bleibt abzuwarten.

Siehe auch:
Monde Diplomatique. The economic disaster that is military keynesianism
Guardian: Ukraine crisis is about Great Power oil, gas pipeline rivalry


Donnerstag, 13. März 2014

NSU Prozess: Vernehmungen im Mordfall Yozgat

Am Dienstag fand der 92 Verhandlungstag im NSU Prozess statt. Im Mittelpunkt stand der Mord am Internetcafe-Betreiber Halit Yozgat. Wer immernoch an eine "umfassende Aufklärung" durch den Prozess geglaubt hat, wird wohl mit diesem Verhandlungstag diese Hoffnung aufgeben.

Es geht an diesem Verhandlungstag vor allem um die Frage was denn der in seiner Jugend als "kleiner Adolf" bekannte V-Mann-Führer des Verfassungsschutzes Andreas Temme, zur Tatzeit in diesem Internetcafe trieb. Der Journalist Wolf Wetzel befasst sich mit dem NSU Komplex seit Jahren. Er hat die Unstimmigkeiten dieses Mordfalls zusammengefasst.

Das Lügengebäude das zur Vertuschung der Beteiligung des Verfassungsschutzes aufgebaut wurde ist zu fadenscheinig und brüchig um keine Zweifel aukommen zu lassen. Ich persönlich kann mir eigentlich nicht vorstellen wie man noch offensichtlicher Lügen kann als es der Verfassungsschutz in diesem Fall tut.

Wenn wir diese Lügen nicht glauben, lässt alles was wir bisher wissen können darauf schliessen, dass hier durch den Verfassungsschutz Aufklärung und Ermittlungen der NSU schon zur Tatzeit verhindert wurden. Dies dauert bis heute an. Auch an diesem Verhandlungstag tut der Verfassungsschutz alles um eine Aufklärung zu verhindern. Neue Lügengebäude werden auf den Ruinen der alten Aufgebaut.

Wenn man Lügen nicht ernst nimmt sondern sich die Fakten ansieht, muss man von einer zumindest indirekten Beteiligung von Andreas Temme an diesem Mordfall ausgehen. Die wahrscheinlichste Erklärung für Temmes Anwesenheit ist, dass er direkt nach der Tat die Vernichtung möglicher Spuren unternahm, die zur einer Aufklärung der Mordfälle hätten führen können. Trotzdem wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt, da Temme von seiner Behörde massiv gedeckt wurde.

Wenn das so ist kann man daraus schliessen, dass verschiedene Verfassungsschutzbehörden die Täter bei ihren Taten im Hintergrund "begleitet" und gedeckt haben. Sie haben dabei die Ermittlungen der Polizei behindert und sich damit an den Morden schuldig gemacht. Trotzdem scheint weder Politik noch Staatsanwaltschaft in der Lage diese Beihilfe zum Mord zu verfolgen.

Was das für unsere Demokratie und unseren Staat bedeutet ist erschütternd. Vermutlich soll eine Aufklärung auch weiterhin verhindert werden, weil ein Eingeständnis dieser Tatsachen den Glauben an diesem Staat zerstören würde. Möglicherweise ist dies sogar eine politische Entscheidung der Regierungen oder Innenminister. Dabei sind es die Vertuschungen und die Unfähigkeit die Fehler einzugestehen die für mich viel schwerer wiegen als die Vorgänge selbst.

Samstag, 1. März 2014

Podiumsdiskussion: Die Grenzen des Wachstums

Sehr zu empfehlende Podiumsdiskussion mit Jakob von Uexküll, Anders Wijkman, Reinhard Loske und Stephan Schad bei "Lesen ohne Atomstrom" am 23.4.2013 in der Zentralbibliothek Hamburg. Moderation und Diskussionsleitung: Jakob Augstein.