Montag, 21. Januar 2013

Die unsichtbare Hand des Marktes und die Gentechnik

Wir konnten vor einigen Tagen mitverfolgen, wie Lance Armstrong die Dopingvergangenheit beichtete, die eigentlich allen (insbesondere auch den Anti-Doping Ermittlern) schon längst bekannt war.

Fast völlig unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit gelang dagegen vor 4 Jahren deutschen Forschern ein revolutionärer Durchbruch in der Gentechnik, der das Potential hat unsere Welt fundamental zu verändern.

2009 ist es Genetikern gelungen, ein technisch verwertbares und einfaches Verfahren zur Identifizierung von Gensegmenten zu Entwickeln, ein Werkzeug, dass die fast beliebige Manipulation von Genen ermöglicht.

Seit dem müssen Genetiker nicht mehr auf gut Glück die DNA segmentieren, die manipuliert werden soll, sondern können gezielt bestimmte Sequenzen des Erbmaterials in der DNA ansteuern um sie zu ersetzen.

Wollen sie z.B. eine neue Augenfarbe? Mit dieser Technologie ist es ohne weitere Probleme heute schon möglich die Sequenz in der DNA für die Augenfarbe braun durch die der Augenfarbe blau zu ersetzen.

Nach einiger Zeit wird diese genetische Änderung phänotypisch wirksam. Niemand könnte später Nachweisen, dass sie jemals eine andere Augenfarbe besessen hätten als die gewünschte.

Dies ist KEINE science fiction, sondern Stand heutiger Technik.

Diese Technologie hätte beispielsweise das Potential Patienten wie Lance Armstrong von ihrem Krebsleiden zu heilen, ohne die Nebenwirkungen zu verursachen unter denen er leiden musste.

Neue Therapien gegen Viruserkrankungen, ganz neue Möglichkeiten der Bekämpfung von Infektionen sowie selbstverständlich die vollständige Behebung von bisher unheilbaren Gendefekten werden damit möglich.  

Die Möglichkeiten die Menschheit mit dieser Technologie voran zu bringen sind fast Grenzenlos aber die Gefahren ebenso.

Natürlich machen Wissenschaftler sich Gedanken über die Ethik dieser Manipulationen, und der ethische Forscher ist in Universitäten Deutschlands der Normalfall.

Dieser Post soll nicht als Kritik an der Wissenschaft oder der Gentechnik verstanden werden, sondern ein Bewusstsein für die unglaublichen möglichen Konsequenzen dieser Technologie vermitteln.

Im Gegensatz zur Augenfarbe, in der die Beziehung zwischen Wirkung und Genom tatsächlich so einfach ist wie oben beschrieben, sind für die meisten Funktionen unseres Körpers hunderte oder tausende Gensequenzen verantwortlich.

Eine Manipulation am Erbgut eines Menschen kann also beliebige unerwünschte Effekte haben, da man oft das komplexe Zusammenspiel von Proteinen (Enzymen, Hormonen etc.) und Genen (noch) nicht ausreichend versteht.

Vor allem, die Erschaffung des "transgenen" Menschen ist ethisch und technologisch ein höchst heikles Thema. Transgen meint, dass dem Menschen Gene eines anderen Tieres mit den gewünschten Eigenschaften "Eingepflanzt" werden. (Richtig, genau wie in Spiderman).

Beispiel: Sie wollen in Zukunft ein zusätzliches Sinnesorgan, dass es ihnen Erlaubt nach dem Magnetfeld der Erde zu Navigieren?

Kein Problem, ein paar Sequenzen aus dem Genom der Taube und sie werden nie wieder einen Kompass benötigen.

Dies ist ebenfalls keine science fiction, wer Skrupellos oder Verrückt genug ist kann das schon heute mit guten Erfolgsaussichten versuchen.

Ich nehme nicht an, dass in der (offiziellen) Forschung, Wissenschaftler unbekümmert am Genom des Menschen herum-manipulieren werden, vor allem nicht zur Schaffung von transgenen Menschen.

Wohin wird die Entwicklung der Gentechnik gehen? Wer hat das in der Hand und wer bestimmt was wir damit tun? 

Meiner Ansicht nach wird die angeblich so heilsbringende Innovationskraft des Marktes die Entwicklung in leicht vorhersehbare Bahnen lenken. Diese Technologie wird, wie alles in unserer turbokapitalistischen Welt, darauf abgeklopft werden, wo sie den größtmöglichen Gewinn abwerfen kann. 

Damit das Potential Therapien zu entwickeln ausgeschöpft werden kann, muss die "marktwirtschaftliche Verwertbarkeit" einer neuen Therapie gegeben sein.

Es ist nicht anzunehmen, dass Pharmaunternehmen aus „Menschenfreundlichkeit“ teure Forschung finanzieren um seltene Krankheiten oder Gendefekte zu heilen die nur wenige tausende Menschen in unserem Land betreffen.

Es fließen in der Pharmaindustrie Milliarden in die Erfindung eines Haarwuchsmittels aber kaum ein Cent in die Therapie von seltenen Krankheiten. Diese Art von Forschung wird, wenn überhaupt, in Universitäten erbracht (wenn sie nicht zu öffentlich finanzierten Forschungsabteilungen der Privatwirtschaft mutieren).

Aber wie wir von Lance Armstrong und anderen Radprofis wissen, gibt es da eine Schattenwissenschaft, die keine Skrupel kennt und mit ungeheuren Mitteln ausgestattet ist.

Im Leistungssport werden ungeheure Summen umgesetzt und das Prestige von Nationen hängt von der Leistung dieser Sportler ab. Die Chance eine Dopingtechnik zu Entwickeln die nicht Nachweisbar ist, wird die Doping-Maffia nicht auslassen.

Transgene Manipulationen wären (glücklicherweise) im Genom einfach und schnell nachweisbar, dieser Horror ist also im Doping noch nicht zu befürchten, aber nach dem „idealen Sportlergenen“ im Erbgut von erfolgreichen Sportlern wird sicher schon gesucht.

Ich bin davon felsenfest davon überzeugt, dass schon heute Gentechniker der Dopingmaffia nach Gensequenzen fahnden, die die Leistungsfähigkeit von Sportlern verbessern.

Bisher hat die Doping-Maffia keinerlei Anzeichen moralischer Skrupel gezeigt. Das Sportler durch das verabreichte Doping sterben oder Krank werden können, hat diese Maffia noch nie interessiert.

Besonders in Ländern, in denen Ehrgeiz und Gier mancher Sportler oder Eltern keine Grenzen kennen (USA, Deutschland, England, Frankreich, Australien ...) oder deren Regime keine Skrupel haben (Nordkorea, China), wird die Idee, den "perfekten" Leistungssportler nach dem Baukastenprinzip zu schaffen, zu verlockend sein, als dass sie nicht angewendet würde.

In denke im Doping wird der Wunsch „den Mensch besser zu machen“ seinen Durchbruch erleben und erstmals zur Anwendung kommen.

Falls die so geschaffenen „Supersportler“ tatsächlich die Leistungen erbringen, die sich die Sportler und ihre Hintermänner versprechen, wird diese Technologie im Raum stehen und unsere Gesellschaft für immer verändern.

In einigen Jahren wird vielleicht ein Supersportler in einer Talkshow sitzen und „beichten“ ein Genexperiment zu sein. Mancher wird sich spätesten dann Fragen: „Wenn es gelingt den Supersportler zu schaffen, warum nicht auch den „Übersoldat“ oder das „Wunderkind“?“

Würde die Schattenwirtschaft die fehlgeleiteten und unethischen Wünsche von Eltern nach einem „Superkind“ aus Profitgier bedienen? Ja sicher!

Was ist mit der eigenen Verwertbarkeit in der Wirtschaft? Sie kommen mit dem Leistungsdruck nicht mehr klar? Haben eine Veranlagung zur Faulheit? Wie wäre es mit ein paar Gensequenzen eines „Leistungsträgers“ für ihren Erfolg?

Irgendwas muss ja mit Ihnen (Ihrem Genom) nicht stimmen, wenn Sie mit den Anforderungen der Gesellschaft nicht klar kommen oder?

Ich bin sicher, dass diese und ähnliche Gedanken einen Markt für einen illegalen Handel mit Gendoping für jedermann öffnen könnten. Wenn es einen Markt gibt, dann wird sich auch ein Anbieter finden.

Natürlich sind Gene auch in einem bestimmten Maß für unser Verhalten zuständig. Warum sollten in Zukunft politische gefangene Diktatorischer Regime in „Umerziehungslager“ gesteckt werden wenn man statt dessen die Neigung zur Auflehnung aus ihrem Genmaterial entfernen könnte? Untersuchungen zu Verknüpfung von Genom und politischer Überzeugung gibt es übrigens seit 1986 (Link).

Auch bei uns in Deutschland wurden in der Vergangenheit schon Versuche an Opfern des Justizvollzugs durchgeführt, um mittels Psychopharmaka Persönlichkeitsveränderungen durchzuführen. Warum nicht Gentherapie statt Sicherheitsverwahrung? 

Oder noch weiter gedacht: Ist das Volk zu aufmüpfig? Ist es mit der herrschenden Ungerechtigkeit unzufrieden?

Um die Veränderung der Gene zu erreichen, genügt potentiell die Einnahme von wenigen Pillen oder die Verabreichung weniger Spritzen. Es ist vorstellbar diese Verabreichung auch ohne das wissen des Opfers durchzuführen.

Die von Bert Brecht angesprochene „Lösung“ in seinem gleichnamigen Gedicht, könnte in extrem unangenehme Nähe rücken.

Der finale Horror wäre dann, dass verrückte, machtbesessene Herrscher beschließen ein Volk nach ihren Maßstäben zu schaffen und jetzt oder bald die Möglichkeit dazu hätten, oder es zumindest für möglich halten.

Die Vorstellung, dass Hitler die Möglichkeit in Händen gehabt hätte, blonde, blauäugige Arier (evtl. gleich mit entsprechender Veranlagung zu einer Herrenrassengesinnung) zu erschaffen, ist zu erschreckend um sie zu Ende zu denken.

Wir Menschen haben die Macht das Klima zu verändern, die Umwelt zu Zerstören und den Planeten in eine Wüste zu verwandeln. Heute halten wir die Macht über das Leben selbst in den Händen.

Lassen die Erfahrungen aus unserer Vergangenheit darauf schließen, dass wir damit vernünftig umzugehen in der Lage sind?

Die Gier nach Geld führt heute zu schrecklichen Verbrechen, deren Ausmaß für mich kaum vorstellbar ist. 

In einem früheren Post habe ich die in Afrika im Umlauf befindlichen Plagiate von Malariamitteln erwähnt, an denen bisher Millionen von Kindern gestorben sind. Es handelt sich dabei um Millionenfachen Mord für den Gewinn von ein paar Cent pro Opfer.(*)

Man kann angesichts dieses Wahnsinns nicht umhin zugeben zu müssen, dass im Namen der Gier heute alles getan wird was Gewinn verspricht. Die letzten Schranken der Moral sind vor Jahrzehnten gefallen.

Die Grenzen zwischen dem organisierten Verbrechen das Beispielsweise für die gefälschten Malariamittel verantwortlich ist, und der Wirtschaft, sind kaum mehr zu erkennen.

Gerade die Unternehmen der sogenannten „Life Sciences“, die die Geschäftsmodelle aus dieser Technologie entwickeln werden, legen eine fast völlige Missachtung von Ethik und Moral an den Tag. Die Durchführung von Medikamententests an nicht aufgeklärten „Patienten“ in der ausgebeuteten Welt scheint eher die Regel als die Ausnahme.

Wie frage ich mich, werden Sie wohl mit den neuen Möglichkeiten der Genetik umgehen und wo werden sie diese Testen?

Ist der Kapitalismus das geeignete System der Beschränkung und Regulierung dieser Macht?

Die Antwort ist nicht Eindeutig, aber dass wir immer weniger in der Lage sind, die Auswüchse des Kapitalismus in den Griff zu bekommen und zu Kontrollieren, ist unzweifelhaft.

Wie könnte unsere Gesellschaft beschaffen sein um mit der unbeschränkten Macht über diesen Planeten und seine Lebewesen und uns Menschen verantwortlich umzugehen?

Wenn Sie mir diese Fragen beantworten können bitte ich um Ihren Kommentar.


Siehe auch: Gendoping

(*) Ein Paket Artemesinin kostet(e) bisher in z.B. Kenia ca. 500Sh = 4€

Donnerstag, 20. Dezember 2012

George Monbiot: Forbidden Planet


We cannot restrain climate change without a political fight against plutocracy.


By George Monbiot, published in the Guardian 4th December 2012

Humankind’s greatest crisis coincides with the rise of an ideology that makes it impossible to address. By the late 1980s, when it became clear that manmade climate change endangered the living planet and its people, the world was in the grip of an extreme political doctrine, whose tenets forbid the kind of intervention required to arrest it.

Neoliberalism, also known as market fundamentalism or laissez-faire economics, purports to liberate the market from political interference. The state, it asserts, should do little but defend the realm, protect private property and remove barriers to business. In practice it looks nothing like this. What neoliberal theorists call shrinking the state looks more like shrinking democracy: reducing the means by which citizens can restrain the power of the elite. What they call “the market” looks more like the interests of corporations and the ultra-rich Neoliberalism appears to be little more than a justification for plutocracy.

More on George Monbiots Blog.



Donnerstag, 13. Dezember 2012

Die Bedingungen der Utopie

"Wenn du kein Utopist bist, dann bist du im Grunde genommen ein Schwachkopf" Jonathan Feldman
Die Schwierigkeit eine Utopie zu entwickeln ist es, aus den engen Vorstellungsräumen auszubrechen die uns unsere Erfahrungen aufgezwungen haben. Wir, die wir nichts anderes kennen, können uns nicht Vorstellen, dass die Nation und der Staat, wie wir sie heute vorfinden, eine sehr junge Geschichte haben. Wie wäre es in einer Welt zu leben ohne Pässe und Staatszugehörigkeit?

Fragen wir einen Gefangenen der sein Leben lang in einer Zelle mit einem Dutzend Bücher verbracht hat, was wer sich sehnlich wünscht, würde er vielleicht sagen „mehr Bücher“. Die Vorstellung einer Welt außerhalb seiner Zelle fällt ihm schwer, es sei denn seine Bücher haben ihm die Augen Geöffnet. Dazu darf der Autor aber nicht in der Nachbarzelle sitzen. Vielleicht aber steuern auch seine Kerkermeister was er zu lesen bekommt und stellen sicher, dass er weiterhin keine Vorstellung von der Außenwelt hat?

Ähnlich reagieren wir wenn wir konstruktive Kritik am vorherrschenden System üben sollen, zu mehr sozialer Gerechtigkeit fallen uns Reichensteuer oder Vermögensabgabe ein. An unseren Staatsgrenzen wacht währenddessen ein hochgerüsteter Militärapparat der die Ausgebeuteten der Nationen, die jenseits des Abgrundes zwischen arm und reich leben, davon abhält, endlich Teilhabe an den Reichtümern zu bekommen die von Süden nach Norden fließen.

Davon sollen oder wollen wir nichts wissen, dieser Kampf der Verzweifelten liegt jenseits unserer Wahrnehmung. Ein System weit brutaler als die institutionalisierte Apartheid Südafrikas sichert uns unseren Wohlstand und die Entrechtung und Ausbeutung des armen Südens. Dieses System ist der Nationalstaat und seine Grenzen.

In historischen Dimensionen bemessen ist die Erfindung der Nationalstaaten, von denen wir Glauben, dass sie unsere Gesellschaft sind, nur einen Wimpernschlag alt. Natürlich hatten wir schon seit Jahrhunderten eine Gesellschaft (oder viele) auch in Zeiten in denen dieser Begriff nichts mit einem Nationalstaat zu tun hatte. Wir die, wir die Kinder de Völkerwanderung sind sind fest Verwurzelt mit der Unverrückbarkeit nationaler Grenzen.

Wer von uns stellt sich unter einer Welt ohne Grenzen aber einen weltweiten Nationalstaat vor? An der Entrückung der EU Kommission von den Bürgern der EU kann man ermessen wie sich eine solche Weltregierung gegenüber den Bürgern dieser Erde verhalten würde.

Die Entwicklung des Staates als Personenverband seiner Bürger und festgelegten geographischen Grenzen, wie wir ihn heute kennen, fällt zusammen mit der ersten industriellen Revolution vor ca. 250 Jahren. Die ersten Verfassungen die auf diesem Prinzip beruhten waren die am 3. September 1791 in Frankreich geschriebene Revolutionsverfassung und die US Amerikanische Verfassung von 1787. Diese Verfassungen standen Pate für alle weiteren Klone der sog. parlamentarischen Demokratie und ihren Verwandten.

Wozu haben wir diesen Staat?
Brauchen wir in Zukunft noch einen Staat?
Warum werden wir regiert und von wem?
Wollen wir überhaupt regiert werden?
Diese Fragen muss eine Utopie neu beantworten

Vor diesem Prinzip eines Staates, waren wir Untertanen eines Monarchen (oder anderen Feudalherren). Die vornehmliche Aufgabe des Staates, war die Erhaltung der Macht der Monarchie. Alle Untertanen hatten zum Erhalt der Macht des Monarchen beizutragen und bekamen die Macht zu spüren, sollten sie versucht haben diese in Frage stellen.

Ich nehme an, dass dieser Sprung der Vorstellungskraft vom Untertan zum Bürger ein gewaltiger war. Die Ereignisse der Französischen Revolution sprechen dafür, dass diese Erkenntnis zu gewinnen ein aufwühlender und emotionaler Moment war der ungeheure Kräfte in den Menschen freisetzen konnte. Der Übergang vom Untertan zum Bürger stellte unsere gesamte Welt auf den Kopf.

Mit diesem Sprung in das Bürgertum begann auch der Siegeszug des Kapitalismus. Diese neue Art von Staat fand seine vornehmliche Aufgabe nicht mehr im Machterhalt seines Feudalherren, sondern in der Sicherung des Eigentums der Bürger.

Auch hier müssen wir unseren Geist weit strecken um uns vorstellen zu können welch immensen Anteil dieser Aspekt unserer Staatsangehörigkeit ausmacht, denn heute bleibt er uns meist verborgen, bzw. wir nehmen diese offensichtliche Tatsache nicht wahr.

Die Verfassungsväter der USA, insbesondere James Madison, hatten diesen zentralen Aspekt staatlicher Macht sehr wohl im Sinn.
„Government is instituted to protect property of every sort; as well that which lies in the various rights of individuals, as that which the term particularly expresses. This being the end of government, that alone is a just government, which impartially secures to every man, whatever is his own.“
Dabei hatten die Verfassungsväter auch ganz klare Vorstellungen darüber wer denn in dem neuen Gebilde das Sagen haben würde und was mit dem Begriff „Property“ vornehmlich gemeint war:
„The people who own the country ought to govern it.“ John Jay
Zumindest ist es Diskussionswürdig ob andere Arten von „property“ wie sie James Madison anspricht (individuelle freiheitliche Rechte) in seinen Augen wirklich den gleichen Schutz genießen wie die Eigentumsrechte des Landbesitzers.

Noam Chomsky (Consent without Consent, 1998) sagt dazu:

„Zudem war ihr Chefarchitekt, James Madison, ein höchst kluger politischer Kopf. In den Verfassungsdebatten warnte er: "Sollte in England das allgemeine Wahlrecht eingeführt werden, dann würde das Grundeigentum in Gefahr geraten. Denn dann würde ein Agrargesetz nicht lange auf sich warten lassen", und Grundbesitz würde an die Landlosen verteilt werden. Dergleichen Unrecht müsse natürlich durch entsprechende Verfassungsbestimmungen verhindert werden: "Die immerwährenden Interessen des Landes müssen gewahrt bleiben" - womit er die Besitzrechte meinte. Für Madison war eine Regierung vor allem verantwortlich dafür, "die wohlhabende Minderheit vor der Mehrheit zu schützen." Diesem Leitsatz sind die Demokratien bis auf den heutigen Tag treu geblieben.„
Wenn wir die Gesetze eines kapitalistischen Staates heute betrachten, dann beschäftigt sich der größte Teil dieser Gesetze mit dem Schutz des Eigentums (und seiner Vermehrung). Auch die militärische Macht einer Nation dient heute vor allem diesem Zweck. Als der ehemalige deutsche Bundespräsident Köhler diese Tatsache aussprach, war die (gespielte?) Entrüstung groß.

Horst Köhler Bundespräsident AD:

"Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen."
Untersucht man genauer die Gründe hinter den Kriegen und Militäreinsätzen der bestimmenden Industrienationen, so wird man sich schwer tun andere Begründungen zu finden. Die „Verteidigung der Freiheit und der Demokratie“ zumindest fällen einem gewiss nicht als erstes ein.

Das neu gewonnene Recht auf Eigentum und seine ungehemmte Vermehrung sicherte ab dem 19. Jahrhundert einem kleinen Teil des Bürgertums den zentralen Aspekt von Ausbeutung und Bereicherung für sich in Beschlag zu nehmen; „Aus Geld mehr Geld machen“. Der Kapitalismus war geboren.

Natürlich hatte James Madison recht, wirkliche Demokratie bedingt die möglichst gerechte und effiziente Verteilung der Güter nach dem Bedarf und dem Allgemeinwohl.

David Graeber hat kürzlich die These in den Raum gestellt, dass Kommunismus nichts anderes ist als das Ideal einer gerechten und effizienten Verteilung der Güter und Dienstleistungen nach dem Bedarf und dem Allgemeinwohl. Da eine Marktwirtschaft nichts anderes ist, als ein System der Verteilung der Güter und Dienstleistungen, ist sie nichts weiter als eine bestimmte Form dieses Ideal zu erreichen.

Kapitalismus wiederum setzt marktwirtschaftliche Methoden ein und gibt vor das beste System für die effiziente Verteilung zu sein. Falls es so sein sollte wäre das eine Katastrophe, denn es versagt vollkommen in wesentlichen Bestandteilen dieser Aufgabe, ist also ein „besonders schlechter Kommunismus“. Kapitalismus verteilt Güter und Dienstleistungen extrem ungleich und diese Ungleichheit wächst stetig, dafür ist er aber darin besonders effizient.

Die Idee von Lenin und Stalin, dass eine politische Elite bestimmen könnte was Bedarf und wer Bedürftig ist, führte weder zu Gerechtigkeit noch zu Effizienz. Außerdem hatte dieses Experiment auch noch die völlige Abschaffung der Freiheitsrechte zur Folge. Auch diese Idee war also ein extrem schlechter Versuch am Kommunismus.

Leider ist heute im Sprachgebrauch der Kommunismus mit diesem völlig gescheiterten Experiment einer staatlich organisierten Umverteilung verbunden. Warum dies so ist möchte ich mit einem Wunderbaren Zitat von Philip K. Dick erklären:

“The basic tool for the manipulation of reality is the manipulation of words. If you can control the meaning of words, you can control the people who must use them.” Philip K. Dick
Die Bedeutung des Wortes Kommunismus wurde von denen in Beschlag genommen die von einer ungerechten Verteilung der Güter profitierten.

Unsere Realität ist natürlich nicht nur durch das Bestimmt was tatsächlich um uns ist. Unsere Realität wird ebenso von denen bestimmt die über unsere Realität die Entscheidungsgewalt besitzen.

Die Macht unsere Realität zu bestimmen nennt man Propaganda und ihr selbsternannter Erfinder war Edward L. Bernays, ein Neffe von Sigmund Freud. Das gleichnamigen Werk „Propaganda“ (1928) hatte schon Göbbels gelesen und die ersten Passagen dieses Textes sind:

„The conscious and intelligent manipulation of the organized habits and opinions of the masses is an important element in democratic society. Those who manipulate this unseen mechanism of society constitute an invisible government which is the true ruling power of our country. We are governed, our minds are molded, our tastes formed, our ideas suggested, largely by men we have never heard of. This is a logical result of the way in which our democratic society is organized. Vast numbers of human beings must cooperate in this manner if they are to live together as a smoothly functioning society.

Our invisible governors are, in many cases, unaware of the identity of their fellow members in the inner cabinet. They govern us by their qualities of natural leadership, their ability to supply needed ideas and by their key position in the social structure. Whatever attitude one chooses to take toward this condition, it remains a fact that in almost every act of our daily lives, whether in the sphere of politics or business, in our social conduct or our ethical thinking, we are dominated by the relatively small number of persons—a trifling fraction of our hundred and twenty million—who understand the mental processes and social patterns of the masses. It is they who pull the wires which control the public mind, who harness old social forces and contrive new ways to bind and guide the world.“
Wer die Macht über Propaganda hat bestimmt also "welche Bücher wir in unser Gefängnis gereicht bekommen". In einem kapitalistischen System, kann derjenige über diese Macht verfügen, der in der Lage ist ein milliardenschweres PR-Budget aufzubringen (PR= ein anderer Name für Propaganda). Die Dienstleister für die Umsetzung der Manipulation sind bekannt.



Um eine Utopie zu Entwickeln muss man sich also nicht nur über das Erheben was man bisher für möglich hielt sondern eine neue Sprache für diese neuen Möglichkeiten finden die nicht die Assoziationen hervorruft die in unserem Köpfen festgeschrieben wurden. Sei es durch die Art wie wir unser Denken selbst beschränken oder durch die Macht der Propaganda.

Eine Utopie muss das bisher gewesene zu Gänze in Frage Stellen und darf nicht die Fehler der Vergangenheit in eine neue Form gießen

Manifest gegen Politik (David Graeber)

Der Begriff der "Politik setzt einen Staat oder einen Regierungsapparat vorraus, der seinen Willen anderen Aufzwängt. "Politik" ist die Negation der Staatskunst, Politik wird per Definitionem von einer Art Elite zusammengebastelt, die glaubt, sie wisse besser als andere, wir ihre Angelegenheiten zu erledigen seien. Wenn man an politischen Debatten teilnimmt kann man höchstens Schadensbegrenzung erreichen, da bereits die blose Prämisse dem Gedanken abträglich ist, Menschen könnten ihre Angelegenheiten selber regeln."


Bloggerkollege Feynsinn hat sich gestern in einer Skizze einer Utopie versucht. Der Versuch ist Mutig und Begrüßenswert.

Leider aber bewegt er sich in den Kreisen seines geistigen Gefängnisses und wünscht sich neue Bücher in seiner alten Zelle. In seinem Modell wird weder der Staat noch seine Macht in Frage gestellt. Der Bewohner seines Staates teilt diese Zelle. Wie denn die Verteilung der Güter und Dienstleistungen nach Bedarf und Gemeinwohl geschehen soll bleibt offen.

Offenbar bestimmt auch in diesem Modell eine „Politik“ diesen Staat. Es wird einige geben (eine Elite) die sich herausnehmen über das Schicksal des Einzelnen zu bestimmen. Die Herrschaft der Wenigen über die Vielen bleibt. Egal wie demokratisch diese Eliten bestimmt werden, aus Ihnen wird sich eine neu korrupte Schicht von Herrschenden bilden.

Sein Modell sieht in den Bürgern implizit eine Gefahr. Freiheit und Eigentum müssen beschränkt werden da wir als Menschen nicht Verantwortungsvoll damit umgehen können.

Die gescheiterten Modelle haben diese Eigenschaften mit Feynsinns Modell gemein. Das politische Individuum ist in diesen Modellen ein unmündiges Kind und muss so behandelt werden. Diese Auffassung teilt er mit den Apologeten des Kapitalismus und den Betonköpfen des Stalinismus.

Menschen werden Verantwortlich handeln wenn sie die Verantwortung haben.
Sie werden aufhören wie Kinder zu sein wenn wir ihnen das Recht zugestehen erwachsen zu werden.


„Wir sind überzeugt, dass Freiheit ohne Sozialismus Privilegienwirtschaft und Ungerechtigkeit, und Sozialismus ohne Freiheit Sklaverei und Brutalität bedeutet“ (Michail Bakunin)
Diese Aussage Bakunins kann man wohl als Bewiesen ansehen.

Ein utopisches Modell, das ich anerkenne, muss nicht nur die Möglichkeit beinhalten zu Entscheiden „Wie“ wir regiert werden wollen, sondern auch „Ob“ wir regiert werden wollen!

Es muss beinhalten wie wir das archaische System des Nationalstaates hinter uns lassen können.
Es muss uns eine Welt ohne Grenzen und Ausgrenzung ermöglichen.
Es muss für kommende Generationen eine lebenswertere Welt garantieren als wir sie heute haben.
Es muss Freiheit und Kommunismus in gleicher Weise umsetzen.
Es muss das Prinzip der Herrschaft von Menschen über Menschen überwinden.

Sonst wird sich in Wirklichkeit nichts geändert haben.

Ein Buch, das von der Welt ausserhalb unserer Zelle erzählt und mit jedem Satz neue Fenster nach draussen öffnet ist "The Memory Bank" von Keith Hart:

Er beschreibt nicht nur sehr klarsichtig unsere Welt sondern entwirft eine inspirierende Utopie.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Right in two

I have seen some of me fellow bloggers posting some lyrics of their favorite bands. Its a very personal thing to do and might be used to analyse the person behind the blog.

Anyway, today I just go for it. If there is one song, that I not only consider one of my favorites but also expresses in poetic form the thoughts I would like this blog to convey; its this one:






Tool: Right in two 

Angels on the sideline,
Puzzled and amused.
Why did Father give these humans free will?
Now they're all confused.

Don't these talking monkeys know that
Eden has enough to go around?
Plenty in this holy garden, silly old monkeys,
Where there's one you're bound to divide it

Right in two

Angels on the sideline,
Baffled and confused.
Father blessed them all with reason.
And this is what they choose.
(and this is what they choose)

Monkey, killing monkey, killing monkey
Over pieces of the ground.
Silly monkeys give them thumbs,
They forge a blade,
And when there's one they're bound to divide it,

Right in two.
Right in two.

Monkey, killing monkey, killing monkey
Over pieces of the ground.
Silly monkeys give them thumbs,
They make a club
And beat their brother... down.
How they survived so misguided is a mystery.
Repugnant is a creature who would squander the ability
to lift an eye to heaven conscious of his fleeting time here

Gotta divide it all right in two (x4)

They fight, till they die
Over earth, over sky
They fight, over life,
Over brawn, over air and light,
Over love, over sun. Over blood
They fight till they die over words, polarizing.

Angels on the sideline again
Benched along with patience and reason
Angels on the sideline again
Wondering when this tug of war will end

Gotta divide it all right in two (x3)
Right in two

Right in two...


Just in case you wonder about the "religious" subcontext, I would like to add that Tool (or Maynard James Keenan) are all but (openly) religious, but use the angels perspective in this song to be able to express their thoughts about humanity from an outsiders perspective (just like I use the aliens perspective in this blog).

Keenan has never (ony in an april fools prank) commented about his or any religion. The fact that he carried a business card stating he was "Jesus H. Christ" says something about what he thinks about worship, being it about gods or rock stars. (I can very much relate).

If there is a message that he has tried to get out in all of his projects, it is that people should not let themselfs be manipulated but find their own truth by opening their eyes and minds and getting themselfs informed.

See another of my favorites: Pet, by Perfect Circe that contains one of the best verses ever in any song lyrics:

"Swayin' to the rhythm of the new world order and
Counting bodies like sheep to the rhythm of the war drums."

Montag, 3. Dezember 2012

Discrimination of Youth

For new Readers: I have posted several articles  (in german) on what I consider to be a widespread discrimination of youth. Our civilisations are waging a war against youth, we can see that from spain to egypt. Young people are forcefully kept out of participating in society and have their future stolen by the rich old men.


I also think, what lies in the future will not only be a class struggle but will also be the most vicious conflict between generations ever. It seems I am not alone with this theory.


On TruthDig.org, " professor, critic and political theorist Henry A. Giroux talks about a subject in which he’s become expert: the systematic ways that governments across the globe visit violence on young people."

Montag, 26. November 2012

Was Ökonomen noch nie über Wachstum wissen wollten

... und auch nie zu Fragen getraut haben.

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade des Wirtschaftswurms zum Thema Grenzen des Wachstums.

Wachstum ist ein positiv besetzter Begriff. Er trägt das Versprechen vom Grünen und Blühen in sich. Wachstum wird gleichgesetzt mit Wohlstand und Fortschritt. Kritiker des Wachstums befinden sich dadurch in einer schlechten Ausgangsposition um ihre Argumente vorzubringen. Hat uns nicht Wachstum all diese Errungenschaften unserer Zivilisation beschert, die unser Leben lebenswert machen? Wie kann ein Wachstumskritiker dies nur in Frage stellen?

Wer Wachstum kritisiert muss also eine Hürde des Missverständnisses überwinden bevor er überhaupt anfangen kann seine Argumente vorzubringen. Diese Einstiegshürde in die Diskussion verwehrt der Wachstumskritik den Zugang zur öffentlichen Meinung und die Meinungshoheit im öffentlichen Raum hat der Wachstumsjünger.

Wachstumskritiker sind „Untergangspropheten“ und „Schwarzseher“, ihre Ausführungen zeitraubend und mühsam. Das Buch „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome wurde von weit weniger Menschen gelesen als es angegriffen und kritisiert wurde.

Der Wachstumsjünger muss nicht erklären was er unter Wachstum versteht. In einer Diskussion wird niemals festgelegt für was der Begriff in seinen Augen steht. Das Wohlwollen des Zuhörers ist ihm von vorneherein sicher. Der Kritiker ist zu langen Ausführungen gezwungen bevor er überhaupt seine Argumente vorbringen kann.

Was wir Kritiker aber verlangen, ist, dass die unangenehmen Fragen gestellt werden die sich die Ökonomen oder Wirtschaftspolitiker offenbar nicht stellen wollen.

Von was für einem Wachstum sprechen wir überhaupt?
Wer profitiert vom Wachstum wirklich, leiden auch Menschen unter dem Wachstum?
Gibt es einen Preis des Wachstums und sind wir bereit ihn zu Bezahlen?
Wie funktioniert Wachstum aus der Sicht der Ökonomen, wo sind ihre blinden Flecken?

Diese Fragen sind meiner Meinung nach berechtigt und von ungeheurer Tragweite für unsere Gesellschaft.

Es gibt seit geraumer Zeit offenbar keinen Zusammenhang mehr zwischen gemessenen Wachstum und Wohlstandszuwachs in hochindustrialisierten Ländern wie Deutschland oder den USA.

Der Produktivitätszuwachs kommt seit über 20 Jahren nur noch wenigen zugute. Anscheinend kam es zu entscheidenden Änderungen seit dieser Zeit, die die Auswirkungen des Wachstums auf die Gesellschaft betreffen.

Die negativen Auswirkungen des Wachstums allerdings, müssen von allen getragen werden. Die Verursacher von Umweltschäden oder Klimaerwärmung sind schwer zu ermitteln und oft nicht mehr greifbar, die Auswirkungen bekommen alle zu spüren.

Im Namen des Wachstums sind wir bereit immer fragwürdigere Energiequellen anzuzapfen um den Energiehunger zu Stillen der aus dem Wachstum erfolgt. Fracking und Tiefsee-Ölplattformen verursachen stetig neue Rekorde der Umweltzerstörung, dennoch werden die Wachstumsversprechen der Wirtschaftsprognosen meist nicht erfüllt, die Profitprognosen der Ölindustrie aber durchaus.

Die Krisen der Finanzwelt, der der Löwenanteil an den Profiten des Wachstums der letzten Jahrzehnte zugute kam, konnten von den Ökonomen und Wachstumsjüngern nicht vorhergesagt werden. Die Kosten der Krise tragen genau die Steuerzahler und die Bezieher von Sozialleistungen, die bestimmt keine Vermögensgewinne in den letzten Jahren erzielt haben.

Einen Zusammenhang zwischen dem Wachstum und dem Vermögenszuwachs weniger sehr reicher Individuen ist dagegen durchaus zu erkennen. Sie sind es die offensichtlich Profitiert haben vom Wachstum der letzten Jahre.

Was also ist gemeint mit einer Politik die alles daransetzt neues Wachstum zu generieren?

Ist damit gemeint, dass wir weiterhin die Ressourcen unserer Erde verschwenden, damit einige wenige profitieren aber alle die langfristigen Kosten tragen müssen?

Ist damit gemeint, dass Ungerechtigkeit weiter wächst? Oder die Umweltzerstörung? Oder die Konten in Steueroasen?

Wachstumskritiker wollen diese Fragen klären bevor sie mit einer fertigen Politik im Namen des Wachstums konfrontiert werden.

Wachstum wurde in jüngster Vergangenheit gleichbedeutend mit Ausbeutung. Stellt man die Frage nach den Grenzen des Wachstums mit dem Begriff der hinter dem Wachstum verborgen ist, wird klar was Wachstumskritiker umtreibt.

Frage: Gibt es Grenzen der Ausbeutung?
Antwort: Ja, und hoffentlich haben wir diese bald erreicht!

Unendliches Wachstum/Ausbeutung klingt dann wie eine Drohung und nicht wie die Verheißung als die sie uns verkauft wurde.

Man stelle sich bei jeder Erwähnung des Wortes Wachstum an dessen Stelle das Wort Ausbeutung vor und plötzlich erlebt man Wirtschaftsminister Rösler ganz neu.

Ich habe in Rahmen dieses Blogs eine neue Definition vorgeschlagen die Wachstum so definiert, dass ich mit einer echten Wachstumspolitik einverstanden wäre. Ich würde gerne eine offene Diskussion mit Ökonomen über das Wachstum führen. Vielleicht fühlt sich ja irgendein Ökonom der den Wirtschaftswurm verfolgt dazu berufen sich diesen Fragen ehrlich zu stellen.

Dienstag, 23. Oktober 2012

The farmland analogon

Growth is a complex matter. Its measurement as GDP gain has given reason for debate as we now see that GDP gain alone will not define a society’s wellbeing. Herman Daly, growth critic for decades, has summarized the fallacies of growth on the casse website (second part).
Criticism of GDP growth can be summarized in the following arguments:
  • To have more is certainly not beneficial if we already have enough. There is no use in having more washing machines if everybody owns one already.
  • The measurement of the GDP in currency falsely implies a decoupling from physical realities, while money supply might be endless, our world is not. Production needs the physical reality. There is only so much land to grow food on.
  • The future costs of growth are not calculated into the GDP. The total benfits of growth can be smaller than its costs. Waste, pollution, etc. could bind more productivity over time than is gained by wasteful production.
  • Consumption of resources and common goods is counted as growth (income) even if nothing was produced but money. (Cutting down a Forest is growth, depleting fishing grounds is growth, burning oil is growth etc.).
  • Production and services that do not enter the market do not add to the GDP. The people in a rural society producing their own food, the practitioners of the new urban gardening trend or people that help somomebody out of friendship or kinship do not add to the GDP growth even if they produce essential goods and services for the survival of their society.
Growth had its benefits for society in the past, this is not even disputed by growth critics, but to ignore the above "headwinds" of growth is a certain path to ruin and destruction.

These arguments above give rise to the most important questions everybody has to ask himself and the leaders he has chosen:
  • How did we grow in the past?
  • Can we grow this way forever?
  • Are there other ways for growth?
  • Do we need growth in the future?
  • What growth do we need, if any?
  • Who will benefit from future growth who will suffer from it?

Above fallacies of growth and open questions can be formulated as one central question:

Is our (growth capitalist) society so dependent on unsustainable growth that it will collapse if growth comes to its inevitable end?

All these open questions about growth will define our future first and foremost. As long as these questions are not answered all other discussions are moot. How we answer those questions, will affect every aspect of our life.

And yet, the economic and political leaders and our media are stonewalling this discussion. Growth economics are presented as the only possible alternative for our society to thrive.

Behind these false assumption lies the neoliberal ideology. Its mantras are: Growth is the answer to all problems of society, growth goes on forever, the invisible hand of the market will always ensure growth by inspiring innovations that deal with any obstacle to growth.

These assumptions can be falsified easily by numerous scientific studies, basic math or physics and by common sense. This does not impress our leaders at all. The growth doctrine is followed with fanatic fervor.

In the last post I presented a anthropological analysis of the findings of Robert J. Gordon. It might have helped to understand why growth had happened, and what forces drove it. I also tried to explain again why endless growth is impossible and that there is evidence that the end of growth has been reached.

Also, based on the analysis of Robert Gordons findings, I would put forward a systematic flaw in the capitalist growth economy. Growth in a capitalist system steers itself into situation where the friction between the state, the people and the capitalists interests must increase from the moment that growth can no longer keep up with capital gains (the increase of private capital by interests).

I will try to summarize my understanding of growth and to illustrate the inherent flaws of capitalist growth economy in an analogon.

The Farmland Analogon

For this analogon let us picture our society as a small village settling on a little Island. The villagers represent the society or the "state" in my analogon. The reasons for growth to happen, as described by Robert Gordon, were the industrial revolutions happening in our past.

In my analogon of the village, this is represented by the villagers reclaiming farmland on which to grow new crops. Let us say the farmers found a new well in an arid corner of the island. (Science and technology and the evolution of society open the possibility for an industrial revolution.)

Reclaiming this farmland (initiating the industrial revolution) can only be achieved by the villagers (the state) as it does not immediately produce returns (and thus is of no immediate interest to "the market"), but only opens the possibility to do so in the future. All hands have to invest work (taxes) to make the land arable.

To get returns, anybody who wants to produce on this new farmland has to have seeds to sow, and the ability to plow the field and harvest the crop.

In my analogon the seeds represent the investment that has to be made, by investors, banks or the state using "surplus from earlier harvests".

To sow and harvest the village will have to find somebody or something to do the work (The farmers, the work force of the population).

They would also need water and minerals for the crops to grow (resources like oil, ores, etc.). Without it the new farmland can’t produce yields at all.

If the village has all those things, the success of the undertaking is determined by the efficiency with which the workload is handled. It’s measured in the productivity they have invested in relation to the products returned per worker (unit labour cost).

"Governments will always play a huge part in solving big problems. They set public policy and are uniquely able to provide the resources to make sure solutions reach everyone who needs them. They also fund basic research, which is a crucial component of the innovation that improves life for everyone." Bill Gates

How market forces drive innovation (or not)

In any society, be they "capitalist" or "socialist", these steps are the same. Market mechanisms did not come into play so far. The "market forces" and the "invisible hand" make their entry when the efficiency with which the claimed new marked is exploited is determined. (increasing production per worker).

If the village has a capitalist system the "market forces" will drive the invention of new machines for more efficient plowing and harvesting or an entrepreneur might invent new ways to enhance the harvest. (Fertilizers, Pesticides etc.). In a state socialist system this might take longer as the motivations for finding new efficient ways for production are lower.

But there are restrictions. The  farmland is of a certain size that can’t be expanded and it will need water, sun and minerals to produce crops. This represents the natural boundaries of earth and the fact that resources are limited and efficiency can not exceed a maximum. So efficiency will rise steeply at first but to be more efficient will get harder with time.

Please refer to Stefan L. Eichner if you would like to know more about market forces, innovation and growth:

Thanks to S. L. Eichner for his great work explaining the
mechanisms of growth and innovation in market driven economies
(http://stefanleichnersblog.blogspot.de/)


In the long run the villagers will have optimized all ways of producing crops on this newly claimed farmland. Production will not rise anymore but stay constant, provided I have enough farmers, water and minerals and my climate is stable. (market saturation is reached)

In the end, the field will only provide the village with the same amount of crops every year if they can somehow sustainably supply all the factors that are needed.

In our current economy, the "water" we use is oil. We are taking it from a finite resource. If the villages new found well runs dry the crops will wither and die no matter how many farmers they use to plow or harvest.

To rely on the market will not help if your production depends on finite ressources. Increasing efficiency will not fight the drought or "invent" new water.

(For explanations see my posts about the limits of growth due to finite ressources here, german only, or this one about the problems with compensating for peak oil, in english).

Even if the ressources are in endless supply the invisible hand will slow progress because it is attached to the arm of capitalism.

Why capitalism impedes innovation and growth:

When the end of growth is reached (either way) it depends very much on how the village has organized itself as a society. In western capitalist societies this land is now surely owned by some landlord. (The owner of the means of production and large capital, the capitalist in the classic sense).

Source: H.Genreith, Dead Man Walking Model (german)
This landlord is by now accustomed to the fact that his share of the yields grows every year (by the exponential effects of interest) and he thinks that this will go on forever (because he can’t see why not or does not care). His firm believe is, that he is entitled to an ever increasing share of the harvest. Many years growth only ensured the rise of his share and finally got to be the only reason why growth was needed (see here or here for scientific arguments for this development, german only).

To satisfy his greed the workers share will finally decline every year that growth did not keep up with the landlords demands (or they are laid off and less workers work overtime). The village that is raising taxes from all the workers (not the landlord) is getting poorer despite the successes of raising production for years and being the power that made reclaiming the field possible, while the landlord accumulates riches. (The neoliberal growth capitalist ideology holds to the myth that low taxation, especially low taxation of the very wealthy is benefitial to growth, this is untrue as this study shows.)

Due to the dropping taxes the impoverished village is no longer able to afford to send out a geologist (scientist) to search for a new well, even if the well should fall dry. If the village did not find a well then now it might be too late. Also, finding the next well will be harder and will proabably provide less possibilities for new growth. (productivity growth was less for every cycle of industrial revolution.)

The landlord though is not at all interested in a new patch of land reclaimed or a new well found.This new field would belong to some other landlord and his profits and power would decline. Instead he raises productivity by carelessly endangering future yields. I.e. as the soils minerals are depleted he uses lime that will bring him more yields for some time but ruin the field for years to come.

In the real world "lime" stands for the harmful byproducts of growth that last longer than its short term benefits, like fracking waste, CO2 production, radioactive waste, etc. described by Gordon as the "downwind" of growth or by Herman Daly as uneconomic growth.

Source: CASSE (steadystate.org)


It is obious today, that unchecked, the growth capitalist system will not work to the benefit of mankind. Instead of heeding the warnigs of a climate collapse and investing into renewable energy, established giants in the (i.e. oil) industry intensivate production (fracking etc.) and increase the tremendous overshoot allready existing.

These big (i.e. big oil) players in the market use their considerate power to impede the development of alternative renewable energy sources. Meanwhile oils spills, toxic waste, radioactive waste, CO2 emissions etc. will bind future productivity in an ever increasing amount, denying future generations the benefits of growth or even the standard of living we have today.

Whenever a societies consumption is higher than its carrying capacity (overshoot),
 it reacts with intensivation that decreases the future carrying capacity.
(Marvin Harris,Orna Johnson, cultural anthropology)


In the end something happens that everybody thought would never happen again when the new field was reclaimed. The harvests decline and can no longer feed the grown population. Most people might still be better off as before the new well was discovered but now they are used to a higher standard of living and are getting angry, but some even might be facing starvation and get desperate.

Here the analogon ends. How the populace of the village reacts is random and we will see what the future will bring.