Mittwoch, 17. August 2011

Sensationelle Ölfunde?

In den letzten Tagen überschlagen sich die Medien in Superlativen über die Ausmaße der Ölfunde in Norwegen. "Gigantisch" meldet die Süddeutsche, "Mega Ölfeld" die Welt, "Riesig" der Spiegel und der Focus.

Es handelt sich um ein Feld von der Größe von angeblich 500 Millionen bis 1,2 Milliarden Barrel Öl-Äquivalent (Boe). Hurra, wir sind gerettet, Peak Oil ist abgewendet, die Katastrophe verschoben!

Wüsste ich nicht, dass Journalisten notorisch schwach in  Mathematik sind, Ich könnte meinen Blog dicht machen.

ich habe aber mehreren "elite" Journalistenschülern der Münchner Journalistenschule Nachhilfe in Mathematik gegeben und weiß wie es mit deren Mathematikkenntnissen bestellt ist. Nämlich ungefähr so wie mit meiner Rechtschreibung, also Katastrophal.

Schauen wir uns mal die Zahlen genauer an: Die weltweiten Ölvorräte bewegen sich in einer Größenordnung von 1000 Milliarden Barrel. Eine Milliarde mehr oder weniger verschwindet im statistischen Rauschen.

Täglich verbrauchen wir Weltweit 86 Millionen Barrel Öl. 1,2 Milliarden Barrel Erdöl verbrauchen wir also in ca 14 Tagen.

Interessant dabei, dass ein Ölfund wie dieser so durch die Presse hochgespielt wird. Seine Bedeutung ist offensichtlich gering, aber das Medienecho gewaltig. Der Verdacht auf Kampagnenjournalismus liegt nahe.

Machen wir uns also nichts vor, hinter einer Nachricht wie dieser steht letztenendes eine große PR Agentur die im Auftrag von Konzernen arbeitet. In diesem Fall sind es vielleicht die Ölkonzerne (Statoil) oder andere "Mächte" die einer Panik an den Rohstoffmärkten seit geraumer Zeit erfolgreich entgegenarbeiten.

Mein Schluss ist: Es muss sehr schlecht bestellt sein um die Suche nach neuen Ölfeldern. Mit dieser Nachricht hausieren gehen zu wollen ist erbärmlich. Falls Ölfelder in einer Größenordnung erschlossen und gefunden werden die uns weiterhilft, müssten wir wöchentlich solche Meldungen in der Zeitung lesen können.  Sie wären dann dort untergebracht wo sie hingehören, irgendwo unter den Kurzmeldungen im Wirtschaftsteil.

Kommentare:

  1. Vielen Dank fuer diese sehr hilfreiche Kalibrierung des Daumens!

    Gruesse

    Georg Trappe

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  2. Danke, ich hatte überlegt dazu auch einen Beitrag zu posten.
    Die Mühe kann ich mir jetzt sparen. ;-)

    Nebenbei: Schön, daß es hier weitergeht! :-)

    Ich habe den Blog erst vor ein paar Wochen entdeckt und fand es sehr schade, daß er scheinbar nicht mehr weitergeführt wird.

    Schön, daß ich mich da geirrt habe. :-)

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  3. Dabei zu beachten: Es handelt sich um einen größeren Fund vor unserer "Haustür". Da wird naturgemäß ausführlicher berichtet.

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  4. @anonym auch bei einem Fund vor unserer Haustüre würde es zur Pflicht eines Journalisten gehören den Leser über die größe des Fundes sachlich zu informieren.

    Das die Zahlen ohne Relation zum Verbrauch oder zum Bestand genannt wurden, ist hier eine sträfliche und wahrscheinlich absichtliche Unterlassung.

    Ich hatte tatsächlich kurz darauf ein Gespräch mit meinem Vermieter. Ich wies ihn darauf hin, das unsere Ölrechnung sehr hoch und eine Investition in Wärmedämmung (ü.ä.) notwendig wäre. Auch deshalb weil der Ölpreis mittelfristig ansteigen wird.

    Er wies mich darauf hin, dass das Öl keineswegs knapp sei, da man doch in der Zeitung von dem Sensationellen Ölfund in Norwegen lesen konnte.

    das nenne Erfolgreiche Manipulation der Öffentlichkeit.

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