Donnerstag, 28. April 2011

Greise und Jugend

Die Angst der Greise

Angesichts der medialen Debatte um die Gewalt von Jugendlichen in Berlin wird mein Post über die Diskriminierung Jugendlicher im Nachhinein plötzlich hoch aktuell.

Schon wird von allerlei ängstlichen Greisen nach mehr Härte gegen jugendliche Gewalttäter gerufen. Wieder meldet sich Herr Pfeiffer zu Wort und kritisiert die "Haftverschonung" der Täter. Mich wundert, dass die Killerspieledebatte nicht ebenfalls wieder hochkocht.

Die Diskussion findet natürlich wieder ohne Beteiligung von Jugendlichen statt. Mit selbstgerechter Arroganz diskutieren die greisen Herren über Haftstrafen, Untersuchungshaft und Warnschussarrest.

Die Angst vor der Gewalt wird geschürt obwohl die Gewalt eigentlich rückläufig ist. Diskutanten im Forum der Zeit (ebenfalls beherrscht von Greisen) rufen nach dem Recht zum Tragen von Schusswaffen für ihre Selbstverteidigung und beschimpfen Junge Menschen als faul, gewalttätig und verwahrlost. Am liebsten, so hat man das Gefühl, würden viele eine ganze Generation gerne hinter Gittern sehen.

Vor einigen Jahren wurde in einigen Gemeinden der Schweiz eine Ausgangssperre für Jugendliche ab 22 Uhr verhängt. Ob die Herren Schünemann und Pfeiffer dies auch für Deutschland fordern werden bleibt abzuwarten. (Ich gebe zu, Herr Schünemann ist nur ein gefühlter Greis, da er sich seiner greisen Wählerschaft so gerne anbiedert..)

Was würden wir sagen wenn diese Form medialer Aggression sich gegen eine Minderheit, z.B. jüdische oder türkische Mitbürger oder gegen alte Menschen richten würde?


Ein respektvoller Umgang mit der Jugend

Das Beispiel der Rütli Schule in Berlin Neukölln zeigt was ein respektvoller Umgang mit Jugendlichen erreichen kann. Dazu muss es aber unserer Gesellschaft auch etwas Wert sein in die Erziehung der Kinder und Jugendlichen zu investieren.

In meinen vorherigen Post habe ich mich gegen Disziplin und Fleiß als Werte in unserem Schulsystem geäussert. Da bei uns in Deutschland Umfragen zeigen, dass die Vermittlung dieser Werte auch von vielen Eltern gefordert wird, stelle ich mich hier wiedereinmal gegen die vorherrschende Meinung und muss deshalb weiter ausholen.

Fleiß und Disziplin werden bei uns immer noch als Vorraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg ins Arbeitsleben gesehen. Dies geht meiner Ansicht nach vollständig an der Realität vorbei. In meinem Berufsleben sind Teamfähigkeit, Kreativität, Wissbegierde, Kommunikationsfähigkeit und Flexibilität gefordert. Nichts von alldem wurde mir in der Schule vermittelt. Tatsächlich sind diese Eigenschaften in einer Schullaufbahn eher hinderlich.

Disziplin?

Disziplin wird bei uns verstanden als die Unterordnung unter die Autorität einer einzigen Führungsperson, dem Lehrer, und einer staatlichen Instanz, der Schule. Diese Autoritäten dürfen nicht in Frage gestellt werden und das aufbegehren gegen sie wird hart bestraft. Die Möglichkeiten der Mitwirkung sind gleich Null.

Diese Form der Disziplin brauchen wir weder in modernen Unternehmen noch in unserem Staat. Wir brauchen eine zugleich offenere als auch strengere Form der Disziplin. Wir benötigen ein Bewusstsein, dass man sich einem Konsens oder einem demokratischen Kompromiss in einer Gruppe, Klasse oder einem Team unterwirft von dem möglichst alle profitieren.

Anstatt stiller Unterwürfigkeit vor der Autorität des Lehrers müssen wir bei Schülern das Bewusstsein fördern, dass das eigene Verhalten in der Klasse die Leistungsfähigeit aller Mitschüler beeinflusst. Schüler sollten nicht aufmerksam sein weil es der Lehrer will, sondern weil es dem Lernen der anderen Schüler Förderlich ist.

Diese Form der Disziplin kann nur durch beständige Gruppenarbeit erreicht werden. Die Verantwortung für einen Lernerfolg liegt bei Lehrern und Schülern gemeinsam. Der Unterricht muss die Folge einer Beteiligung der Schüler an der Form und dem Inhalt des Unterrichts sein. Die (Einzel)Interessen, die Schwächen und Stärken und der Wille der Schüler muss Ernst genommen werden.

Disziplin darf keine Folge von Angst sein sondern von eigenem Interesse und der Einsicht, dass eine sozialgemeinschaft Disziplin von individuen benötigt. Wer aus Angst vor Autorität sich scheinbar diszipliniert verhält ist nicht sozialisiert.

Fleiß?

Fleiß sollte in einer Schule eine möglichst untergeordnete Rolle spielen. Fleiß (oder Selbstdisziplin) muss man aufbringen wenn man Dinge lernen soll die man eigentlich nicht lernen will. Manchmal ist das vielleicht unumgänglich meist jedoch sehr ineffizient. Viel wichtiger als Fleiß ist die Lust am Lernen. Wissensdurst hat nichts mit Fleiß zu tun sondern ausschliesslich mit Motivation.

Ich war ein extrem unmotivierter Schüler. Meinen Wissensdursst musst ich abseits der Schule befriedigen. Die knochentrockenen Lehrpläne und die willkürlichkeit der Benotung schafften es mir jegliche Lust am Lernen auszutreiben. Allein aus Angst (wenn überhaupt) lernte ich lateinische Vokabeln, die Angst vor meinem Lateinlehrer verhinderte jedoch ein effizientes Lernen. Ein vollkommen schizophrener Zustand. Ich weiss heute nichts mehr über Latein.

Man muss sich bemühen um jungen Menschen die Lust am Lernen zu verleiden. Unsere Schule hatte in diesem Bemühen bei mir einen großen Erfolg. Schule war für mich psychologische Folter. Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre für immer aufs gesellschaftliche Abseits gestellt worden. Meine Hochschulreife erlangte ich trotz Schule, nicht durch sie.

Während meine Lehrer mir sagten "Du hast nicht das Zeug fürs Abitur" konnte ich kurze Zeit später im Physikstudium Bestnoten aufweisen.

Seit meiner Schulzeit gab es blinden Aktionismus aber kein wirkliches Umdenken. Im Wesentlichen hat sich nichts geändert. Reformen wurden immer nur auf Kosten der Lehrer ausgetragen. Die Ausbildung der Jugend ist uns immer weniger Geld Wert.

In der Psychologie und Pädagogik hat sich in den letzten 100 Jahren einiges getan. Warum ähnelt unser Schulsystem immer noch dem zum Anfang des 20 Jh? Es ist ein einziges Trauerspiel.


Zu Teamfähigkeit, Kreativität, Wissbegierde, Kommunikationsfähigkeit und Flexibilität:

All diese Grundvoraussetzungen für das erfolgreiche Arbeiten in einem Team musste ich mir nach der Schule aneignen. In meiner Branche, der Softwareentwicklung, macht man sich schon seit Jahren Gedanken darüber, wie komplexe Projekte zu Bewältigen sind. Es hat sich gezeigt, dass hierarchische Strukturen nicht in der Lage sind effizient IT Projekte zu meistern.

Statt dessen wurde in der IT ein "Vorgehensmodell" entwickelt das gänzlich auf Hierarchien verzichtet. Die Rede ist vom "extreme Programming". Dieses Vorgehensmodell wurde unter dem Namen SCRUM auch von anderen Branchen übernommen. Im wesentlichen bearbeitet in beiden Modellen ein Team von selbstverantwortlichen Experten gemeinsam ein Projekt in Auftrag eines "Project Owners".

Es gibt keinen "Projektleiter" usw. Die Größe des Teams darf 20 Mitarbeiter nicht überschreiten sonst ist effizientes arbeiten nicht möglich. In Schulklassen glauben wir dagegen mit 35 Schülern einen effizienten Unterricht halten zu können.

Ich habe auch schon in kleinen Handwerksbetrieben gearbeitet. Diese machen sich keine solchen Gedanken über Vorgehensmodelle, gehen aber grundsätzlich genauso vor. Nicht einmal unser Militär ist noch an reinen Befehlempfängern interessiert.

Schlußendlich ist eine Demokratische Gesellschaft auch nur möglich wenn wir Bürger haben die aktiv in ihr Mitgestalten wollen.

Warum schaffen wir es nicht unsere Schule endlich an die Anforderungen in unserem Arbeitsleben anzupassen?

Wenn wir nicht in den Schulen die Teamarbeit fördern wo sonst?

Wenn wir nicht in der Schule die Demokratie leben, wie sollen Schüler Demokratie wertschätzen lernen?

Wer glaubt davon Profitieren zu können, dass der Großteil der Bevölkerung in von Angst bestimmten, stillen Gehorsam lebt?

Bitte Bearbeiten sie diese Denkaufgabe zu Hause. In der nächsten Unterrichtsstunde können wir über ihre Antworten Diskutieren. Viele Dank!

Donnerstag, 21. April 2011

Die Diskriminierung Jugendlicher

Dies ist ein Nachtrag zum vorherigen Post. Eigentlich sollter dies ein Kommentar werden, wurde aber dafür zu lang und zu wichtig.

Ich habe versucht wissenschaftliche Texte zu finden die sich mit der Diskriminierung der Jugendlichen unter 18 Jahren beschäftigen wurde aber nicht fündig. Anscheinend gibt es dieses Thema in der Wissenschaft so gut wie nicht.

Meine Erkenntnis, dass unsere Gesellschaft widersinnigerweise Erwachsene unter 18 Jahren diskriminiert stammt aus einer "ZDF-sonntags" Sendung (mit Gert Scobel) vom 27.2. dieses Jahres. Ein geladener wissenschaftlicher Gast warf dort dieses Argument in die Runde.

Wer sich einmal mit dem Gedanken einer generellen Diskriminierung der Jugend auseinandergesetzt hat kann diese plötzlich überall entdecken, ich persönlich auch in meiner Jugend.

Das ist eine wahre Fundgrube für den Hobbyanthropologen. Gerade das Thema Computerspiele zeigt mit welcher Arroganz wir uns herausnehmen das Leben junger Menschen bestimmen zu wollen.

Wir "Erwachsene" wollen dies natürlich nicht wahr haben. Schliesslich gehören halbstarke Jungs und frühreife Gören zu den wahrscheinlich dümmsten Erscheinungsformen menschlichen Lebens und müssen vor den Auswirkungen dieser Dummheit geschützt werden. (Nichts für ungut mädels und jungs).

Dummheit und Unwissenheit sind (leider) zu Genüge auch bei uns über 18 Jährigen verbreitet und keinerlei Argument diese Personen von einer Mitbestimmung und Teilhabe an der Gesellschaft auszuschliessen. (Auch wenn man sich das heimlich wünscht).

Es trotzdem zu tun ist Diskriminierung in Reinstform. Sie findet in Klassenzimmern aber auch im gesamten öffentlichen Raum statt. Gesetze zum Schutz der Jugend erreichen oft das genaue Gegenteil. Ein Schutz vor dem "Komasaufen" oder den Drogen ist es offensichtlich nicht. Junge Menschen finden immer einen Weg (ich weiss das aus eigener Erfahrung).

Komasaufen wäre ebenso ein Thema gewesen um auf diesen Misstand hinzuweisen, genauso wie Jugendgewalt. Alle diese Erscheinungen können (auch) als Folge der Diskriminierung erklärt werden. Ein Versuch mit noch mehr Entrechtung darauf zu reagieren führt in einen Teufelskreis.

Ich rate allen Lesern nach den Zeichen der Diskriminierung der Jugendlichen Ausschau zu halten und sich den Blick aus der Ferne anzueignen. Ihr werdet sicher fündig.

Letztendlich müssen wir uns dazu durchringen jungen Menschen Selbstbestimmung und Teilhabe zuzugestehen, auch auf die Gefahr hin, dass einzelne junge Menschen evtl. dann zu schaden kommen. Das Lernen ist oft nur möglich wenn man Selbsbestimmt Fehler machen darf. Die Alternative sind potentiell weit verbreitete seelische Schäden (Psychozid) und ein Schaden an unserer Gesellschaft der kaum wieder gut zu machen ist.

Mittwoch, 20. April 2011

Killerspieldebatte, eine Verschwörungstheorie.

Ich weiss, das ist jetzt wieder ein ganz anderer Post als versprochen. Wiedermal gibt es vordergründig keinen aktuellen Bezug. Es geht um die Killerspieldebatte und was wir daraus lernen können.

Die Computerspielindustrie ist hierzulande massiven Angriffen ausgesetzt. Eine unerklärliche Angst vor dem harmlosen Zeitvertreib wird in den Medien geschürt. Warum diese Angst? Wer gewinnt bei der hysterisch von allerlei Innenpolitikern, Hinterbänklern und Pseudowissenachaftlern geführten Killerspieldebatte?

Allen voran Kriminologe Christian Pfeiffer, der einen wahren Kreuzzug gegen die Spielebranche führt. Er warnt vor der "Medienverwahrlosung" und der "Abstumpfung vor Gewalt" und scheut sich nicht Amokläufer und Computerspiele in einen Zusammenhang zu setzen.

Eine ganze Generation wird so Kriminalisiert. Eine eigentliche Wachstumsbranche mit dem Begriff Killerspiele abgeurteilt. Man stelle sich vor in den Parteiprogrammen würde der Satz stehen "Killerautos müssen verboten werden" (was ich bei Geländewägen durchaus für angebracht hielte). Ein Aufschrei der Automobilindustrie wäre die Folge. die Computerspielindustrie Deutschlands, die ohnehin weit hinterherhängt, hat keine Lobby die sich dem entgegensetzen kann.

Politik und Medien sind bei diesem Thema eine enge Allianz eingegangen. Um zu verstehen warum, muss man Analysieren was unsere Medien eigentlich verkaufen.

Ein Zeitschrift oder ein Fernsehsender verkauft Zeit. Die Zeit, die sich ihre Zielgruppe mit diesem Medium beschäftigt. Um so länger der Konsument sich mit dem Medium beschäftigt um so interessanter ist es für ihre Kunden, die Wirtschaft.

Anm: manch einer lebt ja immernoch in der Illusion er wäre als Leser/Zuschauer in der Rolle des Kunden. Gesegnet seien die geistig armen.

Das Medium Computerspiele konkurriert sehr Erfolgreich um die Aufmerksamkeit der begehrtesten Zielgruppe. Mehr als die Hälfte aller Werbebudgets richtet sich an Zielgruppen von 18 und darunter. Gerade junge Menschen sind die Motoren des Konsums und die Konsumenten von Morgen.

Nach Aussage befreundeter Lehrer spielt das Fernsehen oder die Zeitschrift heute bei den Jugendlichen kaum mehr eine Rolle. Dies ist ein ernsthaftes Problem für die Medien, eines das gut dazu führen kann, dass die Medien in dieser Form dem Untergang geweiht sind. Die Politiker sind auf diese Medien angewiesen um ihr Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Alles was sie in die Medien bringt ist ihnen recht. Die Wählergruppen von Union und FDP befinden sich meist im fortgerückten Alter und haben keinen Bezug zu Computerspielen. Eine Feindschaft dazu lässt sich sich gut aus dieser Fremdheit und der Angst vor dem Unbekannten erzeugen.

Ein ideale Interessengemeinschaft zwischen Politik und Medien entsteht. Mann muss kein großer Verschwörungstheoretiker sein um hier den wesentlichen Grund für die Killerspieldebatte zu sehen.

Was aber hat Herr Pfeiffer, Kriminologe und angeblicher Wissenschaftler von seinem Engagement?

Hier muss ich (noch) weiter Ausholen. Herr Pfeiffer gehört zu denen, die im Sinne konservativer, (reaktionärer) Ideologie in der Schule eine Institution sehen, die jungen Menschen "Fleiß und Disziplin" beizubringen hat.

Die Schule ist für Junge Menschen, vor allem pubertierende Jungs, dadurch ein lebensfeindliches Umfeld. Es ist diese Zeit in der sie gegen ihre natürlichen Instinkte zu stillem Gehorsam gezwungen werden, und in der die Computerspiele laut Herrn Pfeiffer eine einnehmende Rolle spielen können.

Junge Menschen (und nicht nur die) die frustriert von ihrer Umwelt sind, können dazu neigen in die Fiktion zu entfliehen. Diese Flucht vor der Gesellschaft in die Fiktion ist nicht nur bei Jugendlichen inzwischen weit verbreitet.

Es ist ein Rückzug vor den widernatürlichen Zwängen und Erwartungen die an junge Menschen von Schule und Gesellschaft gerichtet werden. Zudem bieten Computerspiele einen Raum in der diese bestimmenden Gruppen machtlos sind und sie selbst allmächtig.

Das Menschliche Gehirn ist mit dem Ende der Pubertät voll entwickelt. Es bestehen keinerlei biologische Gründe für die Diskriminierung junger Erwachsener die in unserer Gesellschaft stattfindet. Es ist ein evolutionärer Vorteil der den Menschen in dieser Zeit dazu bringt sich gegen das Bestehende aufzulehnen. Er hilft den Menschen sich schneller an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Sie erinnern sich vielleicht, es gibt in der Anthropologie keinen Unterschied zwischen individueller und gesellschaftlicher Evolution. Dieser Urinstinkt wird in unserer Gesellschaft gewaltsam unterdrückt und damit unsere Fähigkeit uns weiterzuentwickeln gebremst.

Heute kenne wir diese Mechanismen, aber anstatt diese Energie in unserer Gesellschaft zu nutzen, werden Junge Menschen gezwungen sich unterzuordnen. Sie sind weder Wahlberechtigt noch Selbstbestimmt, quasi Rechtlos.

Unsere Gesellschaft presst diese jungen Menschen dadurch in die Gefügigkeit. Nur wer gefügig und angepasst ist hat Anrecht auf einen späteren Arbeitsplatz. Wer sich auflehnt und die "Mitarbeit verweigert" wird rigoros ausgesiebt. Günter Dueck bezeichnet dies als "Beigebrachte Hilflosigkeit" und "Psyschozid".

Hinzu kommt das die Inhalte der Computerspiele diesen Befürfnissen der Auflehnung angepasst sind. Gerade in neuerer Zeit handelt es sich häufig um Dystopien wie "Bioshock" oder "Fallout", in denen faschistoide Kapitalisten die Welt an den Rand des Untergangs gebracht haben. Dies entspricht durchaus den realistischen Zukunftsaussichten junger Menschen, die sich dessen weit mehr bewusst sind als es unsere Mächtigen wahrhaben wollen.

Die in Computerspielen stattfindende Gewalt dient den oben genannten Interessengruppen als Vehikel um ihre jeweiligen Interessen durchzusetzen. Einen Zusammenhang zwischen Gewalt in Computerspielen und Amokläufern herstellen zu wollen ist aber schon statistisch Unsinnig. Fast alle Jugendlichen spielen Computerspiele, die allerwenigsten laufen Amok. Die Faszination der Gewalt ist aber durchaus ein Ausdruck der Auflehnung.

Die Gefahr der Flucht in die Fiktion ist nicht zu leugnen und ein damit verbundenes Absinken der Schulnoten wahrscheinlich ebenso.
Nur, wer trägt die Verantwortung?
Die Fiktion oder die Realität?

Die Ausgrenzung und Diskriminierung junger Menschen mit Amokläufen in Verbindung zu bringen heist aber diese einzugestehen. Diese wahren Gründe für die plötzliche gewalttätige und ziellose Auflehnung junger Menschen gegen ihre Umwelt einzugestehen bedeutet wiederum einen Wandel in unserer Gesellschaft für nötig zu halten.

Da ist es für Herrn Pfeiffer, der im Auftrag unserer Politiker forscht, wesentlich bequemer den Schuldigen in den sogenannten Killerspielen zu sehen.

Edit:
Oft wird angesichts der PISA Studien neidisch nach Schweden, Finnland, Kanada oder Dänemark geblickt. Diese Länder haben sich von Frontalunterricht, großen Schulklassen und vor allem der Diskriminierung von jungen Menschen verabschiedet.

Der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor der Werbeindustrie wird ernst genommen. Werbung für Zielgruppen unter 14 Jahren ist in Schweden oder Kanada verboten. Klassengrössen in Dänemark oder Finnland umfassen eher 10 Kinder statt 30.

Meiner Ansicht nach das Wichtigste: Jungen Menschen wird auf Agenhöhe und mit gegenseitigem Respekt begegnet während bei uns nur einseitig Respekt verlangt wird.

Montag, 18. April 2011

Das System

Es ist äusserst Mühsam heute Wertfrei über unser System zu sprechen. Die benötigten Begriffe sind zu sehr verwässert und von verschiedensten Bedeutungen überlagert. Was ist eigentlich Kapitalismus? Was hat das mit Marktwirtschaft zu tun, und vor allem mit mir?

Sobald man Kritik am Kapitalismus äussert, wird man (in den Augen seiner angeblichen Befürworter oder auch einfach aus Gewohnheit) automatisch zum Sozialist oder Kommunist gestempelt. Ein kritische Haltung dem Kapitalismus gegenüber scheint einzig den Sozialisten und Kommunisten vorbehalten. Was ist denn ein Sozialist? Einer der gegen Kapitalismus ist? Einer aus dem Osten?

Wer gegen den Kapitalismus ist, ist gleichzeitig automatisch gegen die Demokratie, ein Feind des Systems, "nicht Politikfähig". Was hat eigentlich Kapitalismus mit Demokratie zu tun? Muss wohl das gleiche sein, oder nicht?

Wohin gehört man also wenn man weder mit dem Kapitalismus noch dem Sozialismus einverstanden ist? Woran kann man sich halten wenn man nicht wirklich das Gefühl hat mitzureden obwohl man doch in einer sog. Demokratie lebt. Wohin mit dem angestauten Frust über die herrschenden Umstände. Alles ist Scheisse, aber was? Ist das Kapitalismus?

Die meisten dis sich so verordnen verkriechen sich und schliessen mit dem System ab. Eigentlich will man ohnehin so wenig wie möglich mit dem "System" zu tun haben. Es bringt ja doch nichts dagegen anzugehen. Ich geh nicht zur Wahl. Es ändert sich ja doch nichts. Ist das Kapitalismus?

Das "System" aber, es lässt einem keine Ruhe. Wenn ich Arbeit habe nimmt es sich wie selbstverständlich die Hälfte meines Lohns. Machtlos steht man diesem Eingriff gegenüber, kein Nachfragen, keine Bitte, keinen Dank. Ich muss mich sogar selbst darum kümmern die richtige Menge an das System abzugeben. Die Strafen für Fehlverhalten dabei sind drakonisch, weit jenseits des Verhälntisses. Ist das Kapitalismus?

Wehe aber ich habe keine Arbeit, dann mischt es sich in die intimsten Bereiche meines Lebens ein. Es macht mich zum Bittsteller. Es degradiert mich zum 1 Euro Jobber. Es bestimmt ob ich in einer "Bedarfsgemeinschaft" mit meinem Sexualpartner Lebe. Es will Einblick auf mein Konto und sperrt es nach belieben, es will das ich mich abmelde wenn ich verreise. Ist das Kapitalismus?

Am besten geht es mir wenn ich vom Geld lebe. Dann kann ich mich um alle Abgaben drücken. Niemand will wissen was ich tue oder ob ich überhaupt Steuern bezahle. Ungestörter Müssiggang ist nur mit Geld möglich. Viel Geld erkauft mir die Freiheit vor Arbeit und dem System. Es ist scheinbar die ultimative Belohnung. Ist das Kapitalismus?

Schon als Schüler begehrt man das erste mal auf. Frust über das "System" macht sich breit. Die Strafe für das Aufbegehren kommt sofort. "Leistungsverweigerer" werden ganz schnell abserviert. Blos nicht auffallen und stillhalten, dann kommt man vielleicht auch irgendwann zu Geld. Geld wie sie es im Denver Clan haben oder die Popstars. Dann hat man endlich seine Ruhe. Ist das Kapitalismus?

Dann gehen plötzlich die Banken pleite und wieder müssen wir bezahlen während Ackermann sein unverschämtes Grinsen in die Kamera grinst. Gewinne machen die Banken, Verlusste die Gesellschaft. Ist das Kapitalismus?

Ich war schon tausendmal auf der Straße, nichts hat sich geändert. Ich hab mich in der Partei und der Gewerkschaft organisiert, nichts hat sich geändert. Immer gewinnen die Bosse. Ich wähl seit 20 Jahren und immer den Verlierer. Ist das Kapitalismus?

Egal wie viel ich arbeite, der Reichtum ist immer weiter weg. Mein Arbeitgeber verlangt immer mehr, in meinem Geldbeutel bleibt immer weniger. Nachts im Bett klopft mir das Herz bis zum Hals. Stundenlang liege ich wach in Todesangst. Habe ich genug Verkauft? Habe ich morgen noch einen Job? Kann ich den Termin halten? Der Steuerprüfer hat sich angemeldet, was wenn er die gefälschte Rechnug findet? Ich kann mir meinen Zahnersatz nicht mehr leisten, was soll ich nur tun? Ist das Kapitalismus?

Ja in was für einem System leben wir denn? Der Wirrwar ist so groß, das System so verfahren, dass man von ganz Vorne anfangen muss wenn man Kritik üben will. Man müsste alle Begriffe neu erfinden um verstanden zu werden, aber dann versteht einen auch keiner mehr.
In den Talkshows ist das gut zu beobachten. Man kann über nichts so aneinander Vorbeireden wie über das System. Ist das Kapitalismus?

Eigentlich wollte ich in diesem Blog schonmal anfangen die Begriffe festzuzurren, aber es geht ums System also schweife auch ich ab. Ich versuche es beim nächsten Post noch einmal.

Ist "Biosprit" nachhaltig?

In meinem letzten Post erwähnte ich kurz den E10 Treibstoff. Um klar zu machen, wie ein strengerer Nachhaltigkeitsbegriff uns helfen kann unsere Politik sinnvoll zu Gestalten, möchte ich den Sinn und Unsinn von Biosprit kurz aus dem Blickwinkel des Kulturmaterialismus betrachten (aus der Ferne).

Nachhaltigkeit, nach kulturmaterialistischer Definition, ist wenn der Energieverbrauch einer Gesellschaft die Tragfähigkeit ihres Ökosystems nich überschreitet. Die Tragfähigkeit ist das Maximum nachhaltig erzeugter Energie eines Ökosystems. Diese Energie ist die Gesamtmenge nachhaltig erzeugter Energie (z.B. Elektrizität) und erzeugter Nahrung in joule.

Nachhaltigkeit wird heute gerne allein auf die CO2 Bilanz reduziert. Ich will hier nicht darauf eingehen, dass Biosprit auch bei der CO2 Bilanz nicht sehr gut abschneidet, vielmehr ist diese einseitige CO2 Ausrichtung der Nachhaltigkeit schlichtweg falsch.

Die Umwandlung von Nahrungsmittel in Treibstoff, z.B. durch Vergärung zu Alkohol, reduziert die Gesamtmenge der in dem Produkt enthaltenen Energie. Der Weizen der zu Bioethanol vergoren wird, hätte als Mehl einen höhere Energieertrag (als "Treibstoff" für den Menschen).

In der Gesamtbilanz unserer Tragfähigkeit wirkt sich der Biosprit immer negativ aus. Sobald man bei der Energieproduktion mit der Nahrungsproduktion in Konkurrenz tritt, kann es keine Verbesserung der Tragfähigkeit im Sinne des Kulturmaterialismus geben. Im besten Fall, (bei 100% Wirkungsgrad) bleibt die 'Tragfähigkeit gleich.

{
Eine sehr einfache Rechnung dazu:

Die Summe T (Tragfähigkeit) = L (Landwirtschaftsproduktion) + E (Energieproduktion)

Wenn man also eine Menge X Biosprit erzeugt muss man diese aus der Landwirtschaftsproduktion L entnehmen.

Dabei entsteht ein Menge Y an Energieproduktion die immer kleiner als X ist.

aus X > Y folgt:
T1 = L + E > T2 = L - X + E +Y

Die Nachhaltigkeit N = T / V (Verbrauch)
Nachhaltig ist eine Gesellschaft dann wenn N > 1 ist.

Auch wenn wir statt Mineralöl Biomasse verbrauchen, ändert
sich die Menge der Verbrauchten Energie nicht (V bleibt Konstant).

N1 = T1/V ; N2 = T2 /V => N1 > N2 ( aus T1 > T2 );

Da E10 die Reduktion des Flottenverbrauchs zusätzlich verhindert wird der negative Effekt auf die Nachhaltigkeit noch verstärkt.
}
Es kann durchaus sinnvoll sein bei Ernteüberschüssen Biosprit zu erzeugen. Im Mittelalter wurden bis zu 30% der Agrarflächen für den Anbau von Hafer als Pferdefutter genutzt. Der Einsatz der Pferde in der Landwirtschaft wiederum erhöhte den Ertrag der Felder um weit mehr als 30%, führte also auch zu einer Erhöhung der Tragfähigkeit.

Möglicherweise müssen wir in der Landwirtschaft einen gewissen Anteil an Biosprit erzeugen um die Produktion oder unseren Lebensstandard aufrecht zu erhalten.

Deutschland ist im Moment jedoch nicht in der Lage seine eigene Bevölkerung nachhaltig zu Ernähren. Eine Herstellung von Biosprit ist erst dann sinnvoll, wenn wir eine nachhaltige Versorgung mit Nahrungsmitteln gewährleisten können. Biosprit könnte dazu dienen Mobilität zu erhalten wenn er nachhaltig erzeugt würde. In keinem Fall aber steigt die Nachhaltigkeit.

Die Einführung von E10 hat allerdings nichts mit Nachhaltigkeit zu tun.

Hier wird im Gegenteil ein Zugeständnis an die Automobilindustrie gemacht das es dieser erlaubt, trotz EU Bestimmungen zum Flottenverbrauch, den Wahnsinn automobiler Exzesse, wie den Bau von SUVs weiter zu betreiben. Als Nebeneffekt wird zudem die Agrarlobby bedient die höhere Preise für ihre Produkte erzielen kann.

Das Risiko für den Verbraucher aber bleibt. Ein Preissteigerung fand ebenfalls statt. Von einem Ausgleich sozialer, ökonomischer und ökologischer Interessen kann also nicht die Rede sein. Wiederum wurde hier einseitig Politik zu Gunsten von Partikularinteressen gemacht.

E10 Benzin ist damit in jeglicher Hinsicht das Gegenteil von nachhaltiger und sozialer Politik.

Auch "mehr Aufklärung" hilft über die Unfähigkeit dieser Regierung uns auf die Zukunft vorzubereiten keinesfalls hinweg.

Montag, 11. April 2011

Die Nachhaltigkeit in unserer Politik

Die große Frage die sich mir stellt um meine Ankündigung einer Utopie für eine nachhaltige Welt wahr zu machen ist, womit fange ich an? Der Weg in eine nachhaltige Gesellschaft ist in vielerlei Hinsicht trivial bzw. schon längst untersucht und bekannt. Ich will deshalb zunächst Darstellen welche Gedanken sich der Deutsche Bundestag zu diesem Thema in der Vergangenheit gemacht hat.

Der Bundestag setzte um die Jahrtausendwende einige interessante Enquete-Kommissionen ein, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigten.

Die Enquete-Kommission “Globalisierung” (2000 - 2002) unter der Führung von Ernst Ulrich v. Weizäcker (Club of Rome) oder die Enquete Kommission “Schutz des Menschen und der Umwelt” (1998).

Letztere formuliert in ihrem Abschlußbericht folgendes Armutszeugnis unserer Gesellschaft:

Zitat:
Eine ökologisch dominierte Nachhaltigkeitspolitik
wird im gesellschaftlichen Abwägungsprozess immer
dann unterliegen, wenn sich andere Problemlagen als
unmittelbarer, spürbarer und virulenter erweisen und da-
mit auch für politisches Handeln dringlicher und attrak-
tiver sind. Selbst wenn sie sich durchsetzen kann, bleibt
sie ohne Wirkung, denn letztlich dürfte nur eine Politik
der Integration der drei Dimensionen in der Lage sein,
die konzeptionelle Schwäche einer von wirtschaftlichen
und sozialen Fragestellungen isolierten Umweltdiskus-
sion zu überwinden. Ein strategischer Durchbruch, ge-
rade auch für ökologische Anliegen, kann nur gelingen,
wenn Umweltbelange nicht länger einer hochspeziali-
sierten Fachpolitik und -bürokratie zugewiesen werden,
sondern integraler Bestandteil der Gesellschaftspolitik
sind.
Sprich: Ohne eine schwere Krise ist unsere Gesellschaft nicht in der Lage nachhaltig zu Wirtschaften. Folgerichtig wurde ein Umdenken in der Stromerzeugung erst durch die Atomkatastrophe in Fukushima möglich, ob diesem Umdenken auch Taten folgen bleibt abzuwarten.

Die Kommission “Globalisierung” stellt zu dem Thema Nachhaltigkeit dagegen fest:

Eine nachhaltig zukunftsverträgliche Wirtschaft und Ge-
sellschaft lässt sich nicht anhand exakter Kriterien ab-
schließend definieren und im Sinne eines detaillierten
Zielsystems steuern. Grundlage aller Vorgehensweisen
muss vielmehr zukunftsbezogenes Lernen, Suchen nach
entsprechenden Kriterien und der Wille zum Gestalten
sein, – ein Prozess also, der sich durch ein gewisses Maß
an Offenheit und Unsicherheit auszeichnet.”
Ich meine, dass hört sich doch nach einer Empfehlung an, den in diesem Blog vorgestellten Wachstumsbegriff einzuführen.

Natürlich liegen die Abschlußberichte allen Bundestagsabgeordneten vor. In diesen Dokumenten steht schon sehr viel darüber wie man eine Wende zu einer nachhaltigen Gesellschaft vollziehen könnte.

Beispiel:
Empfehlung 7-5 Stärkung des ökologischen
Landbaus und Förderung von nachhaltiger Landwirtschaft
Die Förderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Pro-
duktionsformen muss vorangetrieben werden. Der Stär-
kung der nachhaltigen, standortgerechten Landwirtschaft
in den Entwicklungsländern und weltweit mit ihren Po-
tenzialen zur Verbesserung der Welternährungssituation
gilt dabei besondere Aufmerksamkeit.

Interessant bei dieser Feststellung ist, dass sie genau das Gegenteil der Behauptungen der Agrarindustrie ist, dass nur Gentechnik und Industrielle Landwirtschaft die Welt ernähren kann.

Der Bericht Lohnt sich unter vierlerlei Aspekten zu lesen. Beispielsweise wird dort vor einer Finanzkrise gewarnt und dringend die Einführung einer Transaktionssteuer empfohlen.

Daraus kann man also nur den Schluß ziehen, dass unserer Politik in allen Lagern die Notwendigkeit der Nachhaltigkeit vollkommen bewusst sein muss (Ebenso wie der Kontrolle der Finanzindustrie). Beide Abschlußberichte wurden schliesslich im Bundestag diskutiert. Dennoch wurde genau das Gegenteil von dem Umgesetzt was diese wissenschaftlichen Kommissionen empfohlen haben.

Entschlüsse hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft wurden nicht getroffen. Allein durch die Wirtschaft eingebrachte Vorschläge mit zweifelhaften Nutzen, die zu einer "Belebung des Wachstums" führen sollten wurden verabschiedet.

Beispiele sind das Verbot der Glühbirne oder die Einführung des E10 Benzins. Hier wird auch deutlich, dass auch die Interessen der Bürger bei der Entscheidung für und wieder Maßnahmen zur Nachhaltigkeit keine Rolle spielen.

Weder E10 Super noch das Glühbirnenverbot führen zu mehr Nachhaltigkeit. Zumindest nicht Spürbar. Der Verbrauch von Elektizität für Licht in privaten Haushalten beträgt ca 0,3 % unseres gesamtenergieverbrauchs. Selbst eine Einsparung von 50% führt nicht zu einer wesentlichen Verringerung unseres Energiebedarfs.

Herstellung und Entsorgung der "Energiesparlampen" sind jedoch wesentlich aufwendiger. Diese Aktion ist also eine reine Greenwashing Kampagne die für die Hersteller dieser Leuchtmittel dicke Gewinne verspricht und dem Bürger hohe Kosten für zweifelhafte Produkte aufbürdet.

E10 Benzin ist von fragwürdigen ökologischen Nutzen. Es handelt sich dabei um ein Zugeständnis an die Automobilindustrie. So können weiterhin SUVs von Deutschen Herstellern verkauft werden ohne den CO2 Flottenverbrauch über die von der EU zugelassenen Höchstwerte zu überschreiten.

Beide Maßnahmen werden also von den Bürgern abgelehnt und sind einzig und allein den Partikularinteressen bestimmter Industriezweige von Nutzen.

Anders als in dem Bericht der Enquete Kommission Umweltschutz behauptet scheint es also nicht um die Integration ökologischer, ökonomischer und sozialer Interessen zu gehen. Sobald die wirtschaftlichen Aspekte stimmen ist man auch bereit Gesetze gegen soziale und ökologische Interessen zu verabschieden. Einziges Zugeständnis an soziale Interessen scheint die propagandistische Verwertbarkeit der Beschlüsse zu sein.

Wenn eine Chance besteht, dass man den Bürgern diese Klientelpolitik als scheinbar ökologisch verkaufen kann wird sie auch durch da Parlament gepeitscht. Ein Lichtblick dabei ist, dass anscheinend unsere Gesellschaft nicht mehr bereit ist diese Politik mitzutragen.

Im Endeffekt kann man also zusammenfassen, dass dem Umbau zu einer nachhaltigen Gesellschaft die Profitgier und der Lobbyismus (gerne als "Wirtschaftsinteressen" bezeichnet) entgegen stehen. Totschlagargumente gegen jedwede Gesetzgebung hin zu mehr Nachhaltigkeit sind Kosten, drohende Arbeitslosigkeit und Verschlechterung der "Wettbewerbsfähigkeit".

Alle drei dieser Scheinargumente laufen wieder auf die ideologische Ausrichtung unserer Politik auf ein BIP Wachstum, also auf die Akkumulation von Vermögen, heraus. Eine Nachhaltige Politik muss also an dieser Stelle ansetzen. Folgende Fragen muss man endlich öffentlich erörtern:


  • Ist Nachhaltigkeit mit diesem System Vereinbar?
  • Wenn nein warum nicht?
  • Was können wir tun um das System so zu verändern, dass Nachhaltigkeit möglich wird?
Nicht einmal die Grünen, die Nachhahltigkeit als zentrales Thema ihres Programmes ausweisen, wagen es diese Fragen zu stellen. Zumindest nicht seit dem Austritt der Fundis.

Soziale, ökonomische und ökologische Fragestellungen können wahrhaftig nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Eine alleinige Ausrichtung auf ökonomische Fragestellungen ist die Krankheit an der unsere Gesellschaft sozial leidet und die die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft akut massiv gefährdet.

Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass ein sozialer Umbau stattfinden muss, bevor es einen ökologischen Umbau geben kann.

Nachtrag:
in meinem Post fehlt noch der Hinweis auf die Enquete Kommission Nachhaltige Energieversorgung

In Ihrem Abschlussbericht steht:

(2042) Die Enquete-Kommission sieht mit großer Sorge die ungebremste globale Zunahme der Verbrennung fossiler Brennstoffe und das unzureichende Umsteuern in den Industrieländern, deren heutige Energiesysteme dem Prinzip der Nachhaltigkeit nicht genügen und schon gar nicht global verallgemeinerbar sind.


und weiter ...

(2045) Vor diesem Hintergrund erfordert die Berücksichtigung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen von Nachhaltigkeit das Primat der Politik und – zur Sicherung des Gemeinwohls und der globalen Gemeinschaftsgüter wie z.B. ein stabiles Klimasystem – einen gegenüber Partialinteressen durchsetzungsfähigen Staat. Bei einer auf Interessenausgleich ausgerichteten und im demokratischen Zusammenspiel politischer Interessenvertreter formulierten Politik ist es Aufgabe des Staates, langfristige Entwicklungen und
Ziele des Allgemeinwohls zu berücksichtigen, zu befördern und mit demokratischen Mit-
teln durchzusetzen
Diese Auffassungen kann ich nur Teilen.

Der Reichtum und ich

Das Buffet ist reich gedeckt, genug für all die Gäste die in einer langen Schlange darauf warten sich zu bedienen. Vor mit in der Reihe jedoch steht der Reichtum. Sein Teller quillt über mit den feinsten Delikatessen, gesichtslose Helfer des Reichtums tragen Schüsseln für ihn vom Buffet fort.

Nachdem ich eine weile geduldig zugesehen habe sage ich höflich:
“Ich finde du hast Genug!“.

“Was ich mir nehme habe ich mir verdient!” Sagt der Reichtum.
“Aus deiner Kritik spricht doch nur der Neid und die Missgunst.”

“Neid?” Frage ich.

“Du wirst dich nicht an mich erinnern, aber wir kennen uns, du und ich.”
“Erinnerst du dich, damals, vor 20 Jahren, als wir uns zum ersten mal begegnet sind?

Ich hab mir mein Studium und die Miete für das 12 m2 Zimmer in einer Wohngemeinschaft beim Studentenservice verdient. Damals bin ich einmal bei dir zu Hause gewesen, In der luxusrenovierten 6 Zimmer Altbauwohnung im Lehel mit Blick auf die Isar. Dort hast du alleine gewohnt. Damals hab ich deine Umzugskisten geschleppt, in dein neues, größeres, schwabinger, 8 Zimmer Appartment. Wie bewohnt man eigentlich alleine 8 Zimmer?
Wie waren die 6 Zimmer alleine zu klein geworden?

Beide Wohnungen befanden sich im obersten Stockwerk, ohne Aufzug versteht sich. Du hattest dir eine hübsche Bibliothek einrichten lassen und die 100 Umzugskisten bis oben hin mit deinen ledergebundenen Wälzern vollgepackt, ausgesucht von deiner Innenarchitektin nach der Prägung der Buchrücken nehme ich an. Du konntest es ja nicht wissen, dass eine Kiste dann 50 - 60 Kilo wiegt. Du hast ja noch nie selber mit angepackt.

Ich war kurz vorher umgezogen. Meine Freunde waren gekommen um mir zu helfen. Ich hab keine alten Erbstücke aus massiver Eiche und keine Bibliothek mit ledergebundenen Büchern. Mein Umzug hat 3-4 Stunden gedauert. Danach saßen wir in meiner neuen WG zusammen und haben zusammen gegessen, getrunken und geredet. Wir wohnten in 6 Zimmern zu fünft und es war reichlich Platz.

Du warst alleine mit deinem Umzug. Wo waren denn deine Freunde? Hast du auch Freunde oder hast du nur nützliche Kontakte? An dem Tag zumindest hattest du nur uns Umzugshelfer vom Studentenservice, wir waren nur zu viert und schufteten bis in die Nacht. Jeweils zwei von uns haben abwechselnd einem eine 50 Kilo Kiste auf den Rücken gehoben. Mit gebeugten Rücken hat der dann die Kiste geschleppt. Bevor ich dir begegnet bin musste ich mich nie so viel bücken. Danach hast du uns bezahlt. Für den ganzen Tag so viel wie du wahrscheinlich in ein paar Minuten verdienst. Ich hab mich bedankt. Die Jobs haben sich geändert, das mit dem Bücken ist geblieben.

War ich da Neidisch? Neidisch auf deinen Besitz?
Neidisch auf deine angeberische S-Klasse?
Neidisch auf deine 8 Zimmer Wohnung in Schwabing?

Ich war Jung, Ich fand dich cool. ich dachte: noch bin ich Student, aber in ein paar Jahren, wenn ich mich richtig anstrenge, dann kann ich so werden wie du. Das hast du mir damals auch gesagt. “Leute wie dich kann ich in meiner Unternehmensberatung brauchen” hast du gesagt. Als ob irgend jemand eine Unternehmensberatung brauchen würde.

Ein paar Jahre später hab ich dich im auf einer Reise wieder getroffen. Es war in einer karibische Nacht auf San Lucia, dem Ferienparadies der Superreichen. Ich hab bei einem Freund übernachtet, du hast in deinem “All inclusive Luxus Resorts” für Tausend Dollar die Nacht residiert.

Normalerweise gehst du da nicht raus. Draussen, da sind die Menschen aufdringlich arm. Das sieht deine Frau nicht so gerne. Drinnen da haben die gleichen Menschen hübsche weiße Handschuhe an, bringen dir deine Drinks und bücken sich vor dir. Gefällt dir das?

In Castries einem ehemaligen Piratennest gibt es eine kleine Bar, direkt am Hafen, dem ärmsten Teil der Stadt. Dort werden Joints rumgereicht und laut Reaggea gehört. Eigentlich ist das nur kleiner Holzverschlag mit nem Tresen drum rum, einer Truhe mit Eis und einem CD Spieler.

Da trank ich in dieser Nacht mit Freunden Cuba Libre. Trinkst du auch Cuba Libre? Oder nennst du es “Rum and Coke”? Du nennst ja auch diese Ansammlung von Wellblechhütten “Shantytown”. Da gehst du nichtmal Tagsüber hin.

In dieser Nacht allerdings, da warst du da, mitten drin im Shantytown. Du in deinem hellen Leinenanzug, deine Frau in ihrem Sommerkleidchen und deine zwei Kinder. Was habt ihr da gemacht? Beim Check In haben sie dich doch sicher davor gewarnt nachts das Hotel zu verlassen. Wahrscheinlich ist dein Mietwagen verreckt, neue Autos gibt es nicht auf der Insel. Die kommen da alle schon gebraucht an. Alles was es dort zu kaufen gibt ist Zeug, das hier keiner will. Bis auf den Rum und das Dope.

Der CD Spieler spielte Burning Spear. “Do ya remember tha days of slavery?” Die Gäste tanzten und sangen vor dem Verschlag auf der Straße mit. Man konnte ihre Wut spüren als sie es sangen: “Do ya remember tha days of slavery?” Offensichtlich konnten sie sich ganz gut Erinnern. In so etwas wie Wellblechhütten haben sie vermutlich auch damals gehaust. Und da warst Du und alle sahen dich an.

Als Du deine Familie hastig an uns vorbei triebst, sah man die Angst in deinen Augen. Du musstest diese Menschen nicht kennen um sie zu fürchten. Sie waren schwarz und arm, du warst reich und weiß.

In dieser Nacht war auch ich da und tanzte und sang mit den anderen. Und da hattest du in diesem Moment wohl auch vor mir Angst. War es dir Unheimlich dass ich dort Freunde finden konnte wo sie dich alle Hassen.

Was meinst du? War ich da Neidisch?

Jetzt sehe ich dich hier wieder. Fett geworden bist du. Siehst du hinter uns die Schlange? Die anderen warten darauf was abzubekommen. Sie warten schon ein ganzes Leben darauf. Sie haben hart dafür gearbeitet. Aber du, du kennst kein Maß. Wenn du nicht wärst, wäre genug da für alle.

Ich sage du hast Genug, und du nennst mich neidisch, missgünstig?

Bestimmt sind auch die Menschen in Lybien, Ägypten, Iran oder Tunesien einfach nur neidisch und missgünstig. Was meinst du, haben die dort auch eine "Neiddebatte" die nur etwas heftiger ausgetragen wird? Glaubst du die sind nur auf der Straße für freie Presse? Für Mitbestimmung? Glaubst du die lassen sich abschiessen weil sie Neidisch sind?

Nein mein Freund. Ich habe so viel wie ich brauche. Aber weil du zu viel hast, haben Tausende andere zu wenig. Ich höre es überall um mich herum lauter werden “Du hast Genug!” sagen die Tausend. “Du hast Genug!” höre ich Hunderttausende in Griechenland, Italien oder Frankreich.
“Du hast Genug!” höre ich es Millionenfach aus Nordafrika.

Ich sag dir was: Aus deiner Antwort höre ich die Angst die ich damals in der Karibik in deinem Gesicht gesehen habe. Die Angst Irgendwann könnten dich die Polizisten die hier stehen nicht mehr schützen und plötzlich merkst du, du hast Angst allein zu sein unter den Menschen die voller Wut sind.
Sie sind wütend weil du dich Maßlos bereicherst.
Sie sind wütend weil du nicht merkst, dass du Genug hast.
Sie sind wütend da sie arm sind, weil du reich bist.
Doch trotz dieser Angst kennt deine Maßlosigkeit kein Ende.

Morgen schon traust du dich nicht mehr heraus aus deinem Palast.
Aber deine Gier wird immer noch nicht gesättigt sein.
Du wirst Leute mit Schlagstöcken und Gewehren bezahlen müssen um deinen Reichtum zu verteidigen. Übermorgen wird dich auch zu Hause niemand mehr schützen können.

Wenn jemand dann das nächste mal dein Eigentum aus deinem Haus trägt wirst du ihn nicht mehr dafür bezahlt haben, also bitte, ich sage es noch einmal höflich, stell diese Schüsseln zurück und geh zur Seite, du hast Genug!”

Link: Aufsichtsratschef Cromme (Siemens, Thyssen) sagt Managerkritik ist "Neid und Missgunst"

Mittwoch, 6. April 2011

Der Blick aus der Ferne in Kürze

Ich möchte mit diesem Post neuen Lesern den Einstieg in meine Texte etwas vereinfachen. Hier also so etwas wie der rote Faden durch die bisherigen Posts.

Im bisherigen Verlauf diese Blogs habe ich die Grenzen des Wachstums aus Sicht des Kulturmaterialismus vorgestellt. Der Kulturmaterialismus ist eine Wissenschaftstheorie die von Marvin Harris entwickelt wurde. Der Kulturmaterialismus stützt sich auf den Begriff der Tragfähigkeit der als Energieeinheit definiert wird.

Begründet auf diesen Tragfähigkeitsbegriff habe ich einen neuen Wachstumsbegriff vorgeschlagen. Er soll, als Maßstab politischen handelns, den bisherigen Begriff des Wachstums als BIP Zuwachs ersetzen.

Der BIP Zuwachs ist als Wachstumsbegriff für die Gesellschaft von weit geringerem Wert als ihm von den Volkswirtschaftlern zugewiesen wird. (Siehe dazu mein Post: Wachstum revisited 01)

Ein Wachstum des BIP dient heute allein der Akkumulation der Vermögen und nicht dem Gemeinwohl. (Dazu wird an anderer Stelle viel geschrieben, ich empfehle z.B.: die Ausführungen von Hagen Genreith).

Dieser Wachstumsbegriff und das resultierende wirtschaftliche Handeln führt letzen endes dazu, dass unsere Gesellschaft in ihrer Überlebensfähigkeit auf dem Spiel steht. Das Beispiel von Fukushima führt uns dies drastisch vor Augen.

Die Prognose der IEA, (siehe mein Post Ressourcenkrise) gibt uns nur noch einige Jahre Zeit, in denen wir uns auf eine Zeit ohne Erdöl vorbereiten können. Die Anstrengungen die wir im Moment unternehmen bereiten uns nicht auf die Ressourcenkrise vor. Die jetzt als Folge von Fukushima angedachte Umstellung auf nachhaltige Stromerzeugung ist ein erster Schritt, führt aber nicht annähernd weit genug.

Um es hier noch einmal deutlich zu sagen:

Wenn wir nicht Nachhaltigkeit SOFORT und ENTSCHIEDEN umsetzen, werden Menschen
(auch) bei uns in Deutschland (ver-)hungern und wahrscheinlich werden Aufstände, Radikalismus und Terror herrschen.

Unsere Abhängigkeit von Fossilen Brennstoffen ist gewaltig:


Abb: Anteil der Energieträger am Gesamtenergieverbrauch 2008, Sonstige u.a. Brennholz, Brenntorf, Klärschlamm, Müll, sonstige Gase, Quelle: BMWi

Wie auf dieser Abbildung zu erkennen stammte unsere Energie (2008) zu 80% aus nicht erneuerbaren Energiequellen. Die 35% Mineralöl werden uns innerhalb der nächsten 10 - 20 Jahre abhanden kommen bzw. sehr teuer werden.

Diese 35% Erdölanteil erscheinen auf den ersten Blick nicht als unüberwindliches Hinderniss. Wenn wir uns vor Augen führen, für was wir das Erdöl benötigen, wird klarer wie es um unsere Abhängigkeit von Erdöl bestellt ist:

Abb:Verwendung von Mineralöl, Stand 2007

1% der Weltweit verbrauchten Energie wird allein für das Haber Bosch Verfahren benötigt (Stickstoffproduktion). Dies sind ausschliesslich fossile Brennstoffe, vor allem Erdgas (Wasserstofferzeugung). Der gewonnene Stickstoff wird größtenteils in der Düngemittelproduktion eingesetzt. Dazu kommen in der herkömmlichen Landwirtschaft die Pestizide, Herbizide usw. die ebenfalls hohe Primärenergiekosten haben.

Bei der Landwirtschaft, wie bei allen anderen produzierten Gütern, kommt die Verarbeitung, die Verpackung und der Transport hinzu. Allesamt ebenfalls weitestgehend noch Erdölabhängig. Ohne Erdöl kann also unsere bisherige Nahrungsmittelproduktion unseren Bedarf nicht mehr decken. So wie die Nahrung sind auch Heizung und Mobilität fast ausschliesslich Erdölabhängig.

Anstatt weiter blind auf den Abgrund zuzusteuern könnte uns die Tragfähigkeit eine Navigationshilfe sein, die es uns vielleicht erlaubt den Absturz zu vermeiden.

Meine Grundüberzeugung ist, dass der im Moment vorherrschende Kapitalismus nicht mit Nachhaltigkeit zu Vereinbaren ist.

In Kürze kann man das in den Worten von Kenneth Boulding zusammenfassen:

“Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.”
Deshalb ist mit einer Ausrichtung auf Nachhaltigkeit ein Umbruch unseres Wirtschaftssystems verbunden. Ziel eines Wirtschaftssystems soll eine effektive Verteilung der Güter sein bei der das Gemeinwohl über den Interessen des Einzelnen steht.

Um unsere Gesellschaft neu Auszurichten, müssen wir uns von den Maßstäben politischen Handelns des 20Jh trennen. Der politische Diskurs steckt in einer Sackgasse. Siehe dazu meinen post zu Gerechtigkeit und Gesellschaftsordnung.

Der Weg in eine neue Gesellschaft muss sich auf die größte Erungenschaft der menschlichen Denkfähigkeit begründen, den Idealen, die in der Wissenschaftstheorie beschrieben werden.

Eine Gesellschaft die sich von dem Zwang zu Profit und ständiger Konkurrenz befreit, befreit sich von Gier, Neid und Hass. Eine Erneuerung unseres Wirtschaftssystem kann nur ein Gewinn für uns sein.