Dienstag, 22. Februar 2011

Wachstum

»Wachstum zu schaffen, das ist das Ziel unserer Regierung«, meinte Angela Merkel in ihrer Antrittsrede als Bundeskanzlerin im 17. Deutschen Bundestag.

Mit Wachstum wird alles Gleichgesetzt. Wachstum schafft Arbeitsplätze, Wachstum schafft Wohlstand, Milch und Honig ständige Glückseligkeit ...

Demgegenüber steht die Wirklichkeit.

Sehen wir uns die USA an die 2010 ein Wirtschaftswachstum von 2,6 % verzeichnet hat.

Die Lohnquote (Anteil an Löhnen und Gehältern am BIP) beträgt nur noch 43 %.
Die (ungeschönte) Arbeitslosenquote ist dabei auf 18% gestiegen. Die Verschuldung privater Haushalt so groß wie nie. Die Armut so schlimm wie nie.

Auf der Strecke blieben die Infrastrukturmaßnahmen, die Soziale Absicherung, die Gesundheitsversorgung, die innere Sicherheit, öffentliche Schulen, Bibliotheken.

Wo ist das Wachstum hingegangen?

Das einzige was seit 20 Jahren unablässig steigt sind die Vermögenseinkommen und Unternehmenseinkommen. Sie machen inzwischen in den USA einen Anteil von 57% des BIP aus. Das momentane Wachstum ist den Renditen auf den Finanzmärkten geschuldet.

Macht so ein Wachstumsbegriff überhaupt Sinn?
Ist das ein Maß für den Wohlstand und die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft?
Ist eine Währung ein brauchbare Einheit um dessen Größe zu bemessen?


Wenn wir das Wachstum anhand der Steigerung der Tragfähigkeit in Energie innerhalb eines Jahres (in Joule) messen würden, hätte man eine reale, gesamtwirtschaftliche, physikalische Größe für das Wachstum. (siehe mein Blog hier)

Zufällig entspricht dies sogar dem physikalischen Begriff der Leistung (Arbeit pro Zeit dw / dt, Watt).

Es wäre eindeutig erkennbar ob die Gesellschaft sich nachhaltig verhält oder nicht. Ausbeutung, Verschwendung und Verfall würden sich sofort negativ auf das Wachstum auswirken.

Was spricht dagegen?

Der Volkswirtschaftliche Wachstumsbegriff dient vornehmlich denjenigen die davon profitieren, den Empfängern von Leistungslosen Vermögenseinkommen.
Wer eine ausführliche und wissenschaftliche Begründung dieser Behauptung sucht kann Beispielsweise hier bei Hagen Genreiths ausgezeichnetem Blog fündig werden.

Wer mehr darüber wissen will wo überall Einfluss auf unsere Marktwirtschaft genommen wird und mit welchen Auswirkungen kann dies bei Dr. Stefan Eichers Blog nachlesen.

Vermögenseinkommen sind also das Ziel der Wirtschaftspolitik. Nicht das Steigen des Wohlstands für Alle sondern nur für Wenige. Der Begriff Wachstum ist dabei aber so positiv besetzt, dass jeder glaubt, das könne nur gut für ihn sein.

Diesem Wachstumsbegriff wird alles geopfert. Moral, Ethik, Bildung, Umwelt, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, sozialer Frieden, friedliche Aussenbeziehungen, Gesundheit und das Glück der Menschen.

All das was eigentlich Ziel einer Kultur ist und auch in den meisten Verfassungen niedergelegt wurde.

Der auf Wachstum begründete Kapitalismus ist nicht die Quelle sondern der Antagonist all dieser Bestrebungen. Das Gegenteil der in den Verfassungen demokratischer Staaten niedergelegten Grundgesetze. Wirtschaftswissenschaftler, Banker und Politiker die das Wachstum als Heilmittel propagieren handeln demnach entgegen dieser Verfassung.

>> Weiter (Wachstum Revisited 01).

Kommentare:

  1. Es war AD 1757 -- 'AD' steht für Anno Domini -- als ein heute weitgehend unbekannter Mensch namens Christian Fürchtegott Gellert ein paar Reime textete, die erheblich schneller zur Sache kommen als DIE ZEIT.

    Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre,
    Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort.
    Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere,
    Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort.

    Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne?
    Wer führt die Sonn’ aus ihrem Zelt?
    Sie kommt und leuchtet und lacht uns von ferne,
    Und läuft den Weg gleich wie ein Held.

    Vernimm’s, und siehe die Wunder der Werke.
    Die die Natur dir aufgestellt!
    Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke
    Dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt?

    Kannst du der Wesen unzählbare Heere,
    Den kleinsten Staub fühllos beschaun?
    Durch wen ist alles? O gib ihm die Ehre!
    Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun.

    Mein ist die Kraft, mein ist Himmel und Erde;
    An meinen Werken kennst du mich.
    Ich bin's, und werde sein, der ich sein werde,
    Dein Gott und Vater ewiglich.

    Ich bin dein Schöpfer, bin Weisheit und Güte,
    Ein Gott der Ordnung und dein Heil;
    Ich bin’s! Mich liebe von ganzem Gemüte,
    Und nimm an meiner Schöpfung* teil.

    * ursprünglich stand ‚Gnade’ an dieser Stelle (= Anm. v. JuergenFriedrich@gmx.de)
    Beethoven vertonte nur die ersten beiden Strophen von Gellerts Gedicht. In verschiedenen Bearbeitungen wurden weitere Strophen angefügt, die sich zum Teil frei an Gellerts restliche Dichtung anlehnen.

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  2. Der Sinn Ihres Kommentares bleibt mir verschlossen. Ich sehe nicht, was dies mit der Wachstumsproblematik zu zun haben soll.

    Ich sehe Religionen und vor allem Kirchen eher als Teil des Problems denn als Lösung, genau wie jede Form von Aberglaube und Fanatismus.

    siehe hierzu meine Beiträge zu Wissenschaftstheorie oder Gerechtigkeit.

    Das 18 Jh sah die Aufklärung und die Französische Revolution. Die momentane Situation ist damit gut vergleichbar.

    Revolution, nicht Gottvertrauen schuf die Demokratie und die aufgeklärte Gesellschaft.

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